Trockener Sommer bringt Stromkrise
Obwohl das Land über ein nach Einschätzung von Fachleuten dichtes Gewässernetz verfügt, beeinträchtigen die sinkenden Wasserstände den Betrieb der Wasserkraftwerke. Zugleich droht die Donau, deren Pegel auf historische Tiefststände gefallen ist, die Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă nicht mehr ausreichend kühlen zu können.
Bogdan Matei, 07.08.2026, 14:17
Das Kraftwerk deckt rund 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs. Gleichzeitig laufen in Wohnungen, Wohnblocks, Behörden, Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln die Klimaanlagen rund um die Uhr. Einige Städte haben beschlossen, die Straßenbeleuchtung einzuschränken und die Fassadenbeleuchtung markanter Gebäude ganz abzuschalten.
Vor diesem Hintergrund wird der Stromverbrauch großer Industrieunternehmen in Spitzenzeiten verpflichtend begrenzt. Die Übergangsregierung hat dazu eine Verordnung verabschiedet und betroffene Unternehmen werden demnach 24 Stunden im Voraus informiert. Die Maßnahmen greifen nur dann, wenn freiwillige Verbrauchsreduzierungen nicht ausreichen, um den Strombedarf zu decken. Zudem wurde ein nationales Einsatzzentrum für den Energiesektor eingerichtet, dem Vertreter der wichtigsten Erzeuger und Versorger angehören. Es soll den Plan zum Umgang mit Risiken im Energiesektor umsetzen. Privathaushalte sowie Einrichtungen, die dauerhaft in Betrieb bleiben müssen, etwa Krankenhäuser und Sanatorien, werden nicht vom Netz getrennt, erklärte Ministerpräsident Ilie Bolojan.
Auch die Europäische Kommission teilte mit, sie beobachte die Auswirkungen der Dürre auf die Donau. Nach ihren Angaben gibt es bislang jedoch keine Probleme bei der Stromversorgung, obwohl die Kernkraftwerke in Rumänien und Ungarn derzeit nur mit Mindestleistung arbeiten. Die Sprecherin der EU-Kommission, Anna Itkonen, erklärte gegenüber Radio Rumänien, es gebe regionale Solidaritätsmechanismen, die aktiviert werden könnten, sobald die Lage dies erforderlich mache.
Wirtschaftlich zeigen Daten des Nationalen Statistikamtes bereits deutliche Folgen. Demnach sind die Preise im Energiesektor binnen Jahresfrist um fast 25 Prozent gestiegen. Die Erzeugung und Versorgung mit Strom, Wärme und Gas legte um mehr als 23 Prozent zu. Der Wirtschaftsanalyst Constantin Rudnițchi betonte ebenfalls gegenüber Radio Rumänien, diese Entwicklung treffe nicht nur die Unternehmen, sondern werde letztlich auch bei den Kleinverbrauchern ankommen. Die aktuelle Energiekrise zeige, wie wichtig Investitionen in Erzeugungs-, Übertragungs- und Speicherkapazitäten für Strom seien. Zudem sei die Dürre an der Donau kein einmaliges Ereignis, sondern könne sich in den kommenden Jahren wiederholen, warnt der von den Medien zitierte Analyst Bogdan Maioreanu.