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Czernowitz und das Gymnasium Aron Pumnul – Wo Bildung und nationaler Geist die Bukowina prägten

Die Bukowina war eine der Provinzen, die sich am 28. November 1918 mit dem Königreich Rumänien vereinigten und so Großrumänien formten. In ihrer Hauptstadt Czernowitz waren die rumänischen Eliten im nationalen Geiste herangereift, und das Gymnasium Aron Pumnul stand dabei an vorderster Front.

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, 13.04.2026, 21:19

Die Schule ist es, die den heutigen Menschen am nachhaltigsten geprägt hat — beginnend mit dem 18. Jahrhundert, als sich die Überzeugung durchsetzte, dass Bildung das menschliche Wesen zu emanzipieren vermag. Auf allen Ebenen hat sie zur Verbreitung des Wissens beigetragen und Bürger im Geiste der Ideen ihrer Zeit herangebildet. Auch die Rumänen fanden durch die Schule Anschluss an den Zeitgeist.

Eine der Provinzen, die sich 1918 mit dem Königreich Rumänien vereinigten und so Großrumänien formten, war die Bukowina — am 28. November jenes Jahres. In ihrer Hauptstadt Czernowitz hatten sich die rumänischen Eliten im nationalen Geiste herausgebildet, wobei das Gymnasium Aron Pumnul als Speerspitze galt. Viele Generationen von Rumänen gingen durch seine Pforten, unter ihnen der Soziologe und Demograph Vladimir Trebici. In einem Interview aus dem Jahr 1997, geführt vom Zentrum für Mündliche Geschichte des Rumänischen Rundfunks, erinnerte sich Trebici — geboren in einer Gemeinde drei Kilometer östlich von Czernowitz, am Ufer des Pruth — an seine Gymnasialjahre am Aron-Pumnul-Gymnasium:

„Der Ehrgeiz der Eltern, ein edler Ehrgeiz, bestand darin, dass alle Kinder eine höhere Schule als die Grundschule besuchen sollten. Aus diesem Grund besuchten alle Kinder das Gymnasium, zwei von ihnen, also ich und mein etwas älterer Bruder, besuchten das Aron-Pumnul-Gymnasium, über das ich auch eine Monographie verfasst habe. Das Gymnasium wurde 1808 gegründet und berühmt wurde es für die Rumänen vor allem dadurch, dass Aron Pumnul im Jahr 1849 seinen Kurs in rumänischer Sprache an diesem Gymnasium begann. Und unter seinen Schülern war der bekannteste Mihai Eminescu. Also besuchten wir zwei Kinder das Aron-Pumnul-Gymnasium, die anderen beiden Brüder besuchten das Gymnasium, das danach den Namen Metropolit Silvestru trug — während unser Gymnasium ein humanistisches war, war das andere ein Realgymnasium.“

Durch Leistung hatte Vladimir Trebici den Weg an ein Elitegymnasium gefunden. Doch die Grundlagen seines Wissens verdankte er der Grundschule:

 

„Bevor ich das Gymnasium besuchte, hatten die Eltern die gute Eingebung, mich an die Grundschule in Czernowitz zu geben, die älteste Schule, die in der österreichischen Zeit Moldauische Hauptschule hieß, und wo ich denselben Eminescu als Vorgänger hatte. Eminescu besuchte zwei Klassen an der Grundschule in Czernowitz, 1858–59 und 1859–60, ich habe auch die Zeugnisse des Schülers Eminovici gesehen, wie er damals hieß. Dort absolvierte ich die letzte Klasse der Grundschule, und ich muss sagen, das war acht Jahre nach der Großen Vereinigung von 1918. Folglich befand sich auch diese Grundschule im Prozess der Rumänisierung, wie das gesamte Schulwesen in der Bukowina.“

Wenngleich sich die nationalen Ideen in der österreichischen Bukowina schon vor 1918 in voller Blüte entfalteten, war Mehrsprachigkeit in Czernowitz selbstverständlich und wurde als solche geschätzt. Vladimir Trebici:

 

„Das Milieu des einstigen Czernowitz war kosmopolitisch. Ich hatte vor einigen Jahren die Gelegenheit, auf Einladung der Vereinigungen der Bukowina-Deutschen in Deutschland einen Vortrag über die Toleranz in meinem Czernowitz zu halten — in jener Zeit, als ich Schüler und Student war. Ich zeigte, wie die Beziehungen zwischen den vielen damals in der gesamten Bukowina, vor allem aber in Czernowitz lebenden Ethnien beschaffen waren. In Czernowitz gab es Rumänen, Österreicher, also Deutsche — die zahlreichste Ethnie waren jedoch die Juden. Ebenso gab es Ukrainer, Polen, Armenier und weitere. Das ist das Milieu der Stadt, das Milieu, das ich aus dem alltäglichen Leben bestens kannte. Ich konnte bezeugen, und werde es auch künftig tun, welch ein Geist der Toleranz sich dort herausgebildet hat.“

Das Gymnasium brachte eine solide Tradition aus der Habsburgerzeit in das rumänische Bildungswesen ein. Es herrschte ein gesunder Wettbewerb, in dem Lernfleiß belohnt wurde, und die Zugehörigkeit zu dieser Schule war ein Grund zum Stolz — selbst für jene, die längst keine Schüler mehr waren. Vladimir Trebici:

 

„Es war ein ernstes Gymnasium. Wenn ich ernst sage, so war das die österreichische Tradition. Das Gymnasium wurde 1808 gegründet und war das älteste der Bukowina; in den ersten Jahren bis 1848 — es klingt kaum glaublich — war die Unterrichtssprache Latein. Ich trat 1926 ins Gymnasium ein; diejenigen, die vor mir dort waren, hatten Latein von der ersten bis zur achten Klasse, jeden Tag, und samstags sogar zwei Stunden. Altgriechisch wurde von der dritten bis zur achten Klasse unterrichtet. So ist es kaum verwunderlich, dass selbst das Dienstpersonal des Gymnasiums, der Intendant und die übrigen Bediensteten, es sich zur Ehre anrechneten, noch einige lateinische Worte von sich zu geben. Wir Kinder waren höchst amüsiert, zugleich aber auch beeindruckt, dass selbst die Bediensteten des Lateinischen mächtig waren. Das war die Tradition dieses Gymnasiums: Mathematik war im Lehrplan weit weniger präsent, dafür wurden Latein, Griechisch, Geschichte, Geographie sowie Chemie und Physik recht gründlich betrieben. Ganz zu schweigen davon, dass an unserem Gymnasium Religion ein Pflichtfach war.“

Das Aron-Pumnul-Gymnasium in Czernowitz war eine Pflanzstätte gebildeter Menschen, die ihrer Berufung folgten und ihre Laufbahn aufbauten. Die Rumänen der Bukowina schulden ihm unendlich viel für das, was sie heute als ihre Identität empfinden.

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