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Das alte rumänische medizinische Buch – Bilder von Krankheit und Heilung vom 16. bis 19. Jahrhundert

Unter den vielfältigen Druckerzeugnissen vergangener Jahrhunderte nahm das medizinische Buch stets einen besonderen Platz ein – ob als wissenschaftliche Abhandlung, als praktischer Ratgeber zur Behandlung zeitgenössischer Krankheiten oder als Schrift zur Gesundheitserziehung und Prävention.

1960-ті роки та відродження румунської дипломатії
1960-ті роки та відродження румунської дипломатії

, 06.04.2026, 22:16

Auch in den rumänischen Druckereien des 18. und 19. Jahrhunderts liefen solche Werke von den Pressen und fanden gemeinsam mit medizinischen Büchern aus dem Ausland ihren Weg in die Bibliotheken.

Den Zeitraum zwischen 1508 und 1830 betrachten Historiker als die Epoche des alten Buchdrucks im rumänischen Raum. Damals wie heute gilt: Bilder wirken unmittelbarer als Worte – und so waren sie von Anfang an fester Bestandteil der Druckwerke.

Anca Tatay von der Universitären Zentralbibliothek in Cluj erforscht seit mehr als zwei Jahrzehnten die Geschichte des alten rumänischen Buches und hat ihr Augenmerk auch auf die Abbildungen in medizinischen Büchern gerichtet, die sie in drei Klassen eingeteilt hat. Die erste umfasst Darstellungen von Krankheit und des vom Leiden betroffenen Körpers. Die zweite Klasse beinhaltet Bilder, die sich auf die Heilung oder das Heilmittel beziehen. In ihnen sehen wir, dass die Heilung göttlich-liturgischer Inspiration, natürlicher Inspiration und, später, wissenschaftlicher Inspiration entspringt. Die dritte Bildklasse umfasst Persönlichkeiten der Medizin – es handelt sich um Porträts der Autorität, die die Heilung legitimiert: Jesus Christus, die thaumaturgischen Heiligen sowie die berühmten Ärzte von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Eine vierte Bildklasse ist die der Heilpflanzen. Darüber hinaus gibt es Darstellungen mit der biblischen Thematik der Heilung des Blinden und des Gelähmten. Anca Tatay hat auch die Darstellung liturgischer Heilpraktiken wie der Krankensalbung und magischer Praktiken wie der Metoposkopie identifiziert sowie, näher an unserer Zeit, Darstellungen des menschlichen Körpers und der inneren Organe.

Bei der Präsentation der Abbildungen des alten rumänischen medizinischen Buches begann Anca Tatay mit den frühesten:

„Die ersten Bilder, die sich auf die Idee der Krankheit beziehen, erscheinen in Begleitung religiöser Texte, die vorherrschend sind. Ich beziehe mich auf die Heilung des Gelähmten von Bethesda und die Heilung des Blindgeborenen. Die ältesten Darstellungen dieser beiden Themen finden sich im slawischen Triodion Pentikostar, das vom Diakon Coresi 1558 in Târgoviște gedruckt wurde. Diese Gravuren unterscheiden sich von jenen, die nach 1700 anzutreffen sein werden. Jedenfalls besteht in der Periode zwischen 1558, als diese Gravuren erscheinen, und 1700 ein Hiatus – es taucht keine weitere Gravur mit dieser Thematik mehr auf. Das Neue Testament beschreibt die Heilung zweier Gelähmter, des einen von Bethesda und des anderen von Kapernaum. Der Erste wird von Jesus aufgrund seines Glaubens geheilt, und der von Kapernaum wird geheilt, weil die vier Männer, die ihn auf dem Rücken trugen, an Christus glaubten. Im Fall der Blinden beschreibt das Neue Testament drei Heilungen: die des Blindgeborenen, die des Blinden von Bethsaida und die des Blinden von Jericho. Alle diese fünf Darstellungen sind in der europäischen und rumänischen Ikonografie weit verbreitet, und die Darstellungen sind zumeist kanonisch.“

Im 18. Jahrhundert tauchen die Darstellungen jedoch wieder auf. Anca Tatay:

„Im 17. Jahrhundert haben wir keine einzige Darstellung. Doch ab dem Jahr 1700 werden wir mehrere Titel antreffen, die die Heilung des Gelähmten von Bethesda und die Heilung des Blindgeborenen abbilden. Die erste Darstellung dieser Art stammt aus dem Jahr 1701, aus dem Triodion von Buzău. In der Heilung des Schwachen, auch bekannt unter der Bezeichnung Heilung des Gelähmten oder des Lahmen, finden wir Jesus, gefolgt von den Aposteln, mit Heiligenschein, wie er sich dem Bett des Kranken nähert und ihn fragt: Willst du gesund werden? Worauf dieser antwortet: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich wirft, wenn das Wasser sich bewegt. Dieser Dialog wird im Bild durch Inschriften wiedergegeben, die aus den Mündern der beiden Personen zu kommen scheinen. Darauf sagt der Herr zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh! Hinter dem Lahmen befinden sich weitere Personen, Pharisäer und Schriftgelehrte, erkennbar an prächtigen Gewändern, Turbanen und verzierten Mitren, aber auch eine Menge Kranker, von denen einer ein Holzbein und eine Krücke unter dem Arm hat, auf die er sich stützt. Diese Bilder wurden dann als Vorlage übernommen; alle weiteren Darstellungen dieser Themen sind mehr oder weniger von den Gravuren aus Buzău inspiriert. Diese wiederum sind von den Gravuren aus Kiew aus dem Triod Zwednaja (Pentekostarion) von 1631 inspiriert, die in der Cazania – der Predigtsammlung – von Petru Movilă reproduziert wurden.“

Der rumänische Raum säkularisiert sich spät, was sich auch in der Entwicklung des Druckwesens beobachten lässt. Anca Tatay:

„Mircea Tomescu, ein großer Buchhistoriker, stellt Folgendes fest: Das religiöse Buch ist noch vorherrschend. Von den 384 zwischen 1717 und 1780 gedruckten Büchern sind 324, also 84 Prozent, religiöser Natur, und nur 60, also 15 Prozent, sind profane Werke. Die Zahl der weltlichen Bücher steigt in diesem Zeitraum nur in sehr geringem Maße. Das Überwiegen des religiösen Buches erklärt sich durch die Aufrechterhaltung des kirchlichen Monopols über das Druckwesen. Die Druckereien waren bei Metropolien, Bistümern und Klöstern angesiedelt, und um das Gewand des Drucks anzulegen, bedurfte ein Buch des Segens des Bischofs oder des Metropoliten. Doch 1784, infolge des Aufkommens weltlicher Druckereien und der Praxis, einige Werke auf Kosten von Privatpersonen herauszugeben, wird neben der kirchlichen auch die herrschaftliche Zensur eingeführt. Die restriktiven Maßnahmen durch die Anwendung der doppelten Zensur, der kirchlichen und der herrschaftlichen, verzögern so die Entwicklung des Druckwesens in der Walachei. Eine ähnliche Situation besteht auch in der Moldau. Da sie ihre Originalwerke oder Übersetzungen nicht im Land drucken lassen können, sind die Autoren gezwungen, sich an die weltlichen Druckereien in Hermannstadt, Wien und später an jene in Ofen zu wenden.“

Das alte rumänische medizinische Buch steht am Schnittpunkt mehrerer Geschichten. Sie erzählen davon, wie sich im rumänischen Raum über die Jahrhunderte das Verständnis vom menschlichen Körper, von Krankheit und Heilung gewandelt hat.

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