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Apotheken im fanariotischen Jahrhundert – die Geburt der modernen Pharmazie in der Walachei

Die Periode der fanariotischen Herrschaften begann in den Rumänischen Fürstentümern im Jahr 1718 und endete nach mehr als einem Jahrhundert, im Jahr 1822.

Сторінки історії
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, 27.04.2026, 21:11

Sie erhielt diesen Namen von den Fürsten, die ursprünglich aus dem Stadtviertel Phanar in Konstantinopel stammten und sich auf den Thronen der beiden Rumänischen Fürstentümer ablösten. Das 18. Jahrhundert oder das fanariotische Jahrhundert war jenes Jahrhundert, in dem die Moderne aus Westeuropa begonnen hatte, auch im Osten des Kontinents Widerhall zu finden. Und die Moderne bedeutete auch neue Ansätze, welche die Medizin und die Pharmazie bei der Behandlung von Krankheiten verfolgten.

Raluca Moței ist auf die Geschichte der Pharmazie in der Walachei, einem der beiden Rumänischen Fürstentümer, spezialisiert. Sie ist auch Teil des Projekts zur Wiedergewinnung von Artefakten, das vom Museum der Stadt Bukarest betrieben wird, um die Karte der Apotheken (Spitzereien) der Walachei aus dem 18. Jahrhundert wiederherzustellen. Moței hat die Geschichte der Gesetzgebung über den Handel mit Heilmitteln und die pharmazeutischen Praktiken jener Zeit verfolgt:

In den Dokumenten des 18. Jahrhunderts erscheinen auch die ersten Belege für die Existenz von Apothekern (Spitzern), die zu den Menschen aus dem Umfeld der Fürsten gehörten. Im Jahr 1703, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, wird in der Chronik der Einnahmen und Ausgaben der Schatzkammer der Walachei die Zahlung einer Summe von 30 Talern an einen Apotheker vermerkt, der den Fürsten Constantin Brâncoveanu nach Adrianopel begleitete. Mit der Gründung der ersten Krankenhäuser entstanden auch die ersten Apotheken, wie etwa jene in der Nähe des Krankenhauses Colțea oder des Krankenhauses Pantelimon. Dort bereiteten die Apotheker Heilmittel aus heilenden Pflanzen für die Kranken zu. Parallel dazu entwickelten sich auch die privaten Apotheken, eine der bekanntesten befand sich in der Karawanserei Șerban-vodă im Zentrum der Hauptstadt.“

Die Moderne des 18. Jahrhunderts bedeutete die allmähliche Stärkung der staatlichen Autorität und ihrer festen Präsenz in dem, was die öffentliche Gesundheit darstellte. Die Gesetze wurden strenger, die Kontrolle der Handelstätigkeiten mit Arzneimitteln nahm zu, das Kompetenzniveau der Ärzte und Apotheker wurde von der staatlichen Bürokratie durch Urkunden geregelt, die Sicherheit bei der Ausübung dieser Berufe wurde als vorrangig betrachtet. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden zwischen dem Staat und der Pharmazie immer klarere Funktionsbeziehungen hergestellt. Raluca Moței:

In Ermangelung klarer Regelungen übten die Apotheker ihre Tätigkeit auf der Grundlage vager Bestimmungen aus den Pravilen vergangener Epochen aus. Dies führte dazu, dass die pharmazeutische Praxis rudimentär und ohne Standards war. Um diese Situation zu beheben, erließ der Fürst Alexandru Ipsilanti am 20. November 1780 die ersten offiziellen Regelungen über den Handel mit Arzneimitteln. Die Apotheker wurden unter die Aufsicht des fürstlichen Leibarztes gestellt, der für die Inspektion der Apotheken, die Überprüfung der Qualität und die Kontrolle der Preise zuständig war. Den Ärzten wurde geraten, nur frische Heilmittel zu verwenden. Derselbe Fürst erließ am 15. Mai 1797 die erste offizielle Verordnung zur Organisation der Apotheken. Diese schrieb die Verwendung der österreichischen Pharmakopöe aus dem Jahr 1780 als Grundlage für die Zubereitung von Heilmitteln und Medikamenten vor.“

Alexandru Ipsilanti gilt als der erste Reformer der Pharmazie im rumänischen Raum. Mit seinem Namen ist die Fortsetzung der Bürokratisierung des Bereichs verbunden.

Derselbe Fürst erließ im Jahr 1797 eine weitere Reihe von Gesetzen, die zur Regelung des Bereichs beitrugen, durch welche es den Apothekern untersagt war, giftige Produkte zu verkaufen. Ebenso musste die Mehrheit der in den Apotheken hergestellten Produkte zum Zeitpunkt des Verkaufs eines solchen Produkts von einem ärztlichen Rezept begleitet sein. Aus diesem Dokument, das die Gesetze enthält, geht auch hervor, dass es in der betreffenden Zeit in Bukarest eine Anzahl von neun Apotheken gab, die sich in den Hauptzonen der Stadt befanden, größtenteils im Zentrumsbereich, in verschiedenen Karawansereien. Die Karawansereien waren eine Art Einkaufszentren mit sehr vielen Läden im Erdgeschoss. Die Apotheker fanden ihren Platz in jenen Läden, weil es ihnen viel leichter fiel, ihren Handel zu organisieren, an den betreffenden Orten gab es eine sehr gute Geschäftslage.“

In dem Maße, in dem die europäische Moderne immer einflussreicher auch in der Walachei wurde, fuhren die fanariotischen Fürsten fort, Gesetze zu erlassen, die den Anforderungen der neuen pharmazeutischen Tendenzen entsprachen. Raluca Moței:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird die Regelung der pharmazeutischen Tätigkeit strenger. Man geht von der Toleranz zu einer rigorosen Kontrolle der Behörden über. Am 4. November 1819 ernannte der Fürst Alexandru Suțu eine medizinische Kommission zur Ausarbeitung einer Verordnung über die Organisation der Apotheken. Das Dokument markiert einen wichtigen Moment in der Geschichte der Gesetzgebung, da darin zum ersten Mal die Begriffe Pharmazie und Pharmazeut erscheinen. Der Entwurf führte einen strengen Rahmen der beruflichen Kontrolle ein, die Pharmazeuten mussten von den offiziellen Ärzten geprüft werden, und jene ohne Diplom mussten ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die Apotheken waren verpflichtet, sich gemäß der österreichischen Pharmakopöe aus dem Jahr 1814 zu versorgen, sie unterlagen regelmäßigen Inspektionen und strengen Sanktionen. Die Preise mussten den österreichischen Tarifen aus dem Jahr 1814 entsprechen, und der Verkauf komplexer Präparate ohne Rezept war streng untersagt. Die Eröffnung von Apotheken war an die Erlangung eines fürstlichen Hrisovs gebunden, und der Handel mit giftigen Substanzen war verboten.“

Im rumänischen 18. Jahrhundert lenkten die europäische Moderne und die bürokratischen Maßnahmen des Staates die Entwicklung der Pharmazie und der neuen Haltungen gegenüber Krankheit und Heilung. Und das folgende Jahrhundert wird mit dem reformerischen Schwung der Modernisierung Schritt halten.

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