Rumäniens Handelsdefizit sinkt um 7 Prozent – Wirtschaft bleibt schwach
Das Defizit der Handelsbilanz Rumäniens ist in den ersten vier Monaten des Jahres um 7 Prozent gesunken, doch Fachleute weisen darauf hin, dass die Zahlen den Zustand der nationalen Wirtschaft nicht genau widerspiegeln.
Sorin Iordan, 09.06.2026, 18:20
Das Defizit der Handelsbilanz Rumäniens ist in den ersten vier Monaten des Jahres im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Jahres 2025 um 7 Prozent gesunken. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik lag dieser Indikator bei 10,8 Milliarden Euro, ein Rückgang um 818,6 Millionen Euro. Im analysierten Zeitraum stiegen die Exporte um 1,9 Prozent auf knapp 32 Milliarden Euro, während die Importe um 0,5 Prozent auf 42,8 Milliarden zurückgingen. Der Sektor der Maschinen und Transportausrüstungen dominierte weiterhin den Außenhandel, mit nahezu der Hälfte der rumänischen Exporte und über einem Drittel der Importe. Zugleich wurden fast 75 Prozent des Handelsverkehrs mit den Staaten der Europäischen Union abgewickelt.
Der Präsident des Nationalen Verbands der Exporteure und Importeure Rumäniens, Mihai Ionescu, erklärte, die neuen Daten seien ein gutes Signal, jedoch nicht ausreichend, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Er ist der Ansicht, dass das Exportwachstum von 1,9 Prozent unmöglich die Wiederbelebung der Wirtschaft sicherstellen könne und dass ein starker Rückgang der Importe nicht unbedingt eine gute Nachricht sei, da ein großer Teil davon Rohstoffe, Komponenten und Ausrüstungen darstelle, die für die rumänische Industrie notwendig sind. Mihai Ionescu sagte ferner, dass die Industrie – die für den größten Anteil an den rumänischen Exporten in Frage kommt – laut der Lage im Mai 2026 keine Anzeichen einer Erholung zeige. Auch die Finanzanalysten vertreten die Auffassung, dass die Verringerung des Handelsdefizits durch einen massiven Rückgang der Importe kein Grund zur Freude sei. Ihnen zufolge ist die Korrektur nicht das Ergebnis einer starken Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, sondern vor allem eines Rückgangs des Binnenkonsums, und dies ist ein weiteres Signal dafür, dass die rumänische Wirtschaft hinkt. Eine Bestätigung kam seitens der Nationalen Kommission für Strategie und Prognose, die für 2026 ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,1 Prozent schätzt, ein Rückgang um 0,9 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Schätzung. Somit dürfte das Bruttoinlandsprodukt für das laufende Jahr 2.056 Milliarden Lei (rund 411 Milliarden Euro) erreichen, gegenüber 1.916 Milliarden im Jahr 2025.
Für 2027 schätzt die Kommission ein BIP von 2.201 Milliarden Lei, mithin ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent, gestützt durch den Rückgang der Inflation und günstigere Finanzierungsbedingungen. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich 2028 mit 2,4 Prozent fortsetzen, könnte sich jedoch 2029 auf 2,1 Prozent abschwächen. In der Projektion der wichtigsten makroökonomischen Indikatoren hat die Nationale Kommission für Strategie und Prognose ihre Schätzungen zur durchschnittlichen Jahresinflation 2026 nach oben auf 7,9 Prozent korrigiert, ein Anstieg um 1,4 Prozent gegenüber den Prognosen vom Herbst des vergangenen Jahres. Für 2027 wird eine durchschnittliche Jahresinflation von 3,8 Prozent geschätzt, für 2028 von 3 Prozent und für 2029 von 2,8 Prozent.
Die Nationale Kommission für Strategie und Prognose weist jedoch darauf hin, dass ihre Prognose einem hohen Grad an Unsicherheit unterliegt, wobei das Fortdauern des Konflikts im Nahen Osten, das Abweichen von den Reformen zur Haushaltskonsolidierung oder die Verschärfung der internationalen Handelspolitik Risiken einer Verschlechterung der makroökonomischen Gleichgewichte darstellen.