Das Gebiet Făgăraș: Entdeckungsreise zu einem archaischen Lebensstil
Das Gebiet Făgăraș liegt im Herzen Rumäniens und gilt als eine der größten intramontanen Senken der Karpaten. Die Region hat ihre lokale Identität aus historischer und ethnografischer Sicht bewahrt und dafür ist sie landesweit bekannt.
Daniel Onea, 15.02.2026, 15:03
In den vergangenen Jahren ist das Gebiet zu einem bedeutenden Ziel für nachhaltigen Tourismus und Abenteuerreisen geworden. Der Tourismusverband Țara Făgărașului engagiert sich aktiv für die Förderung dieser Landschaft, die wildes Naturerbe mit reichem kulturhistorischem Erbe verbindet. Der Vorsitzende des Verbandes Florin Ioani beschreibt die besondere geografische Lage, die Bergliebhaber das ganze Jahr über anlockt. „Unsere Region erstreckt sich am Nordhang der Fogarascher-Berge, wobei die administrative Grenze durch den Gebirgskamm markiert wird, der die Landkreise Brașov und Sibiu voneinander trennt. Geografisch befinden sich hier die höchsten Gipfel der rumänischen Karpaten: Moldoveanu, Negoiu und Viștea Mare. Diese spektakuläre Berglandschaft zieht zahlreiche ausländische Touristen an, insbesondere die Gratwanderungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Relief fällt allmählich vom alpinen Bereich und den für große Höhen typischen Nadelwäldern hinab zu den Dörfern am Fuße des Gebirges ab.“
Neben dem natürlichen Potenzial hat die Region auch von Investitionen in die touristische Infrastruktur profitiert, aus dieser Sicht liegt der Schwerpunkt zunehmend auf kulturelle und reiterliche Erlebnisse, die das Abenteuer des Reitsports mit dem Eintauchen in lokale Traditionen, Geschichte und Landschaften verbinden. Florin Ioani dazu: „Was die touristische Infrastruktur angeht, ist Sâmbăta de Sus besonders entwickelt. In der Umgebung befinden sich mehrere Ziele von nationaler Bedeutung: das Kloster Sâmbăta, das Brâncoveanu-Schloss sowie zahlreiche Bergwanderwege. In unmittelbarer Nähe, in Sâmbăta de Jos, liegt das berühmte Lipizzaner-Gestüt. Das gilt als das weltweit größte Gestüt in Bezug auf genetische Vielfalt und züchtet sieben der acht Blutlinien dieser Rasse. Ein Besuchermagnet ist die Transfăgărășan-Hochstraße. Diese Route, die für ihre atemberaubenden Landschaften bekannt ist, verbindet das Argeș-Tal in der Walachei mit dem Olt-Tal in Siebenbürgen, wobei sie das Făgăraș überquert.“
Diese Region des Landes steht unter dem Zeichen des typischen Multikulturalismus Siebenbürgens. Florin Ioani: „Alle Touristen möchten auch eine Wehrkirche in den sächsischen Dörfern besichtigen. Darüber hinaus verfügen wir über die Zisterzienserabtei von Cârța, die um das Jahr 1200 gegründet wurde und in Osteuropa einzigartig ist. Sie liegt nur 15 Kilometer von der Gemeinde Viștea entfernt. Insgesamt zählt die Region rund 15 Sehenswürdigkeiten, darunter die Festung Făgăraș, die Burg Rupea und das Dorf Viscri. Ein weiterer bedeutender Anziehungspunkt ist das ‚Lehmschloss‘ im Feental (Valea Zânelor) in Porumbacu, das im vergangenen Jahr 400.000 Besucher nach Făgăraș anlockte. Für Touristen, die Abendteuer auf zwei Rädern erleben möchten, haben wir zwei wichtige Routen entwickelt. Die erste führt durch die Bergregion und rückt die Dörfer am Fuße des Gebirges in den Fokus, die zweite folgt dem Lauf des Flusses Olt. Diese Strecke entlang des Olt eignet sich ideal für Vogelbeobachtungen und Fotografie, da sie durch eine seenreiche Landschaft führt.
Die Routen machen zudem die faszinierende ethnische Vielfalt der Region sichtbar: Am rechten Ufer des Olt liegen rein rumänische Dörfer, die im Kontrast zu den nur wenige Kilometer entfernten sächsischen Ortschaften stehen. Die Geschichte des jahrhundertelangen Zusammenlebens dieser Gemeinschaften und die mittelalterlichen Befestigungsanlagen in der Region üben auf Besucher eine besondere Faszination aus.“ Der Reiz der Region speist sich jedoch nicht allein aus ihren historischen Denkmälern oder den atemberaubenden Naturlandschaften, sondern ebenso aus den lokalen Gemeinschaften, die ihre Traditionen bewahrt haben.
Florin Ioani hebt die Bedeutung dieses immateriellen Erbes hervor und beschreibt, wie der Rhythmus des ländlichen Lebens seit Jahrhunderten nahezu unverändert geblieben ist – von landwirtschaftlichen Praktiken bis hin zu gemeinschaftlichen Festen. „Was das Făgăraș-Gebiet wirklich auszeichnet ist die Authentizität des ländlichen Lebens. Die pastoralen Traditionen sind hier noch lebendig: Die Almen und die Bergweiden funktionieren nach alten Regeln, und die Weidewirtschaft erfolgt gemeinschaftlich auf nicht eingezäunten Flächen, in enger Verbundenheit mit der Natur.
Regionale Produkte wie Käse werden nach traditionellen Methoden hergestellt. Der Veranstaltungskalender ist reich gefüllt, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Winterbräuchen, die mit großer Sorgfalt bewahrt werden. Ein herausragendes Beispiel ist die ‚Ceata de Feciori‘- die Schar der Jungegesellen, ein Brauch, der in das UNESCO-Kulturerbe aufgenommen wurde. Es handelt sich um einen traditionellen siebenbürgischen Winterbrauch, bei dem unverheiratete junge Männer als organisierte Gemeinschaft auftreten.“
Jenseits von Zahlen und einzelnen Sehenswürdigkeiten bietet das Făgăraș-Gebiet seinen Besuchern vor allem eine Rückkehr zur unberührten Natur und Traditionen. Die Bewahrung der pastoralen Lebensweise und der Schutz der Waldflächen verwandeln einen einfachen Aufenthalt in eine Entdeckungsreise zu einem archaischen Lebensstil, der in Europa zunehmend selten geworden ist. Zum Abschluss richtet Florin Ioani eine Einladung an all jene, die nach Authentizität suchen: „Den größten Anteil unserer Besucher stellen Bergtouristen dar, viele von ihnen reisen eigens aus dem Ausland an, um den rund 60 Kilometer langen Făgăraș-Hauptkamm zu durchqueren. Eine zweite Kategorie bilden jene, die wir ‚Entdecker‘ nennen – Reisende, die authentische Dörfer, Ruhe und eine naturverbundene Lebensweise suchen.
Sie sind beeindruckt davon, dass das traditionelle Organisationssystem der Dörfer – mit gemeinschaftlichen Viehherden und gelebter Weidewirtschaft – hier noch funktioniert, im Gegensatz zu anderen industrialisierten oder überfüllten Regionen. Das Naturerbe ist bemerkenswert: Rund 40 Prozent der Fläche des Făgăraș-Gebiets sind von Wäldern bedeckt, darunter uralte und teilweise unberührte Waldbestände. Wir laden Sie herzlich ein, ein märchenhaftes Land zu entdecken, dessen Magie gleichermaßen von seinen Menschen wie von der wilden Natur ausgeht. Das Făgăraș-Gebiet ist nicht nur ein Reiseziel, sondern eine Entdeckungsreise in ein authentisches Siebenbürgen.“