Rumäniens Leu legt zu, Börse steigt – Haushaltsdefizit deutlich gesunken
Die Aussicht auf eine neue, voll handlungsfähige Regierung wirkt sich positiv auf die rumänischen Finanzmärkte aus. Der Leu hat gegenüber dem Euro an Wert gewonnen, der Bukarester Aktienindex legte zu und die Renditen rumänischer Staatsanleihen sind gesunken. Auch beim Haushalt gibt es Fortschritte: Das Defizit lag nach den ersten neun Monaten deutlich unter dem Vorjahreswert. Doch um das Jahresziel zu erreichen, muss Rumänien seine Ausgaben weiterhin genau im Blick behalten.
Ştefan Stoica und Alex Sterescu, 20.10.2026, 14:01
Die Aussicht auf eine neue, voll handlungsfähige Regierung nach fünfeinhalb Monaten unter einer geschäftsführenden Regierung unter Ilie Bolojan hat sich an den Devisenmärkten und an der Börse bemerkbar gemacht.
Am Montag legte der rumänische Leu gegenüber dem Euro zu. Die Rumänische Nationalbank setzte den Referenzkurs auf rund 5,33 Lei fest – fast einen Ban weniger als am vorherigen Handelstag. Gegenüber dem US-Dollar verlor die Landeswährung dagegen an Wert. Diese Entwicklung entspricht allerdings dem internationalen Trend. Der Bukarester Börsenindex BET stieg am Montag um 1,2 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Ende August. Nach Einschätzung von Bankanalysten hat auch die Aussicht auf eine handlungsfähige Regierung die Renditen zehnjähriger rumänischer Staatsanleihen sinken lassen. Innerhalb einer Woche gingen sie um 14 Basispunkte auf 6,98 Prozent zurück.
Erfreuliche Zahlen kommen auch vom Finanzministerium. Nach den ersten neun Monaten des Jahres lag das Haushaltsdefizit bei 3,82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte es noch 5,35 Prozent betragen. Die gesamten Staatseinnahmen beliefen sich von Januar bis September auf mehr als 522 Milliarden Lei, umgerechnet fast 100 Milliarden Euro. Die Gesamtausgaben überstiegen 600 Milliarden Lei.
Finanzminister Alexandru Nazare betonte, Rumänien müsse auch im kommenden Jahr an der Haushaltskonsolidierung festhalten. Dass er voraussichtlich auch der neuen Regierung unter Luca Niculescu angehören wird, soll für Kontinuität in der Finanzpolitik sorgen.
Wie konnte das Defizit verringert werden? Nach Angaben des Ministers stiegen die Einnahmen um 11,8 Prozent, während die Ausgaben um rund fünf Prozent zunahmen. Der Anteil der Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt sank von 29,7 auf 29,2 Prozent. Die Personalausgaben lagen etwa vier Milliarden Lei unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig wurden die Investitionen deutlich ausgeweitet. Sie erreichten 107,8 Milliarden Lei und lagen damit 25,2 Milliarden Lei über dem Vergleichswert des Vorjahres. Rund 70 Prozent dieser Investitionen wurden aus europäischen Mitteln finanziert, darunter aus dem Nationalen Aufbau- und Resilienzplan.
Die letzten Monate des Jahres sind entscheidend, damit Rumänien sein Defizitziel von 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Gleichzeitig laufen die Zahlungen für Investitionen aus dem europäischen Aufbauplan weiter. Zudem entfallen üblicherweise 15 bis 20 Prozent aller jährlichen Auszahlungen auf das Jahresende.
Als weitere Belastungen für den Haushalt nannte Nazare die auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegene Staatsverschuldung, höhere Gesundheitsausgaben, Entschädigungszahlungen im Zusammenhang mit den Energiepreisen sowie fällige Zahlungen aufgrund vollstreckbarer Gerichtsurteile zugunsten von Richtern. Der Minister unterstrich außerdem, dass die Wahrung der Kreditwürdigkeit des Landes entscheidend für die wirtschaftliche Erholung sei. Die Ratingagenturen werden in den ersten Monaten des kommenden Jahres die Haushaltsplanung für 2027 prüfen.