Eurobarometer: Sorgen um Armut und sinkendem Lebensstandard
Der sinkende Lebensstandard und die Armut gehören zu den größten wirtschaftlichen Sorgen der Rumänen.
Mihai Pelin und Alex Sterescu, 06.10.2026, 12:35
Der sinkende Lebensstandard und die Armut sind für die Rumänen die größten Sorgen. Ihre Befürchtungen sind stärker ausgeprägt als in den meisten Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Das geht aus den Daten des Eurobarometers zur Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage in Europa hervor, die von Monitorul Social, einem Projekt der rumänischen Friedrich-Ebert-Stiftung, ausgewertet wurden. Die Daten zeigen, dass die Rumänen unter anderem befürchten, sich künftig Versorgungsleistungen, Lebensmittel oder medizinische Dienstleistungen nicht mehr leisten zu können.
62 Prozent von ihnen geben an, über einen sinkenden Lebensstandard besorgt zu sein, gegenüber 40 Prozent im EU-Durchschnitt, wie das Eurobarometer zeigt. Gleichzeitig machen sich 48 Prozent der Rumänen Sorgen über Armut, verglichen mit einem europäischen Durchschnitt von 32 Prozent. Diese beiden Probleme spiegeln die nach wie vor schwierige Situation in Rumänien sowie in anderen Ländern Süd- und Osteuropas wider. Eine Ausnahme bildet Polen: Dort geben 21 Prozent der Befragten an, sich wegen Armut zu sorgen, und 36 Prozent wegen eines sinkenden Lebensstandards, so die Autoren der Studie.
Hinzu kommen Sorgen über Waren und Dienstleistungen, die sich die Rumänen im kommenden Jahr möglicherweise nicht mehr leisten können. Dazu gehören Reisen, Versorgungsleistungen sowie medizinische Versorgung. An erster Stelle stehen Reisen mit 45 Prozent, dicht gefolgt von Versorgungsleistungen wie Strom- und Wasserrechnungen mit 44 Prozent sowie medizinischer Versorgung, ebenfalls mit 44 Prozent. Die Sorge erstreckt sich auch auf Lebensmittel: 40 Prozent der Rumänen glauben, dass sie sich diese im kommenden Jahr nicht mehr leisten können werden. Ähnliche Werte finden sich in Irland, Griechenland und Portugal, teilte die Friedrich-Ebert-Stiftung Rumänien mit.
Im Vergleich dazu gehören Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Wohnen und Versorgungsleistungen in Deutschland, Frankreich und Italien nicht zu den größten Sorgen. Dort bereitet der Zugang zu weniger grundlegenden Dienstleistungen wie Reisen, Unterhaltung oder Essen in Restaurants den Menschen die größten Sorgen. Gleichzeitig beurteilen 50 Prozent der Rumänen die derzeitige wirtschaftliche Lage ihres Landes als schlecht. Ein Viertel ist der Ansicht, dass sie weder gut noch schlecht ist, und etwas mehr als ein Fünftel hält sie für gut.
Diese Einschätzungen entsprechen weitgehend der durchschnittlichen Wahrnehmung der europäischen Bürgerinnen und Bürger von der wirtschaftlichen Lage in ihren jeweiligen Ländern. Wenn sie hingegen nach ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation gefragt werden, bewerten 34 Prozent der Rumänen diese als gut, gegenüber 36 Prozent im EU-Durchschnitt. 38 Prozent beurteilen sie als weder gut noch schlecht, gegenüber 35 Prozent im EU-Durchschnitt, und 27 Prozent halten ihre persönliche wirtschaftliche Situation für schlecht – genau wie im EU-Durchschnitt.
Der Pessimismus eines beträchtlichen Teils der rumänischen Bevölkerung zeigt sich auch mit Blick auf die Zukunft: 42 Prozent glauben, dass der Lebensstandard der heutigen Kinder, wenn sie erwachsen sind, niedriger sein wird als der ihrer Eltern. Im EU-Durchschnitt liegt dieser Wert ähnlich bei 45 Prozent. Insgesamt ist der Pessimismus mit Blick auf die Zukunft in den westeuropäischen Ländern stärker ausgeprägt, etwa in Deutschland mit 46 Prozent, Frankreich mit 56 Prozent und Italien mit 52 Prozent. Im Vergleich dazu sind die osteuropäischen Länder wie Bulgarien, Ungarn und Polen tendenziell optimistischer, mit Werten von etwa 26 bis 27 Prozent.