„Sehr, sehr instabiles Gleichgewicht“: Experten sehen Wirtschaft straucheln
Die am Montag vom Statistikamt veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die rumänische Wirtschaft im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres stagniert hat. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025 ist das Bruttoinlandsprodukt auf der Basis der Rohdaten um 0,4 Prozent gesunken.
Corina Cristea, 08.09.2026, 23:27
Die am Montag vom Statistikamt veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die rumänische Wirtschaft im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres stagniert hat. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025 ist das Bruttoinlandsprodukt auf der Basis der Rohdaten um 0,4 Prozent gesunken. Fachleute warnen jedoch, dass der Motor der Wirtschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist: Während die Investitionen kräftig gestiegen sind, ist der Verbrauch der privaten Haushalte drastisch zurückgegangen.
Den größten negativen Beitrag zur Entwicklung des BIP haben Handel, Verkehr, Hotels und Gaststätten geleistet, gefolgt von Industrie und Immobiliengeschäften. Positiv entwickelt hat sich vor allem das Baugewerbe. Die Struktur der Wirtschaft bleibe anfällig, sagt Flavius Jakubowicz, Vorsitzender des Verbands der Finanz- und Bankanalysten Rumäniens:
„Heute humpelt die rumänische Wirtschaft auf einem einzigen Standbein: Das Baugewerbe und die Investitionen, die um mehr als 15 Prozent wachsen, während der Verbrauch der privaten Haushalte um mehr als 3 Prozent zurückgeht. Die Wirtschaft hängt aber sehr stark vom Konsum ab und zudem leiden auch Industrie und Handel. Es ist nicht unbedingt eine technische Rezession, aber wir bewegen uns auf ein sehr, sehr instabiles Gleichgewicht zu.“
Auch eine Analyse des Beratungsunternehmens Frames, eines auf Wirtschafts- und Marktanalysen spezialisierten Wirtschaftsdienstes mit mehr als 20 Jahren Erfahrung, hat im zweiten Quartal eine Stagnation der Wirtschaftstätigkeit in Rumänien festgestellt. Die Fachleute sprechen von einer Stagflation, also einer Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und hoher Inflation, die den Konsum der Bevölkerung weiterhin bremse.
Die Nationalbank hat ihre Inflationsprognose innerhalb eines Jahres zweimal nach oben korrigiert: von 3,9 auf 5,5 Prozent und anschließend wieder auf 6,1 Prozent für Ende 2026. Die Rückkehr in den Zielkorridor wurde auf das letzte Quartal 2027 verschoben, so die Frames-Analysten. Für die Diagnose entscheidend sei die Warnung aus dem August-Bericht der Notenbank: Die Kerninflation steige weiter, obwohl die Wirtschaft schrumpfe. Genau das unterscheide eine gewöhnliche Inflationsphase von einer Stagflation, meinen die Analysten.
Rumänien habe ein Jahr der Konsolidierung mit der ehrgeizigsten Haushaltskorrektur in der EU hinter sich, und bewege sich von einer auf kreditfinanziertem Konsum beruhenden Wirtschaft hin zu einer Wirtschaft, die auf Investitionen und langfristiger Entwicklung beruhe, erklärte der kommissarische Finanzminister Alexandru Nazare.
In einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite hat er eine aktuelle Bestandsaufnahme der rumänischen Wirtschaft vorgenommen und daran erinnert, dass das Land 2024 ein Haushaltsdefizit von 9,3 Prozent des BIP verzeichnet habe. Kein anderes EU-Land sei mit einem Defizit von mehr als 6 Prozent in das Jahr 2025 gestartet, während der EU-Durchschnitt bei 3,1 Prozent gelegen habe, schrieb der Finanzminister.
Nach der Prognose der Europäischen Kommission ist das jährliche Defizit Rumäniens 2025 auf 7,9 Prozent des BIP gesunken und soll 2026 bei 6,2 Prozent liegen. Zum zweiten Mal in Folge verzeichne Rumänien damit den stärksten planmäßigen Defizitabbau in der EU, betonte Alexandru Nazare.