Rückblick auf die Woche 14.08.2026 – 19.09.2026
Premierminister +++ Arktis-Gipfeltreffen +++ Protest +++ EuroVolley 2026
Corina Cristea und Florin Lungu, 19.09.2026, 12:00
Siegfried Mureșan von Präsident Nicușor Dan zum Premierminister desingiert
Nach erneuten Konsultationen mit den politischen Parteien in Bukarest ernannte Präsident Nicușor Dan den Europaabgeordneten Siegfried Mureșan zum Premierminister. Er soll die Nachfolge von Ilie Bolojan antreten, der durch ein Misstrauensvotum abgesetzt wurde und seit dem 5. Mai die Regierungsgeschäfte interimistisch geführt hatte. Siegfried Mureșan, ein Politiker mit überwiegend europäischem Profil, ist Wirtschaftswissenschaftler, seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments und derzeit Vizepräsident der EVP sowie der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Seit 2018 gehört er der PNL an. „Rumänien braucht eine Regierung. Wir haben trotz der vielen Stunden der Diskussionen keine klare Mehrheit. Deshalb habe ich denjenigen für das Amt des Premierministers vorgeschlagen, der heute in den Konsultationen die meisten Stimmen der Parteien erhalten hat“, erklärte das Staatsoberhaupt. Siegfried Mureșan wird von den Regierungsparteien PNL, USR und UDMR unterstützt und könnte auch die Stimmen der Minderheitsvertreter erhalten. Insgesamt kommt er auf 183 Stimmen, 50 weniger als die 233, die für die Bildung eines neuen Kabinetts durch das Parlament nötig sind. Sollte er scheitern und vom Parlament abgelehnt werden, rückte Rumänien dem Szenario von Neuwahlen, das von einigen Parteien zunehmend gefordert wird, deutlich näher. Kurz nach der Nominierung erklärte PSD-Präsident Sorin Grindeanu, der während der Konsultationen die Bereitschaft der Sozialdemokraten zur Regierungsübernahme bekundet hatte, er habe den Vorschlag des Präsidenten mit „Überraschung und Enttäuschung“ zur Kenntnis genommen und für Montag eine Sitzung des Nationalen Ständigen Büros der Partei einberufen. Die AUR (die populistische, nationalistische Opposition) bekräftigte ihrerseits ihre Entschlossenheit, nicht für eine Regierung zu stimmen, der sie nicht angehören würde, und betrachtete Neuwahlen als einzige Lösung für die politische Sackgasse. „Ungeachtet dessen, wie wir aus dieser Situation herauskommen, bin ich überzeugt, dass Rumänien den prowestlichen Kurs beibehalten und seine Verpflichtungen erfüllen wird, insbesondere jene hinsichtlich der Finanzpolitik und unserer Beziehungen zu den Gebern“, betonte das Staatsoberhaupt.
Präsident Nicușor Dan beim Gipfeltreffen in Finnland
Zwölf Länder, darunter Rumänien, forderten die EU auf einem Gipfeltreffen in Nordfinnland auf, angesichts der sich wandelnden geopolitischen Realitäten ausreichende Ressourcen bereitzustellen, um ihr Engagement in der Arktis zu stärken. Diese Region ist von starken geopolitischen Spannungen geprägt, die durch russische Drohungen und den Wunsch von US-Präsident Donald Trump nach der Annexion Grönlands, eines autonomen dänischen Territoriums, ausgelöst wurden. Präsident Nicușor Dan erklärte auf dem Gipfeltreffen, dass ein kohärentes und einheitliches Management der Herausforderungen im gesamten Gebiet vom Arktischen Ozean bis zum Schwarzen Meer erforderlich sei, da die Sicherheitsherausforderungen in diesen Regionen seiner Ansicht nach miteinander verknüpft seien. Die Bedenken beträfen sowohl die Umwelt als auch die Wirtschaft. Die Arktis erwärmt sich aufgrund des Klimawandels fast viermal so schnell wie der globale Durchschnitt, was schwerwiegende Folgen für Ökosysteme und die lokale Bevölkerung habe. Gleichzeitig eröffne das Abschmelzen des Eisschildes neue wirtschaftliche und strategische Perspektiven, und Russland, China und die USA hätten ihre Präsenz in der Region verstärkt, insbesondere um Zugang zu den dortigen wichtigen Bodenschätzen zu erhalten und neue Seewege zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund wäre es für die EU von Interesse, über eine eigene Flotte von Eisbrechern oder Schiffen zu verfügen, die auch unter sehr schwierigen Bedingungen navigieren können.
Protest in Bukarest
Der am Dienstag von Bauern vor dem Regierungsgebäude in Bukarest organisierte Protest eskalierte zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Tierzüchter aus dem ganzen Land kamen in die Hauptstadt, um ihren Unmut über den Umgang mit Pest- und Schafpocken-Ausbrüchen sowie über die Maßnahmen, die zur Tötung von Tieren und zum Exportverbot für Schafe und Ziegen führen, zum Ausdruck zu bringen. Dutzende Menschen wurden von der Polizei festgenommen und verhört, und Dutzende weitere, darunter Gendarmen, benötigten medizinische Versorgung. Rund 50 Personen, die sich asozial verhielten, wurden von der Gendarmerie auf Polizeiwachen gebracht. Vertreter der Tierzüchter distanzierten sich von den Gewalttaten der betreffenden Personen, von denen einige keinerlei Verbindung zu Tierzüchtern hatten. „Landwirte haben das legitime Recht zu protestieren, aber es ist inakzeptabel, dass dieses Recht und ihre Forderungen verzerrt, beschlagnahmt und in verwerfliche Handlungen umgewandelt werden“, sagte der amtierende Landwirtschaftsminister Tánczos Barna. Er erklärte, die Behörden hätten mehrere Maßnahmen zur Unterstützung der von der Pest der kleinen Wiederkäuer und den Schafpocken betroffenen Schafzüchter vorbereitet.
Prestigeträchtiger Sieg für die rumänische Volleyball-Nationalmannschaft der Männer
Die rumänische Nationalmannschaft feierte am Mittwochabend in Cluj-Napoca (Nordwestrumänien) einen prestigeträchtigen 3:2-Sieg gegen Olympiasieger Frankreich. Es war das letzte Gruppenspiel der Gruppe D bei der Volleyball-Europameisterschaft der Männer – EuroVolley 2026, die von Italien, Bulgarien, Finnland und Rumänien ausgerichtet wird. Frankreich belegte den ersten Platz in der Gruppe, gefolgt von Deutschland, Rumänien, Lettland, der Türkei und der Schweiz. Die ersten vier Teams qualifizierten sich für das Achtelfinale, wo Rumänien am 20. September in Sofia auf die Ukraine trifft. Ebenfalls diese Woche, am Dienstag, entschied das UEFA-Exekutivkomitee, dass das Finale der Europa League 2028 in Bukarest in der National Arena ausgetragen wird, wie der rumänische Fußballverband (FRF) mitteilte. FRF-Präsident Răzvan Burleanu sieht in der Vergabe der Ausrichtung des Europa-League-Finales an Bukarest ein Zeichen des Vertrauens seitens der UEFA. Die National Arena war 2012 auch Austragungsort des Europa-League-Finales, in dem Atlético Madrid Athletic Bilbao mit 3:0 besiegte.