Ricardo Caria aus Portugal: „Rumänien ist es zu verdanken, dass sich mein Traum erfüllt hat.”
Der portugiesische Künstler Ricardo Caria lebt seit 2005 in Rumänien. Sein zweites Zuhause ist jetzt das westrumänische Arad. Der gebürtige Lissaboner ist Maschinenbauingenieur von Beruf. Seinem Beruf sei allerdings seine erste Reise nach Rumänien zu verdanken, sagt Ricardo – da er bei einem multinationalen Unternehmen als Maschinenbauingenieur arbeitete.
Hildegard Ignătescu, 29.01.2026, 15:05
Im Laufe der Zeit entdeckte er jedoch eine ältere Leidenschaft neu bzw. folgte ihr: der Musik. Er sagt, dass er in Rumänien nicht nur ein neues Zuhause gefunden hat, sondern auch einen künstlerischen Weg: „Rumänien hat mich inspiriert, mich herausgefordert und mir die Möglichkeit gegeben, meine Leidenschaft für Musik in ein Leben zu verwandeln, das aus Emotion und Verbindung mit dem Publikum besteht”. Da diese Entdeckung in Rumänien in einem bereits erwachsenen Alter stattfand, haben wir ihn gefragt, was hier geschehen ist, dass er gerade hier Zugang zu dieser sensibleren Seite seiner Persönlichkeit finden konnte. „Zunächst einmal vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein. Tatsächlich genau so ist es passiert. Ich war damals 26 Jahre alt, als meine Arbeit mich nach Rumänien brachte und ich hätte mir damals nicht vorgestellt, Künstler zu werden. Als Student war ich Teil eines Ensembles für traditionelle Musik – also wir waren eine Gruppe zukünftiger Ingenieure, die eine Leidenschaft für Musik hatten. Dort hatte ich sozusagen einen kleinen Kontakt mit der musikalischen Seite, aber es war nie in meinen Gedanken, dass daraus ein Beruf werden könnte, etwas, das mein professionelles Leben ausmachen würde. Nach einigen Jahren in Rumänien, spürte ich irgendwann, dass ich einen anderen beruflichen Weg eingehen soll.
Das war eigentlich der erste Schritt: zu wissen, dass ich mich in diesem Bereich nicht erfüllt fühlte, dass ich nicht glücklich war und dass dies mit Sicherheit nicht mein Platz war. Ich begann also, mich jeden Tag zu fragen, welche meine Leidenschaften sind – was ich jeden Tag tun könnte, ohne das Gefühl zu haben, dass es um eine Anstrengung oder Pflicht handelt. Und zwei Sachen sind mir gleich eingefallen: zum einen die Musik und der Gesang und zum anderen die Autos, Autofahren, Rennen und so weiter. Da es dort komplizierter war, etwas zu beginnen, und ohnehin eine ziemlich große Investition erfordert hätte, beschloss ich, mit jemandem aus Arad zu sprechen, einer Gesangslehrerin, damit sie mir ein wenig zuhört und mir ehrlich sagen kann, ob ich tatsächlich etwas in diesem Bereich anfangen kann. Ihre Antwort war, dass ich eine musikalische Karriere in der Tat aufbauen könnte. Von dort bis zur Entscheidung, Künstler zu werden, dauerte es nicht sehr lange und ab diesem Moment begann eine sehr intensive Arbeit. Wie Sie auch sagten, in einem bereits fortgeschrittenen Alter, ich war 33 Jahre alt, etwas auf musikalischer Ebene aufzubauen was überhaupt nicht einfach. Aber ich war mir so sicher, was ich wollte, dass es mir nicht besonders schwer vorkam, diesen neuen Weg einzugehen.“ Ricardo Caria hat zugleich eine schöne und mutige Entscheidung getroffen, für die sich nicht viele entscheiden, denn eine künstlerische Karriere ist auch mit vielen Risiken verbunden. „Es ist natürlich nicht leicht. Vor allem nicht für einen Ausländer mit bereits zwei Kindern, in Arad, einer Stadt, in der nicht allzu viel passiert. Ja, tatsächlich sagt mir jeder, dass ich ein bisschen verrückt war, diese Entscheidung zu treffen, aber ich war mir so sicher! Wenn wir diese hundertprozentige Gewissheit haben, glaube ich, dass wir jederzeit und überall die Kraft finden, unser Ziel zu erreichen. Es scheint, dass ich etwas richtig gemacht habe, denn es sind bereits 15 Jahre vergangen und ich reise immer noch durchs Land und trete in vielen Städten auf.“
Ricardo Caria schaffte es sogar zu einem sehr beliebten Musikwettbewerb, Vocea României (The Voice of Romania). Heute tourt er durch das ganze Land und gibt Konzerte, da er zu einer etablierten Stimme auf der Fado-Musikszene geworden ist. Zudem unterstützt er Benefizkonzerte und lokale Gemeinschaften. Im vergangenen Jahr entwickelte er anlässlich der zwei Jahrzehnte, die er bereits in Rumänien lebt, ein Projekt mit dem Titel La Trenă – ein symbolisches Abenteuer, bei dem er mit dem Fahrrad eine für ihn ebenso symbolische Strecke zurücklegte: von Arad – seiner heutigen Heimatstadt – bis nach Lissabon, dem Ort, wo er geboren wurde. „Ja, ich bin seit jeher ein großer Sportliebhaber, vor allem für Straßenradfahren. 2016 habe ich von einem Straßenrad-Club erfahren, bin beigetreten, und seitdem ist meine Leidenschaft stark gewachsen. Ich nehme regelmäßig an nationalen Wettkämpfen teil, wir machen sehr viele Trainings, und Radfahren und Sport sind mittlerweile ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Ich habe es in zwei Wochen geschafft. Von dieser Reise habe ich täglich auf meiner Facebook-Seite gepostet. Ich bin bereits Indoor-Cycling-Trainer hier in Arad und möchte weiterhin solche Reisen unternehmen, wie ich sie in Portugal gemacht habe. Zum Beispiel kann ich Ihnen sogar exklusiv verraten – ich habe es noch niemandem erzählt – dass ich dieses Jahr ein weiteres Abenteuer plane, aber nur in Rumänien. Ich werde eine Tour durch Rumänien machen, entlang der Landesgrenzen, ungefähr 3.000 km, irgendwann im August.“
Während dieser Reise stellte Ricardo Caria fest, dass die Straßen in Rumänien nicht so beschwerlich waren, wie er es erwartet hatte, dass es aber in diesem Bereich durchaus Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Ich habe ihn gefragt, was er gerne in Rumänien zum Besseren verändern würde, abgesehen von den Straßen. „Dass ich sehr oft sehe, wie Rumänen negativ über ihr Land sprechen. Ich hatte die Chance, fast das ganze Land zu bereisen, und habe entweder außergewöhnliche Orte oder sehr gute Menschen gefunden, also steht Rumänien gar nicht den anderen Ländern nach. Vielleicht ist die Mentalität manchmal ein kleiner Stolperstein. Ich sehe ständig, dass wir irgendwie den Eindruck haben, weniger wert zu sein als andere Nationen, als andere Länder. Ich weiß nicht, vielleicht gibt es im Gesundheitssystem viel zu verbessern, ebenso im Bildungssystem, aber ich glaube, dass alle romanischen Länder ein wenig hinter anderen Ländern zurückliegen. Ansonsten: außergewöhnliche Landschaften, schöne Menschen. Tatsächlich ist das Wetter ein wenig kompliziert für mich. Es könnte ein bisschen wärmer sein, das würde ich in Rumänien ändern.“