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Kunstfleisch: eine umweltfreundlichere Alternative zum Fleisch aus Massentierhaltung?

Die Idee, Fleisch im Labor zu produzieren, ist nicht neu. Sie begann vor mehr als zwei Jahrzehnten als praktische Aufgabe – die NASA finanzierte damals eine Studie, um Lösungen für die Ernährung von Astronauten zu finden. Das Ergebnis? In den Jahren 2001 und 2002 experimentierte die NASA mit kultivierter Fleischproduktion und erzeugte die erste essbare Probe von im Labor gezüchtetem Fleisch: ein Fischfilet aus Goldfischzellen. In-vitro-Fleisch – auch Kunstfleisch, kultiviertes Fleisch, Laborfleisch oder Clean Meat genannt – ist unser Thema heute im Feature „Das globale Dorf“

Foto: Joshua Kantarges / unsplash.com
Foto: Joshua Kantarges / unsplash.com

und , 10.05.2024, 18:39

 

RadioRomaniaInternational · Kunstfleisch: eine umweltfreundlichere Alternative zum Fleisch aus Massentierhaltung?

 

Nach jahrelanger und umstrittener Forschung und Erprobung ist künstliches Fleisch ein tragfähiges Produkt geworden, das sich langsam seinen Weg in den kommerziellen Konsum bahnt. Der erste künstliche Rindfleisch-Burger wurde 2013 von einem Forscherteam der Universität Maastricht in den Niederlanden entwickelt. Der Burger, der in London zubereitet und verkostet wurde, wog 142 Gramm und kostete sagenhafte 250 000 Euro. Die USA und Singapur gehören zu den ersten Ländern, die den Verkauf von kultiviertem Fleisch erlauben, und das erste Restaurant, das dieses Fleisch anbietet, wurde 2020 in Tel Aviv, Israel, eröffnet. Europäische Länder wie Deutschland, Spanien und die Niederlande investieren bereits kräftig in Forschung und Entwicklung, um sich auf den Moment vorzubereiten, in dem Kunstfleisch die Verbraucher erreichen wird.

In den letzten zehn Jahren sind weltweit mehr als 150 Unternehmen entstanden, die insgesamt rund 2,8 Milliarden Dollar in Forschung und Tests investiert haben. Die EU hat ihrerseits 25 Millionen Euro in die Erforschung nachhaltiger Proteine, einschließlich dieser Art von Fleisch, investiert.

 

Petru Alexe ist Professor an der Fakultät für Lebensmittelwissenschaften und -technologie der Universität „Untere Donau“ im ostrumänischen Galatz. Was vor zehn Jahren noch als Kuriosität galt und als futuristische Lösung zur Deckung des Nahrungsmittelbedarfs der wachsenden Weltbevölkerung betrachtet wurde, könnte sich tatsächlich als zukunftsfähig erweisen, meint der Wissenschaftler:

Zunächst kam die Idee des künstlichen Fleisches auf den Markt, dann wurde die notwendige Korrektur vorgenommen, denn es handelt sich um ein Fleisch, das eine Vermehrung von Muskelzellen außerhalb des Tierkörpers bedeutet. Mit anderen Worten: Bestimmte Stammzellen werden den Tieren entnommen und in einen Bioreaktor übertragen, in dem sie sich vermehren und aus dem dieses kultivierte Fleisch gewonnen wird. Da es aus einer lebenden Quelle, einer tierischen Quelle, stammt, müssten wir es eigentlich nicht als künstliches Fleisch bezeichnen, denn es wird nicht vollständig vom Menschen hergestellt, sondern auf der Grundlage von im Tier vorhandenen Zellen. Es handelt sich nur um Muskelgewebe, und beim Fettgewebe wurden auch Fortschritte erzielt. Das Tier wird also nicht vollständig reproduziert, eine solche Entwicklung gibt es in der Wissenschaft vorerst nicht, sondern es werden nur die Muskelzellen vermehrt, so dass wir diese gezüchtete Masse an Muskelgewebe erhalten, die problemlos verzehrt werden kann, wie die Zulassungen zeigen, die dieses Fleisch erhalten hat.“

 

Im Bioreaktor werden die Stammzellen in eine Flüssigkeit getaucht, die Salze, Vitamine, Zucker und Proteine sowie Wachstumspräparate enthält. Die sauerstoffreiche Umgebung mit kontrollierter Temperatur ermöglicht es den Zellen, sich schnell zu vermehren. Die Stammzellen differenzieren sich dann in Muskelfasern, die miteinander verschmelzen, und das Fleisch ist dann innerhalb weniger Wochen küchenfertig für eine weitere Verarbeitung oder Zubereitung. Professor Petru Alexe erneut mit Einzelheiten:

In-vitro-Fleisch kann aus jeder Art von Fleischzellen hergestellt werden – vom Fisch, Huhn, Schwein oder Rind. Es ist nur eine Frage der Vermehrung. Es besteht kein Zweifel, dass der Geschmack von Fleisch im Allgemeinen direkt mit den Ernährungsgewohnheiten zusammenhängt. Hier geht es um den Einfluss der Nährstoffe, die wir in diesen Bioreaktor geben. Denn, wenn sie mir den Vergleich erlauben, ist das Tier ja auch ein Bioreaktor, nur versorgt es sich selbst mit Nährstoffen oder wir helfen ihm von Zeit zu Zeit. Der Punkt ist, dass wir alles, was wir in diesen Bioreaktor geben, auch im gezüchteten Fleisch wiederfinden werden. Im Moment haben wir weder eine komplexe Konsistenz, noch sind die Sortimente sehr vielfältig, aber wie bei jeder Forschung wird es sicher Fortschritte geben.“

 

Im vergangenen Jahr hat die Menschheit 364 Millionen Tonnen Fleisch verzehrt, und jüngsten Prognosen zufolge wird die weltweite Fleischnachfrage bis 2050 um mindestens 50 % steigen. Für die traditionelle Landwirtschaft bedeutet dies eine enorme Belastung der Umwelt. Befürworter der neuen Technologie sagen, dass Kunstfleisch eine umweltfreundlichere Alternative sein kann: Es könnte die Umwelt deutlich weniger belasten als konventionell erzeugtes Fleisch, da es um 90 % weniger Land benötigt, um 94 % weniger Luftverschmutzung verursacht und potenziell um 92 % weniger Treibhausgase verursacht. Außerdem, so die Befürworter von Kunstfleisch weiter, benötige kultiviertes Fleisch im Gegensatz zu Fleisch aus Massentierhaltung keine Antibiotika zur Bekämpfung von Krankheiten, die durch Bakterien wie Salmonellen oder E. coli verursacht werden. Dies würde wiederum das alarmierende Phänomen der Übertragung von Antibiotika in den menschlichen Körper durch den Verzehr von Fleisch und die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen verringern, die von der WHO als globale Bedrohung der öffentlichen Gesundheit angesehen werden.

Allerdings gibt es auch skeptische Länder. Italien das einzige Land der Welt, das die Herstellung und den Verkauf von Kulturfleisch im November 2023 verboten hat. Begründet wurde dies mit dem Schutzes kulinarischer Traditionen. Das entsprechende Gesetz wurde von Wissenschaftlern und Umweltorganisationen kritisiert, weil es im Widerspruch zu den globalen Trends und der Offenheit für diese neuen Möglichkeiten stehe.

In Rumänien hat der Senat (die Oberkammer des rumänischen Parlaments) ein ähnliches Verbot bereits gebilligt, allerdings ist die Abstimmung in der Abgeordnetenkammer noch offen. Doch sollte die EU den Verkauf von kultivierten Fleischerzeugnissen auf dem Binnenmarkt genehmigen, könnten weder Italien noch Rumänien Einfuhren aus anderen EU-Ländern trotzdem nicht mehr verhindern.

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