Warum unsere Städte ihre Bäume verlieren
Der Verlust von städtischem Grün ist in großen Städten zu einem unübersehbaren Problem geworden. Zwar tragen die Bodenqualität und trockene Sommer maßgeblich zum Baumsterben bei, doch eine weitere Hauptursache ist die mangelnde Pflege der Setzlinge nach dem Einpflanzen. Diana Culescu, Landschaftsarchitektin und Mitautorin einer detaillierten Studie über die Vegetation im Bukarester Tineretului-Park, kritisiert das defizitäre Management der Behörden bei der Entwicklung von Grünflächen.
Daniel Onea und Adina Olaru, 31.08.2026, 17:28
Der Verlust von städtischem Grün ist in großen Städten zu einem unübersehbaren Problem geworden. Zwar tragen die Bodenqualität und trockene Sommer maßgeblich zum Baumsterben bei, doch eine weitere Hauptursache ist die mangelnde Pflege der Setzlinge nach dem Einpflanzen. Diana Culescu, Landschaftsarchitektin und Mitautorin einer detaillierten Studie über die Vegetation im Bukarester Tineretului-Park, kritisiert das defizitäre Management der Behörden bei der Entwicklung von Grünflächen.
„Dass wir junge Bäume verlieren, liegt in Rumänien meist daran, dass Gelder nur für die reine Pflanzung bereitgestellt werden, nicht aber für die sogenannte Etablierungsphase. Diese umfasst eigentlich drei Jahre, in denen die Pflanze beobachtet und gepflegt werden muss, um sich an die neue Umgebung anzupassen. In anderen Ländern wird dieses Vorgehen eingehalten, was sich in einer positiven Entwicklung der Vegetation zeigt. Bei uns überleben die Bäume ausschließlich von den Reserven, die sie aus der Baumschule mitgebracht haben – das reicht für maximal drei Jahre. Danach sterben sie ab und müssen ersetzt werden. So wird ständig neu gepflanzt, und die Behörden rühmen sich mit zehntausenden neuen Bäumen, ohne jedoch deren Überleben zu sichern.“
Neben der fehlenden Nachsorge gefährden auch Altlasten der städtischen Landschaftsplanung die Stabilität der Parks bis heute. Monokulturen stellen ein systemisches Risiko dar. Zudem führte die Missachtung des spezifischen Lichtbedarfs mancher Baumarten zu ungewöhnlichen Stammformen – ein Phänomen, das bei Passanten oft für unbegründete Sorge sorgt.
„Eine große Schwachstelle aus vergangenen Landschaftsgestaltungen sind ausgedehnte Flächen, auf denen nur eine einzige Baumart gepflanzt wurde. Dort kann eine einzige Krankheit den gesamten Bestand vernichten. Ein weiteres Problem ist das schiefe Wachstum von Bäumen, die um Licht konkurrieren. Obwohl nur fünf Prozent von ihnen wirklich eine Gefahr darstellen, weckt ihr Aussehen Ängste, und Fußgänger fordern oft, dass sie gefällt werden. In Wirklichkeit entwickeln sie aber einen natürlichen Mechanismus und ein viel widerstandsfähigeres Holzgewebe – eine Art ‚Muskel‘, der ihre Krone stützt.“
Um den weiteren Verfall von Grünflächen zu stoppen, fordern Experten ein radikales Umdenken bei der Planung neuer Pflanzungen. Die Lösung liegt in der strategischen Gruppierung von Bäumen. Diese Technik ermöglicht es ihnen, regelrecht zusammenzuarbeiten und sich effektiv gegen natürliche Bedrohungen zu wehren.
„Wenn große Vegetationsflächen angelegt werden, empfiehlt es sich, sogenannte ‚Ökosystem-Einheiten‘ zu schaffen. Das sind Gruppen von sieben bis 15 Bäumen derselben Art, die sich gegenseitig stützen können. Wird beispielsweise ein Baum von einem Schädling angegriffen, sondert er bestimmte chemische Stoffe ab, um den Rest der Gruppe zu warnen. Als Reaktion darauf produzieren die anderen Bäume Substanzen, die ihre Blätter bitter machen und so die Insekten abwehren. Das Grundprinzip lautet also: Bäume in Gruppen pflanzen, um dieses gegenseitige Verteidigungssystem zu fördern – und gleichzeitig die Artenvielfalt im gesamten Park zu erhalten.“
Das Pflanzen von Bäumen im städtischen Raum darf also nicht länger nur eine reine Imagekampagne oder das Abhaken von Statistiken sein. Ohne eine langfristige Strategie – mit ständiger Überwachung, angemessener Pflege in der Anwachsphase und der Beachtung ökologischer Prinzipien – werden die Städte weiterhin Ressourcen für Grünflächen verschwenden, die ohnehin keine Überlebenschance haben.