Im Schatten des Diktators: Die Familie Ceaușescu
Das kommunistische Regime bedeutete ein äußerst hohes Maß an Korruption und Vetternwirtschaft auf allen Ebenen.
Steliu Lambru, 16.03.2026, 20:14
In der Geschichte Rumäniens gab es Familien, denen man buchstäblich die Existenz des Landes in seiner heutigen Form verdankt – wie etwa den Familien Brătianu, Cantacuzino, Golescu, Ghica, Lahovary und anderen. Es gibt jedoch auch ein Beispiel einer Familie mit einer verhängnisvollen Rolle, wie es die Familie Ceaușescu war.
Nachdem Nicolae Ceaușescu 1965 die höchste Position in Partei und Staat erreicht hatte, sicherte er seine Stabilität nicht nur durch loyale Mitarbeiter, sondern auch durch Angehörige seiner Familie. Seine Frau Elena, die drei Kinder Valentin, Zoe und Nicu sowie seine Geschwister Niculina, Marin, Maria, Florea, Andruță, Ilie, Elena und Ion bekleideten verschiedene Positionen innerhalb der staatlichen Hierarchie und hatten unterschiedliche Grade an Einfluss und Sichtbarkeit. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, nutzten die Mitglieder der Familie Ceaușescu die Gelegenheit voll aus, einen Status zu erreichen, der weit über dem lag, den sie unter anderen Umständen erlangt hätten. Von allen Familienmitgliedern war Elena Ceaușescu die einflussreichste.
Maxim Berghianu war ein hoher Beamter, der für wirtschaftliche Entwicklungsprojekte verantwortlich war. Im Jahr 2002 fragte ihn das Zentrum für Mündliche Geschichte des Rumänischen Rundfunks, ob irgendein anderes Familienmitglied – außer seiner Frau Elena – Nicolae Ceaușescu bei seinen Entscheidungen beeinflusst habe.
„Ich glaube nicht, dass irgendeiner von ihnen ihn bei Entscheidungen beeinflusst hat, soweit ich weiß. Persönlich habe ich sie nicht gekannt, aber vom Sehen her kannte ich Florea Ceaușescu, der Journalist war – ein bescheidener und zurückhaltender Mann. Auch er wurde von Ceaușescu verhört, weil er sich irgendwo bei Snagov eine Villa gebaut hatte. Sie mochte die Brüder nicht besonders. Den kleinen Nelu akzeptierte sie eher, der war ein Mann von Charakter, ein sehr anständiger Mensch. Ich habe mit ihm im Landwirtschaftsministerium gearbeitet, und er war ein sehr höflicher, guter Mensch – vielleicht so, wie Ceaușescu selbst gewesen wäre, wenn er nicht eine solche Frau an seiner Seite gehabt hätte, die ihn ständig in dunkle Richtungen drängte, immer in das, was nicht gut war. Aber dieser Nelu war ein ruhiger und bescheidener Mann, half allen, und ich habe wirklich gern mit ihm gearbeitet. Er war respektvoll und korrekt.“
Die Familie Ceaușescu brachte der rumänischen Geschichtsschreibung auch General Ilie Ceaușescu hervor, den Bruder von Nicolae, der ein Institut für historische Forschung und Militärstudien leitete. Das von Ilie Ceaușescu geführte Institut gab gemeinsam mit dem Institut für Geschichte der Rumänischen Kommunistischen Partei den Ton in der historischen Forschung Rumäniens an. Ideologische Richtlinien, editorische Projekte und Forschungspläne, die für alle Historiker im Land galten, gingen von dem Kreis aus, der sich um Ilie Ceaușescu gebildet hatte – eine wahre Kamarilla. Maxim Berghianu erinnerte sich sowohl an den historisch interessierten Bruder Ilie als auch an Marin, den ältesten Bruder und langjähriges Parteimitglied, der sich während der Revolution im Dezember 1989 in der rumänischen Botschaft in Wien das Leben nahm.
„Dann gab es noch Ilie, einen Militär, den ich nicht kannte, aber ich weiß, dass er sich mit Geschichte beschäftigte und eher für sich blieb. Natürlich waren sie alle Doktoren, die ganze Familie. Den anderen Bruder Nicolae habe ich nicht gekannt. Auch Marin nicht, der unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Ich glaube, er musste beseitigt werden, weil er zu viel über Konten wusste.“
Zwei der drei Kinder des Ehepaars Nicolae und Elena Ceaușescu, der älteste Sohn Valentin und die Tochter Zoe, traten in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend auf. Ganz anders war ihr jüngerer Bruder Nicu, der als Anführer des Kreises galt, der sich aus den Kindern hochrangiger Funktionäre zusammensetzte. Die Gerüchte, die vor 1989 über ihn kursierten, zeichneten das Bild eines Partyliebhabers. Paradoxerweise erhielt er politische Funktionen und galt zeitweise als möglicher Nachfolger seines Vaters. Valentin Ceaușescu, Physiker von Ausbildung, entwickelte eine große Leidenschaft für die Fußballmannschaft Steaua Bukarest, deren Management er übernahm, bis sie 1986 den Europapokal der Landesmeister gewann. Die Tochter Zoe Ceaușescu, Mathematikerin, lebte noch zurückgezogener und arbeitete am Institut für Mathematik der Rumänischen Akademie. Maxim Berghianu erinnerte sich:
„Als Pacepa seine Memoiren veröffentlichte, ‚Rote Horizonte‘, taucht dort einer auf, der eine Affäre mit Zoe hatte und mit ihr einige Tage verschwand. Sie arbeitete am Institut für Mathematik, Zoe war sehr intelligent und eine gute Mathematikerin. Über ihr Privatleben weiß ich nichts, es hat mich auch nicht interessiert, aber ich weiß, dass sie eine gute Fachfrau war und ihre Stelle am Institut verdient hatte. Ich weiß nicht, wohin sie mit diesem jungen Mann gegangen ist – irgendwo in eine Berghütte –, und die Sicherheitsleute konnten sie nicht mehr finden. In Bezug auf diesen Ingenieur, der Mihai hieß, schreibt Pacepa, dass Madame Ceaușescu ihn zu sich rief und sagte: ‚Pass auf. Diesen Ingenieur Mihai schickst du innerhalb eines Monats nach Conakry, in dieses Guinea von Sékou Touré. Weißt du, dort gibt es laut unserem Botschafter eine Fliegenkrankheit – die Fliege sticht dich, und in zwei Tagen schwillt dein Kopf so groß wie eine Wassermelone an, und du stirbst. Dorthin schickst du ihn!‘ So steht es in Pacepas ‚Rote Horizonte‘.“
Die Familie Ceaușescu hat die Fantasie der Rumänen stark beschäftigt, und über sie wurde vieles erzählt. Es war eine Familie, die nur dank eines Regimes ins Rampenlicht gelangte, das Repression und Klientelismus förderte – so wie es der Kommunismus tat.