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Jugendstrafrecht: Prävention oder eher härtere Strafverfolgung?

Die Debatte über eine Senkung des Strafmündigkeitsalters in Rumänien ist nach mehreren tragischen Fällen mit Tätern unter 14Jahren wieder aufgeflammt. Die Zvilgesellscaft neigt zu Prävention, die Law & Order-Fraktion will härteres Durchgreifen.

Foto: pixabay.com
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, 18.02.2026, 13:33

Derzeit liegt die Strafmündigkeit bei 14 Jahren. Der Vorschlag, die Grenze auf 13 Jahre zu senken, hat heftige Reaktionen ausgelöst. Auf der einen Seite steht der Ruf nach klaren Strafen für schwere Taten, auf der anderen die Pflicht des Staates, Kinder zu schützen – auch wenn sie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Ohne starke Prävention, psychologische Beratung und frühe Hilfe droht das Strafrecht zur Ersatzlösung für fehlende Sozialpolitik zu werden – mit langfristigen Folgen für die Entwicklung der Kinde, warnt die Exekutivpräsidentin des Vereins Salvați Copiii. Gabriela Alexandrescu nennt die Ursachen der jüngsten Tragödien:

„Wir wissen sehr genau, dass Gewalt und Jugendkriminalität soziale und schulische Wurzeln haben. Schulabbruch, schwierige Familienverhältnisse, Gewalt in der Familie oder im nahen sozialen Umfeld, fehlende elterliche Aufsicht, leichter Zugang zu gewalthaltigen Online-Inhalten oder zu verbotenen Substanzen können bei einem Kind antisoziales Verhalten auslösen. Gleichzeitig weist das rumänische Sozialsystem erhebliche Lücken auf, die Zahl der Sozialarbeiter ist zu gering. Wir wissen, dass es rund 2.000 Gemeinden ohne professionelle Sozialarbeiter gibt. Psychologische Beratungsangebote fehlen auf dem Land, und in den Städten ist der kostenlose Zugang sehr schwierig.“

Alexandrescu verweist auch auf Bildungsprogramme von „Salvați Copiii“, die Gewalt unter Minderjährigen eindämmen sollen. Der Verein führt seit vielen Jahren ein Programm zur emotionalen Aufklärung in über 250 Kindergärten durch. ‚Lasst uns Freunde sein‘ bindet die Kinder in Aktivitäten ein, die sich um vier Grundwerte drehen, die prosoziales Verhalten fördern können: Mut, Toleranz, Respekt und Fürsorge. Die positive Wirkung auf die Kinder ist außergewöhnlich, sagt Alexandrescu – doch was spezialisierte Einrichtungen für den Jugendstrafvollzug angeht, ist die Infrastruktur am Boden, auch personalmäßig. Vier Anstalten werden von der Nationalen Gefängnisverwaltung betrieben, dazu weitere zwei Tageszentren. Doch diese Stellen sind für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren gedacht, die von Gerichten zu erzieherischen oder freiheitsentziehenden Maßnahmen verurteilt wurden. Für Kinder unter 14 Jahren, die schwere Taten begehen, gibt es keine spezialisierten Einrichtungen.

Einer möglichen Absenkung der Strafmündigkeit von 14 auf 13 Jahre kann Gabriela Alexandrescu deshalb nur wenig abgewinnen:

„Fachleute haben drei Arten von Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes festgestellt, das in jungen Jahren in das Justizsystem gedrängt wird. Erstens das Täteretikett, das einem 13-Jährigen aufgeprägt wird und seine Zukunft grundlegend verändert. Zweitens soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung, vor allem in benachteiligten Familien, was deutlich schlechtere Schulleistungen bis hin zum Schulabbruch bedeutet. Drittens das Trauma der Haft. “

Ausgehend von einem schweren Vorfall in Cenei im Kreis Timiș im Januar, bei dem ein 13-Jähriger verdächtigt wird, einen 15-Jährigen vorsätzlich umgbracht zu haben, hat der Verband Pro Democrația einen Gesetzesvorschlag präsentiert – ein „Jugendgesetzbuch“, das den Vorteil hätte, die einschlägigen Normen in einem einheitlichen System zu bündeln und damit die Bedeutung zu verankern, die die Gesellschaft Jugendlichen, Kindern und der neuen Generation beimisst.

In einem Bericht der Organisation wird darauf hingewiesen, dass Gewalt in verletzlichen Gemeinschaften zum Statusmerkmal werden kann, wie die Chefin des Verbands Viviana Anghel Luckacsi ausführt:

„Wenn wir über Gewalt sprechen, müssen wir erwähnen, dass sie sich nicht auf offensichtliche körperliche Angriffe beschränkt, sondern viele Formen umfasst, in denen sich ein reines Machtverhältnis äußert … Diese Art von Beziehungen, früher typisch für Subkulturen und marginalisierte Gemeinschaften mit Integrationsproblemen und Defiziten in der sekundären Sozialisation, hat das Potenzial, psychische Traumata, soziale Ausgrenzung und letztlich wirtschaftliche Ungleichheiten zu verursachen und zu vervielfältigen.“

Als Auslöser nennt der Bericht zudem Radikalisierung, Desinformation und den Einfluss des digitalen Umfelds. Wir glauben, sagt Lukacsi, dass die Rolle dieser Faktoren bei solchen extremen Taten sehr groß ist, denn diese Phänomene sind aus dem digitalen Raum in die Schule, in die Gemeinschaft und in die Familie eingedrungen. Zu der aktuellen Debatte um die Frage ob man Strafmündigkeit senken oder stärker auf Prävention durch staatliche Instrumente setzen müsste glaubt der Verein, dass Prävention, politische Bildung und psychosoziale Unterstützung sich nicht mit einer Verschärfung des Strafgesetzbuches für Minderjährige ausschließen. Die Diskussion über die Strafmündigkeit von Minderjährigen führt damit zu einer grundsätzlichen Frage: Wie übernimmt der Staat Verantwortung für verletzliche Jugendliche. Fachleute betonen, dass Prävention, Bildung, seelische Gesundheit und Unterstützung durch die Community entscheidend bleiben und mehr Wirkung zeigen, als härtere Strafverfolgung.

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