Mehr EU-Gelder für Rumänien
Die europäischen Mittel erreichen die rumänische Wirtschaft fünfmal schneller als in der Zeit vor der Jahresmitte des vergangenen Jahres, und ihre Absorptionsrate ist um fast 10 Prozentpunkte gestiegen, teilt die rumänische Regierung mit.
Sorin Iordan, 08.01.2026, 20:30
Für Rumänien stellen die europäischen Fonds den zugänglichsten Weg dar, um Entwicklungsrückstände gegenüber den westeuropäischen Staaten zu verringern. Das Geld wird von der Europäischen Kommission für Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Umwelt, Bildung, Beschäftigung und ländliche Entwicklung bereitgestellt. Seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Januar 2007 bis heute hat Rumänien 106 Milliarden Euro erhalten und 35 Milliarden Euro in den EU-Haushalt eingezahlt. Im Laufe der Jahre hatten die Regierungen in Bukarest jedoch Schwierigkeiten, diese Mittel anzuziehen und effizient auszugeben.
Die Situation scheint sich geändert zu haben. Der rumänische Minister für Investitionen und europäische Projekte, Dragoș Pîslaru, erklärte, dass die EU-Gelder in den vergangenen sechs Monaten fünfmal schneller in die Wirtschaft gelangt seien und Mechanismen wieder in Gang gesetzt worden seien, die blockiert schienen. In einem Facebook-Beitrag führte er aus, dass der Vergleich der Daten auf eine massive und beispiellose Beschleunigung des Absorptionsprozesses in den letzten Monaten hinweise – im Vergleich zur gesamten Zeitspanne seit Beginn des Finanzrahmens 2021–2027 –, nämlich von 3 Milliarden Euro auf 6,3 Milliarden Euro. Damit sei, so Pîslaru, die Absorptionsrate der EU-Mittel von 9,91 % auf 20,4 % gestiegen. Der Minister erklärte weiter, dass der Staat vor Juni 2025 im Durchschnitt 87 Millionen Euro pro Monat aus EU-Mitteln auszahlte, während er in der zweiten Jahreshälfte 2025 auf mehr als 456 Millionen Euro pro Monat kam. Zugleich sei die Fähigkeit, das Geld in den Staatshaushalt zurückzuführen, exponentiell gestiegen: In der vorherigen Periode lag der Durchschnitt bei rund 54 Millionen Euro pro Monat, während er im aktuellen Mandat 374 Millionen Euro pro Monat überschritten habe – ein fast siebenfacher Anstieg des Erstattungsrhythmus.
„Die europäischen Fonds sind unsere einzige reale Chance, das Haushaltsdefizit auszugleichen und die Folgen einer populistischen Haushaltsführung in der Vergangenheit zu beheben“, schrieb der Minister weiter. Er kündigte an, dass die Regierung im Jahr 2026 mindestens 15 Milliarden Euro an EU-Mitteln einwerben wolle – eine Summe, die einer Verdopplung des bisherigen historischen Höchstwerts entspricht. Das Geld solle in Krankenhäuser, Schulen, Autobahnen, lokale Infrastruktur und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit investiert werden, so Pîslaru. Für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 sind für Rumänien Gesamtzuweisungen von 60,2 Milliarden Euro vorgesehen. In Bezug auf den Nationalen Aufbau- und Resilienzplan erinnerte der Minister daran, dass Bukarest im Dezember 2025 den vierten Zahlungsantrag in Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro in Brüssel eingereicht habe, der 62 Ziele und Meilensteine umfasst.
Zu den Institutionen, die Gelder erhalten sollen, zählen die Ministerien für Umwelt, Energie, Justiz, Finanzen, Gesundheit und Arbeit. Unter den im Zahlungsantrag genannten Projekten befinden sich die Sanierung von 13 Talsperren und die Modernisierung des Hochwasserschutzes, die endgültige Börsennotierung eines Pakets von bis zu 15 % der Hidroelectrica-Aktien (des wichtigsten Stromerzeugers in Rumänien), die Digitalisierung des Justizsystems sowie die allgemeine Steuerreform.