Bericht über Energiearmut in Rumänien
Energiearmut wird oft als ein rein wirtschaftliches Problem abgetan. Doch der neue Bericht des Rumänischen Observatoriums für Energiearmut zeigt: In Wirklichkeit ist sie auch eine riesige ökologische Herausforderung. Sehr viele Haushalte in Rumänien verbrauchen übermäßig viele natürliche Ressourcen oder greifen auf stark umweltbelastende Heizmethoden zurück – schlichtweg, weil ihre Wohnungen thermisch ineffizient, also schlecht isoliert sind.
Daniel Onea und Adina Olaru, 06.04.2026, 17:31
Das Problem beschränkt sich längst nicht mehr nur auf benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Es beeinträchtigt massiv die Luftqualität und bremst Rumäniens Bemühungen, seinen CO2-Fußabdruck zu verringern. Durch die enormen Wärmeverluste in schlecht isolierten Gebäuden sind die Menschen gezwungen, weit mehr Energie zu verbrauchen, als eigentlich nötig wäre. Diese Ineffizienz wirkt sich negativ auf die Umwelt aus: Die Treibhausgasemissionen steigen und Ressourcen werden übermäßig ausgebeutet.
Anca Sinea koordiniert das Rumänische Observatorium für Energiearmut. Sie erklärt, wie der schlechte Zustand der Gebäude diesen ökologischen Druck noch weiter verschärft:
„Energiearmut wird im Allgemeinen als die Schwierigkeit von Haushalten definiert, sich die nötigen Energieressourcen für ein normales, tägliches Leben zu sichern. Da dieses Phänomen stark von der Kaufkraft abhängt, trifft es offensichtlich vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten. Diese sind Krisen viel stärker ausgeliefert, weil ihre Einkommen gering sind. Aber, und das zeigen uns die Daten der letzten Jahre: Energiearmut ist kein Phänomen mehr, das ausschließlich arme Haushalte betrifft, sondern zunehmend auch solche mit mittlerem Einkommen. Das bringt uns zurück zu den Ursachen und zeigt, dass eben nicht nur das Einkommen der Grund ist, sondern auch die Wohnverhältnisse. Schlecht isolierte Wohnungen werden zu extremen Energieverbrauchern, da man eine viel größere Menge an Energie benötigt, um sie überhaupt warm zu bekommen.“
Der Zwang, diese enormen Energieverluste irgendwie auszugleichen, wurde in Krisenzeiten extrem deutlich. Um der Kälte zu trotzen, während gleichzeitig die Preise für traditionelle Brennstoffe in die Höhe schossen, wurden oft völlig ungeeignete Materialien verbrannt. Das führte zu einer massiven Luftverschmutzung. Oder die Energieinfrastruktur wurde schlichtweg überlastet. Externe Faktoren und höhere Gewalt haben die Widerstandsfähigkeit des Systems auf eine harte Probe gestellt. Mehr dazu, Anca Sinea:
„Wir messen die Energiearmut erst seit dem Zeitraum 2018 bis 2020. Daher haben wir noch ein relativ begrenztes Bild, gemessen am wahren Ausmaß des Phänomens an sich. Die Energiearmut in Rumänien unterlag Schwankungen. Es gab Jahre mit einem deutlichen Anstieg, wobei die Pandemie- und die Post-Pandemie-Zeit absolut ausschlaggebend waren. Das gilt sowohl für die nackten Zahlen – 2022 haben wir hier eine regelrechte Explosion erlebt – als auch für die direkten Erfahrungen der Haushalte. Während der Pandemie verbrachte die Bevölkerung viel mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden. Sie spürten hautnah das Maß an Komfort oder eben das Fehlen davon, und erlebten ihren tatsächlichen Energiebedarf. Nach dem Ende der Pandemie folgte dann die Energiekrise, ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Und auch in diesem Fall war der Energiemarkt völlig unvorbereitet.“
Die langfristigen Folgen dieses Überkonsums machen deutlich, wie dringend eine nachhaltige Energiewende umgesetzt werden muss. Experten betonen immer wieder: Massive Förderprogramme zur Energieeffizienz und zur Wärmedämmung von Gebäuden – gepaart mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien – sind die einzig machbaren und dauerhaften Lösungen.