Moody’s: Herabstufung Rumäniens zunächst ausgeblieben
Die internationalen Ratingagenturen halten Rumäniens Kreditwürdigkeit vorerst stabil. Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung. Moody’s und Fitch bestätigen zwar ihre bisherigen Bewertungen – beide versehen das Land aber mit einem negativen Ausblick. Damit steht Rumänien unter zunehmendem Druck, seine hohen Haushaltsdefizite abzubauen und gleichzeitig politische Stabilität zu gewährleisten.
Bogdan Matei und Sorin Georgescu, 10.08.2026, 16:00
Das war die gute Nachricht aus Sicht der rumänischen Regierung. Wie von den meisten Wirtschaftsexperten in Bukarest erwartet, hat Moody’s das Rating des Landes bei Baa3 belassen. Der Ausblick bleibt allerdings negativ. Genau darin liegt der entscheidende Vorbehalt. Moody’s sieht erhebliche Risiken bei der Umsetzung des ehrgeizigen Programms zur Konsolidierung der Staatsfinanzen. Zwar habe Rumänien erste Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits erzielt. Ob dieser Kurs jedoch über längere Zeit durchgehalten werden kann, sei keineswegs sicher.
Denn zur wirtschaftlichen kommt die politische Unsicherheit hinzu. Im Mai war die Regierung des liberalen Ministerpräsidenten Ilie Bolojan an einem Misstrauensvotum gescheitert. Die politische Zersplitterung erschwert seitdem die Bildung einer neuen Regierung. Moody’s geht davon aus, dass eine neue Administration nach der Sommerpause ihre Arbeit aufnehmen wird.
Für die Ratingagentur werden deshalb die kommenden Monate entscheidend sein. Dann wird sich zeigen, ob die politischen Kräfte im Land bereit und in der Lage sind, einen längerfristigen Sparkurs mitzutragen. Gleichzeitig muss Rumänien strukturelle Reformen umsetzen – auch, um die steigende Staatsverschuldung unter Kontrolle zu bringen.
Ganz so schlecht, wie der negative Ausblick vermuten lässt, fällt die Bewertung Rumäniens allerdings nicht aus. Moody’s verweist auf einige grundlegende Stärken der rumänischen Wirtschaft. Dazu gehören die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und der damit verbundene institutionelle Rahmen. Die EU-Mitgliedschaft stärkt aus Sicht der Agentur die politische Glaubwürdigkeit Rumäniens und eröffnet dem Land den Zugang zu europäischen Finanzmitteln. Auch das Wachstumspotenzial der rumänischen Wirtschaft wird positiv bewertet. Ebenso liegt der Wohlstand gemessen an der Wirtschaftsleistung pro Kopf vergleichsweise hoch – jedenfalls im Vergleich zu anderen Ländern derselben Ratingklasse. Doch diese Stärken werden durch erhebliche Risiken aufgewogen. Dazu gehört die innenpolitische Instabilität. Hinzu kommen die Nähe zum Krieg in der benachbarten Ukraine und die strukturell hohen Defizite in der Leistungsbilanz.
Fitch kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Bereits Ende Juli bestätigte die Ratingagentur das rumänische Staatsrating bei BBB minus – ebenfalls mit negativem Ausblick. Auch Fitch sieht die EU-Mitgliedschaft als einen wichtigen Stabilitätsfaktor. Sie trägt dazu bei, dass Kapital ins Land fließt. Das wiederum unterstützt die wirtschaftliche Annäherung an die übrigen EU-Staaten und erleichtert den Zugang zu internationalen Finanzierungen. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und bei der Qualität der Regierungsführung schneidet Rumänien laut Fitch sogar besser ab als andere Länder mit einem BBB-Rating.
Doch auch hier überwiegen zunehmend die Risiken: die seit Jahren hohen und hartnäckigen Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite, die wachsende Staatsverschuldung und die zunehmende Nettoauslandsverschuldung. Hinzu kommen die weiterhin hohe Inflation und eine innenpolitische Landschaft, die immer stärker von Fragmentierung und Polarisierung geprägt ist.
Damit rückt die Politik wieder ins Zentrum der wirtschaftlichen Bewertung. Die Unsicherheit hat sich nach dem Zusammenbruch der Vier-Parteien-Regierung aus PSD, PNL, USR und UDMR weiter verschärft. Die Parteien gelten grundsätzlich als pro-westlich. Wie die politische Krise überwunden und eine tragfähige Regierung gebildet werden kann, ist allerdings weiterhin offen.
Für die Finanzmärkte ist das von Bedeutung. Denn ein negativer Ausblick bei den großen Ratingagenturen ist mehr als nur eine statistische Einschätzung. Er signalisiert Investoren, dass eine Herabstufung möglich ist, wenn die politischen und wirtschaftlichen Probleme nicht unter Kontrolle gebracht werden. Und genau hier liegt die derzeitige Schwachstelle Rumäniens.
Anfang Oktober wird die Bewertung der dritten großen Ratingagentur erwartet: Standard & Poor’s. Sollte auch sie an einem negativen Ausblick festhalten, wäre das Bild eindeutig: Alle drei großen Ratingagenturen würden die Kreditwürdigkeit Rumäniens mit einem negativen Ausblick versehen. Das Land befände sich dann nur noch einen Schritt über der sogenannten Junk-Kategorie – also dem Bereich von Anleihen, die von den Ratingagenturen nicht mehr als empfehlenswert für Investitionen gelten.
Eine Herabstufung ist damit noch nicht beschlossen. Aber die Botschaft der Ratingagenturen ist deutlich: Rumänien hat wirtschaftlich durchaus solide Grundlagen. Entscheidend wird jedoch sein, ob die Politik in den kommenden Monaten die nötige Stabilität und den Reformwillen aufbringt, um diese Grundlagen nicht zu gefährden.