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Trend zu später Mutterschaft erreicht auch Rumänien

Die Entscheidung, ein Baby auf die Welt zu bringen, ist immer schwieriger geworden. Immer mehr Familien verzichten darauf, Kinder zu haben, oder beschließen, sie später in ihrem Leben zu bekommen.

Trend zu später Mutterschaft erreicht auch Rumänien
Trend zu später Mutterschaft erreicht auch Rumänien

, 28.08.2019, 17:30

Nach den neuesten vom Europäischen Statistikinstitut Eurostat veröffentlichten Daten lag das Durchschnittsalter, in dem Frauen in der Europäischen Union ihr erstes Kind bekommen, 2017 bei 29 Jahren, wobei die jüngsten Mütter mit durchschnittlich 26,5 Jahren in Bulgarien und Rumänien gemeldet wurden. Anscheinend folgen rumänische Frauen dem Beispiel westeuropäischer Familien. Paare wünschen sich weniger Kinder und erst später im Leben. Die Menschen sind mehr an persönlichem Glück interessiert. In den letzten Jahren hat der Beruf im Leben von Frauen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie sind mehr am Studium und am beruflichen Aufstieg interessiert, was das Familienleben zu einer geringeren Priorität macht.



Andererseits warnen Experten davor, dass eine spätere Schwangerschaft eine Reihe von Risiken mit sich bringt. Ştefania Mircea, Projektkoordinatorin bei der NGO Save the Children“, erklärt:



Es ist ein aktueller Trend, dass die Geburt des ersten Kindes bis nach dem Alter von 30 Jahren verschoben wird. Männer und Frauen werden Eltern viel später als frühere Generationen. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben vor allem mit dem wachsenden finanziellen und beruflichen Druck zu tun. Manchmal sind die Folgen nicht unbedeutend und gehen bis hin zur Unmöglichkeit einer Schwangerschaft. Aber es gibt noch viele andere Risiken: Fehlgeburt, genetische Anomalien des Fötus, Schwangerschaftsdiabetes, Frühgeburt, schwierige Geburt oder gar Tod bei der Geburt. Der allgemeine Konsens ist, dass eine Frau im Alter von 25 Jahren die maximale Fruchtbarkeit erreicht.“




Doch trotz des Anstiegs des Durchschnittsalters der Mutterschaft konfrontiert sich Rumänien nach wie vor mit gro‎ßen Problemen, insbesondere in gefährdeten Gemeinschaften. Die europäische Erhebung zeigt auch, dass der höchste Prozentsatz der jugendlichen Mutterschaft (Mütter unter 20 Jahren) 2017 ebenfalls in Rumänien und Bulgarien gemeldet wurde, nämlich 13,9 % der Gesamtzahl der Erstmütter. Rumänien steht bei der Zahl der minderjährigen Mütter an der Spitze der EU-Länder.



Laut dem jüngsten Bericht der Organisation Save the Children“ gingen 5 von 10 Müttern unter 18 Jahren noch nie zu einer fachärztlichen Untersuchung, was zu einer viermal höheren Frühgeburtenrate führte. Ştefania Mircea erzählt uns mehr:



Das Problem der Mütter im Teenageralter ist in Rumänien nach wie vor alarmierend, da die Kindersterblichkeit fast dreimal so hoch ist wie bei erwachsenen Müttern mit offiziellem Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung. Laut einer Anfang des Jahres vom Nationalen Statistikamt veröffentlichten Umfrage lag die Kindersterblichkeit bei Müttern unter 15 Jahren 2017 bei 17,3 pro 1.000 Lebendgeburten, während die durchschnittliche landesweite Rate bei 6,7 pro 1.000 Lebendgeburten lag. Für die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen war die Säuglingssterblichkeit im Jahr 2017 höher als die landesweite Durchschnittsrate, nämlich 10,5 pro 1.000 Lebendgeburten. Nach den neuesten Statistiken wurden 2017 insgesamt 742 Jugendliche unter 15 Jahren zu Müttern, während 18.938 Lebendgeburten für Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren gemeldet wurden.“




Seit einigen Jahren führt die Organisation Save the Children“ Programme zur Unterstützung der gefährdeten Gemeinschaften Rumäniens durch, wie Ştefania Mircea uns mitteilte:



Wir haben diese Familien unterstützt, indem wir die richtige medizinische Behandlung und alles, was mit der Bildungskomponente zusammenhängt, angeboten haben. Wir haben ein Netzwerk zur Unterstützung der sozialen Integration und Armutsbekämpfung geschaffen, das integrierte medizinische, soziale und Bildungsdienste auf lokaler Ebene anbietet. Wir arbeiten in 14 Bezirken und haben eine Verbesserung festgestellt. Wir verfügen über lokale Teams, die rund 7.500 Menschen unterstützen, darunter Kinder unter 5 Jahren, junge Mütter und schwangere Jugendliche. Als Ergebnis unserer Intervention hatten mehr als 30% der schwangeren Frauen in diesen Gemeinden gynäkologische Untersuchungen während der Schwangerschaft. Die Kinder und Schwangeren, die wir unterstützen, besuchten ihre Hausärzte, andere meldeten sich bei einem Hausarzt an. Das sind Dienstleistungen, von denen sie vorher nicht profitiert hatten, weil sie entweder nicht wussten, dass solche Dienstleistungen verfügbar waren, oder weil es für sie schwierig war, die Arztpraxis zu erreichen.“




Die Emanzipation der Frauen, die Intensivierung der Migration, die wachsenden Anforderungen an die Erziehung und Bildung von Kindern und das Fehlen einer Familienpolitik sind einige der Ursachen, die zu niedrigeren Geburtenraten in Rumänien führen. Laut Statistik nimmt die Bevölkerung Rumäniens in einem alarmierend schnellen Tempo ab. 2018 gab es die niedrigste Zahl von Lebendgeburten seit fünfzig Jahren, nur 173.900 Kinder wurden geboren. Junge Rumänen verlassen jedes Jahr das Land auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen. In zehn Jahren, von 2007 bis 2017, verlie‎ßen 3,4 Millionen Menschen Rumänien, was etwa 17% der Bevölkerung des Landes ausmacht.

Alina Dumitriu
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