Rumänische Landeswährung Leu, auf Abwärtskurs
Inmitten der aktuellen politischen Krise in Bukarest wertet die rumänische Landeswährung gegenüber dem Euro ab.
Roxana Vasile und Florin Lungu, 07.05.2026, 10:25
Anders als andere osteuropäische Länder, die eine größere Flexibilität des Wechselkurses zulassen, nutzte Rumänien die Stabilität seiner Landeswährung als Schutz vor der extrem hohen Inflation. Jede Abwertung des Leu schlägt sich in den Preisen im Einzelhandel, in Rechnungen oder in den Bankzinsen nieder, die Kreditnehmer zahlen müssen. Doch inmitten der aktuellen politischen Krise in Bukarest setzte die Abwertung der rumänischen Landeswährung – des Leu – gegenüber dem Euro ihren Lauf und erreichte am Mittwoch ein neues historisches Tief: 5 Lei und 26 Bani, ein Anstieg um 5 Bani gegenüber dem Vortag.
In den letzten zwei Wochen stieg der Wechselkurs um 3,5 %, nachdem er seit Jahresbeginn stagniert hatte. Auch gegenüber dem US-Dollar verlor die Landeswährung an Wert; der Kurs notierte bei 4 Lei und 47 Bani, was einem Anstieg entspricht. Der Goldpreis stieg ebenfalls und erreichte 676 Lei, nach 653 Lei am Vortag. Die Bukarester Börse trotzte der politischen Lage und schloss den Mittwoch im Plus. Der Leitindex BET legte um über 1 % zu. Die Aktien von Electrica – einem wichtigen Akteur im Stromverteilungs- und -versorgungsmarkt – stiegen um fast 10 %, während die Aktien von Romgaz – dem größten Erdgasproduzenten und -lieferanten Rumäniens – nach der Ankündigung der Übernahme von Azomureş, dem größten Düngemittelhersteller des Landes, um 2,7 % zulegten.
In diesem Zusammenhang erklärte der amtierende Finanzminister Alexandru Nazare, er habe mehrere Gespräche mit Vertretern der Ratingagentur Fitch Ratings über die politische Lage in Rumänien nach dem Sturz der Regierung des Liberalen Ilie Bolojan geführt. Minister Nazare betonte, die rumänischen Behörden müssten den Dialog mit allen Ratingagenturen fortsetzen, um die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Stabilität des Landes nicht zu gefährden. Erinnern wir uns daran, dass die von der Regierung Bolojan im vergangenen Jahr verhängten Sparmaßnahmen ausschließlich dem Ziel dienten, das Haushaltsdefizit Rumäniens – das größte in der Europäischen Union – zu reduzieren, um, wie es hieß, eine Herabstufung des Landes auf Ramschniveau, also in die Kategorie „nicht empfehlenswert für Investitionen“, zu vermeiden.
Alexandru Nazare mahnte, Rumänien müsse trotz der politischen Übergangsphase die haushaltspolitischen Ziele und die von der Europäischen Kommission und der PNRR eingegangenen Verpflichtungen weiterhin einhalten. „Der haushaltspolitische Kurs darf nicht vernachlässigt werden, wir dürfen kein Signal der Nachlässigkeit aussenden. Die Europäische Kommission, die Agenturen und die Investoren verfolgen die aktuelle Lage in Rumänien mit großer Aufmerksamkeit und Besorgnis“, so der Interims-Finanzminister. Er betonte, alle Projekte im Zusammenhang mit der PNRR müssten unverzüglich fortgesetzt werden. Bezüglich der Entwicklung des Leu-Euro-Wechselkurses versicherte er, die Rumänische Nationalbank tue alles, um die Lage unter Kontrolle zu halten.