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Das Theater „Königin Maria“ in Oradea/Großwardein

Oradea (dt. Großwardein, ung. Nagyvarad) ist eine Stadt mit knapp über 200.000 Einwohnern. Dem örtlichen Theater Königin Maria“ gelingt es regelmäßig, volle Säle bei seinen Aufführungen zu haben.

Das Theater „Königin Maria“ in Oradea/Großwardein
Das Theater „Königin Maria“ in Oradea/Großwardein

, 15.03.2014, 15:56

Ein Komet auf dem Himmel und darunter ein glückliches Brautpaar. Freudvolle und entspannte Menschen um sie herum. Zehn Jahre nach ihrer Hochzeit fragt sich Elisabeth, ob das Glück festgehalten werden kann und versucht, das Fest zu wiederholen. Das ist der Startpunkt der Geschichte der Theateraufführung Der Komet“ von Justine del Corte, inszeniert von Radu-Alexandru Nica auf der Bühne des Theaters Königin Maria“ im westrumänischen Oradea (Gro‎ßwardein). Justine del Corte ist eine erfolgreiche deutsche Dramatikerin und ihr Text, geschrieben im Jahr 2012, wurde zum ersten Mal in demselben Jahr auf der Bühne des renommierten Burgtheaters in Wien in der Regie des meistgespielten deutschen Dramatikers der Gegenwart, Roland Schimmelpfennig, inszeniert.



Das ist das zweite Stück von Justine del Corte, das Radu Nica in Rumänien inszeniert. Der Regisseur erzählt, was er an dem Text der deutschen Schriftstellerin mexikanischer Herkunft besonders attraktiv fand:



Eine besonders starke Anziehungskraft übte bei mir der philosophische Aspekt des Stückes aus. Es gibt meiner Ansicht nach nichts Theatralisches, wenn die Gestalten ein wenig und ab und zu philosophieren. Dieser Text hat sowohl etwas von Tschechows Kunst als auch von Arthur Schnitzler. Diese so stark auf die zeitgenössische Welt fixierte Mischung finde ich besonders attraktiv und bietet den Regisseuren eine Menge Stoff an. Den Schauspielern hat er auch vieles anzubieten. Fast alle Gestalten sind sehr komplex und man kann nicht über Nebenrollen sprechen. Das ist ein Theaterstück mit rund zehn Hauptgestalten. Die Dramatikerin befasst sich mit dem Glücksgefühl und der Suche nach dem vollkommenen Glück. Das fand ich besonders interessant. Als Regisseur fand ich ebenfalls den Bereich Theater im Theater äu‎ßerst interessant und ich habe diesen Aspekt eigentlich weiter getrieben – die Wiederholung der Hochzeit haben wir als Wiederholung eines wahren Ereignisses im Theater dargestellt. So wurde das Stück in unserer Inszenierung mehr als eine Meditation zum Thema Zeit, es wurde zu einer Meditation über die Art und Weise, in der das Theater der Zeit entkommen kann oder nicht.“




Der Regisseur Radu-Alexandru Nica arbeitete für diese Inszenierung zum ersten Mal mit dem Theaterensemble Iosif Vulcan“ des Theaters Königin Maria“ aus Oradea, einem jungen und begeisterten Team, gebildet aus 15 Schauspielerinnen und Schauspielern. Radu Nica:



Wir haben ein Theaterensemble entdeckt, das den gro‎ßen Wunsch hatte, eine andere Art von Theater zu spielen, als es hier üblich ist. In letzter Zeit hat man die musikalische und kommerzielle Seite ziemlich viel in den Vordergrund gerückt. Das ist doch nicht so schlimm, weil die Theatersäle in Oradea jetzt voll sind. Ich bin aber der Ansicht, dass es nun an der Zeit ist, unserem Publikum etwas anderes anzubieten. Dieser Text ist, selbst wenn ziemlich unzugänglich und mit einem eigenartigen Humor, nicht so schwer zu ‚verdauen‘.“




Das Theatergebäude, das ebenfalls das ungarischsprachige Szigligeti-Theater beherbergt, ist eines der bedeutenden Patrimonium-Bauwerke des westrumänischen Oradea. Die Planung des Gebäudes wurde von dem berühmten wienerischen Architektenbüro Fellner & Helmer entworfen und die Bauarbeiten dauerten nur 15 Monate, ab Juli 1899 bis Oktober 1900. Das Theater wurde nach der Bauwerksanierung 2011 wieder eröffnet und das Ensemble Königin Maria“ lud alle Theaterbegeisterten an einer besonderen Einweihungsfeier mit dem berühmten Musical Der Fiedler auf dem Dach“ ein. Die Aufführung wurde bei der Gala des Rumänischen Theaterverbands UNITER in zwei Kategorien nominiert: die beste Bühnenmalerei und die beste Darstellerin in einer Nebenrolle. Daniel Vulcu, Intendant des Theaters Königin Maria“:



Wir möchten gezielt diese Nische bedienen, die in Rumänien nicht ganz populär ist: das musikalische Theater, selbstverständlich handelt es sich nicht ausschlie‎ßlich darum, wir möchten jedoch die Vertreter dieses Genres in Rumänien werden und wir verfügen über die notwendigen Mittel, um das richtig zu machen. Laut unserer Manager-Strategie bringen wir jedes zweite Jahr ein berühmtes Musical auf die Bühne, ansonsten inszenieren wir andere Musicals, die sich keiner gro‎ßen Berühmtheit erfreuen. Meiner Meinung nach haben wir bereits bewiesen, dass dieses Genre unser Können verkörpert, wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass wir ein Dramatheater sind, und wir werden also auch andere Theaterstücke inszenieren. Wir haben uns vorgenommen, mit fähigen Regisseuren zusammenzuarbeiten und die Kooperation mit Radu Nica stand unter einem guten Omen. Wir haben zudem auch mit Mihai Măniuţiu zusammengearbeitet, der uns aus eigener Initiative die musikalische Inszenierung eines klassischen Theaterstückes, »Leonce und Lena«, vorgeschlagen hat.“




Oradea (dt. Gro‎ßwardein, ung. Nagyvarad) ist eine Stadt mit knapp über 200.000 Einwohnern. Unter diesen Umständen gelingt es dem Theater Königin Maria“, regelmä‎ßig volle Säle bei seinen Aufführungen zu haben. Theaterintendant Daniel Vulcu:



Es gibt 15 Inszenierungen, die bei uns ständig stattfinden. Es gibt eine gro‎ße Nachfrage. Jedes Jahr sind wir aufgeregt vor den Auftritten beim Festival für Kurztheater — jetzt finden Aufführungen nicht eine Woche lang wie bislang, sondern zehn Tage. Voriges Jahr gab es 50 Aufführungen und wir haben ein zahlreiches Publikum angezogen. Daher kann ich jetzt behaupten, dass das Theaterleben in Oradea gute Aussichten hat. Wir haben ein breites und zahlreiches Publikum, es gibt hier in Oradea so viele Theaterbegeisterte, und ich wage sogar, von einer Theater-Mode zu sprechen. Die Leute sprechen überall über Theater, sie regen sich einander an, ins Theater zu gehen, sie befragen einander, ob sie verschiedene Theaterstücke gesehen haben oder nicht. Ein besonders interessantes Phänomen ereignete sich beim letzten Festival für kurzes Theater, als wir die ersten Karten bei den Festspielen für die Aufführungen unseres Ensembles verkauft haben, selbst wenn auf dem Programm des ‚Gro‎ßen Saals‘ Auftritte berühmter Theatertruppen aus Bukarest standen.“




Das Festival für kurzes Theater findet bereits zum 20. Mal statt und wird vom Theater Königin Maria“ in Oradea organisiert. Die Festspiele stellen die einzige Fachveranstaltung in Rumänien dar, die den Theaterstücken in einem Akt gewidmet ist. Das Festival ist zudem eines der langlebigsten in Rumänien, zum ersten Mal fand es 1976 statt.



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