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Demographischer Wandel: Rumäniens Bevölkerung altert

Vielen Fachstudien zufolge nimmt die Alterung der Bevölkerung zu. Mehr alte Menschen stellen eine erhebliche Herausforderung für die Sozialhilfe-, Renten- und Gesundheitssysteme dar.

Demographischer Wandel: Rumäniens Bevölkerung altert
Demographischer Wandel: Rumäniens Bevölkerung altert

, 03.12.2014, 17:49

Vielen Fachstudien zufolge nimmt die Alterung der Bevölkerung zu. Mehr alte Menschen stellen eine erhebliche Herausforderung für die Sozialhilfe-, Renten- und Gesundheitssysteme dar, sowohl in Entwicklungsländern als auch in entwickelten Staaten. Die jungen Angestellten von morgen werden immer mehr Rentner unterstützen müssen. Laut Eurostat werde in den nächsten Jahrzehnten mehr als ein Drittel der Bevölkerung Europas über 60 Jahre alt sein.



Auch in Rumänien wird die Alterung der Bevölkerung zunehmen. Die Geburtenrate sinkt und die Lebenserwartung steigt laut dem Bericht Rumänien altert — Herausforderungen und Lösungen“, der vor Kurzem von der Friedrich-Ebert-Stifung in Rumänien veröffentlicht wurde. Laut der Volkszählung von 2011 seien 16,1% der Rumänen über 65 Jahre alt. Die Prognosen zeigen, dass die Zahl der alten Personen weiter steigen wird. Die Friedrich-Ebert-Stiftung wollte erfahren, was sich hinter den Zahlen und statistischen Daten versteckt. Das Projekt wurde von den Journalisten Laurenţiu Diaconu Colintineanu und Ioana Moldovan durchgeführt und präsentiert Lebensgeschichten alter Menschen.



Ioana Păunescu ist 101 Jahre alt und war die erste Ingenieurin für Elektromechanik in Rumänien. Sie hat zwei Weltkriege miterlebt und mit 73 hat sie das zweite Mal geheiratet, um nicht allein zu sein:



Wir waren beide verwitwet und haben uns geeinigt, nicht alleine zu bleiben. Wir sind seit 28 Jahren verheiratet. Wir sind beide 101 Jahre alt. Es waren normale Jahre. Jetzt fällt es uns schwer, weil mein Mann an Alzheimer erkrankt ist, ich muss auf ihn aufpassen. Er spricht nicht mehr, wir können folglich nicht mehr diskutieren. Es ist schwer. Mir wird geholfen, weil ich nicht mehr allein kochen kann, meine Hände und meine Füsse helfen mir nicht mehr. Ohne Unterstützung kann ich nicht mehr gehen.“




Eine andere Kategorie von alten Menschen sind diejenigen, die von anderen Familienmitgliedern gepflegt werden. Laura T. ist 52 Jahre alt und ihr Leben änderte sich komplett, als ihre 89jährige Mutter einen Oberschenkelknochenbruch erlitt. Sie konnte sich nicht leisten, einen Pfleger oder eine Pflegerin für ihre Mutter anzustellen. Deshalb teilt sie ihre Zeit täglich zwischen ihrer Mutter und ihrer eigenen Familie:



Es ist ziemlich schwer, weil ich auch einen Job und eine eigene Familie habe. Es ist schwer, alles zu erledigen. Wir haben zum Glück zwei Wohnungen auf derselben Etage. Wir haben uns gedacht, Hilfe zu holen, wir haben nachgerechnet und sind zur Schlussfolgerung gekommen, dass wir uns das nicht leisten können. Ich mache, was ich auch immer kann. Ich helfe ihr. Wahrscheinlich bräuchte sie jemanden, der mehr mit ihr diskutiert. Ich habe aber keine Geduld mehr und auch keine Zeit dazu. Psychisch leide ich darunter, weil es sich um einen fortschreitenden, langsamen und unheilbaren physischen Verfall handelt.“




In Rumänien gibt es lediglich 131 Altersheime mit insgesamt 7152 Betten. Petru Rotarciuc ist 63 Jahre alt und lebt in einem Pflegeheim in der Kommune Leorda, im nordöstlichen Landkreis Botoşani. Das Personal besteht hier aus einer Assistentin und zwei Krakenschwestern, die 70 Personen pflegen. Petru Rotarciuc ist hier zufrieden:



Ich bin arbeitslos geblieben. Wo ich auch immer nach Arbeit suchte, sagte man mir, ich sei zu alt. Ich konnte für meine Wohnung nicht mehr zahlen und bin auf der Stra‎ße gelandet. Mehr als ein Jahr habe ich auf der Stra‎ße gelebt. Jemand vom Landkreisrat hat mich hierher gebracht. Es ist besser hier als auf der Stra‎ße, im Wind und Regen. Hier habe ich ein Dach über dem Kopf. Wenn ich in Rente gehe, werde ich hier bleiben. Ich war verheiratet, meine Frau ist gestorben. Ich habe drei Kinder, sie sind weg und ich habe von ihnen nichts mehr gehört. Ich habe sie gesucht, aber nicht gefunden. Ich vermisse sie. Ich brauche nichts, würde sie aber gerne sehen und mit ihnen reden.“




Der Bericht Rumänien altert“ beinhaltet jedoch auch optimistische Daten: Die Armutsquote der alten Menschen (über 65 Jahre alt) ist in Rumänien von 65% im Jahr 2007 bis auf 35% im Jahr 2013 gesunken. Auch so liegt diese Quote doppelt so hoch als der EU-Durchschnitt, der bei 18% liegt. Ein positives Element war die Einführung der Mindestrente von 356 Lei (ca. 80 Euro) im Jahr 2009. Knapp eine halbe Million Rentner bekommen diese Mindestrente. 123.000 dieser Rentner sind Landwirte. Grund zur Besorgnis gibt es nach wie vor, meint Victoria Stoiciu, Programm-Koordinatorin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung:



Wir haben weiterhin eine der kleinsten staatlichen Renten in der EU und eine der kleinsten Übergangsraten — das Verhältnis zwischen der Durchschnittsrente und dem Durchschnittslohn. Ein anderer Grund zur Besorgnis ist die starke Polarisierung. 81% der Rentner bekamen im Jahr 2009 weniger als 1000 Lei im Monat. Ein Viertel der Rentner haben eine Rente, die unter dem Warenkorb-Wert liegt, unter 444 Lei. 40% der Rentner, das sind 2 Millionen Menschen, bekommen eine Rente, die unter der Subsistenzgrenze von 587 Lei liegt. 98% der ehemaligen Landwirte bekommen eine solche Rente.“




Rumänien braucht mehrere Pflegeheime und mehr qualifiziertes Personal. Die meisten Rentner können sich die privaten Altersheime nicht leisten. Das sind nur ein paar der Probleme, mit denen sich die betagten Menschen in Rumänien konfrontieren.

Alina Dumitriu
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