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Ein Leben zwischen Bühne und Erinnerung: „Fluturi de noapte“ porträtiert Marina Voica

Sie ist 89 Jahre alt, steht noch immer auf der Bühne, lacht viel, widerspricht gern – und denkt nicht im Geringsten daran, sich in die Rolle der „Grande Dame“ zurückzuziehen. Die Sängerin Marina Voica gehört seit Jahrzehnten zur rumänischen Musikgeschichte, doch der Film Fluturi de noapte interessiert sich weniger für Legendenbildung als für den Menschen hinter der öffentlichen Figur. Regisseur Andrei Răuțu hat sie über mehrere Jahre begleitet und dabei ein sehr persönliches Porträt gedreht – eines, das auch von Erinnerung erzählt, vom Älterwerden und davon, wie viel Gegenwart in einem langen Leben steckt.

„Fluturi de noapte”
„Fluturi de noapte”

und , 14.02.2026, 11:46

Mehr als drei Jahre lang hat Andrei Răuțu immer wieder zur Kamera gegriffen, oft allein, manchmal nur zu zweit, ohne großes Team, ohne sichtbare Produktionsmaschinerie. Die Arbeitsweise knüpft an seinen Kurzfilm Bucureștiul văzut de sus an und blieb bewusst reduziert, fast privat, weil genau daraus jene Nähe entstehen sollte, die diesen Film trägt.

Ausgangspunkt war ursprünglich eine ganz andere Geschichte: die Auseinandersetzung des Regisseurs mit der Erkrankung seiner eigenen Großmutter. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich ein Nachdenken über das Verschwinden von Erinnerungen, über das, was bleibt, wenn Biografien brüchig werden – und über Menschen, die trotz dieser Fragilität eine erstaunliche Vitalität ausstrahlen.

„Fluturi de noapte“ ist deshalb kein klassisches Künstlerporträt. Der Film beobachtet Marina Voica im Alltag, im Gespräch, im Spiel mit der Kamera, manchmal ernst, oft ironisch, immer mit einer Lust am Leben, die nichts mit Nostalgie zu tun hat. Und ganz nebenbei stellt er eine Frage, die im gegenwärtigen Kino selten gestellt wird: Warum kommen ältere Menschen dort so selten als komplexe, gegenwärtige Figuren vor?

Gezeigt wurde der Film unter anderem beim TIFF – Festivalul Internațional de Film Transilvania.

Die erste Begegnung mit Marina Voica war für Andrei Răuțu ein Schlüsselmoment – lange bevor es überhaupt ein fertiges Projekt gab.

„Als ich sie beim Casting sah, hatte ich das Drehbuch noch gar nicht geschrieben, aber ich wusste, dass ich irgendwann eine Darstellung meiner Großmutter brauchen würde. Mich haben die Ähnlichkeiten überrascht, vor allem dieser Kontrast zwischen äußerer Zerbrechlichkeit und einer großen inneren Kraft. Ich habe einiges fiktionalisiert, damit es als Geschichte funktioniert, aber gearbeitet habe ich fast dokumentarisch. Mich interessierte das Weggehenmüssen von einem Ort, den man ein Leben lang geliebt hat.

Meine Generation versucht, das Alter anders zu zeigen und auch seine spielerischen Seiten zu entdecken. Für mich ist das Kino selbst ein Raum des Spiels – man hat Text, Ton, Bild, Schauspieler, und diese Mittel geben einem eine Freude, die sehr nah an kindlichem Spielen ist. Gerade weil es so schwer ist, Projekte zu finanzieren, darf man nicht blockieren. Wenn keine Mittel da sind, arbeite ich mit dem, was ich habe.“

Keine glatten Bilder, keine kaschierten Fehler – die kleinen Unvollkommenheiten sollten sichtbar bleiben, weil sie genau jene Authentizität herstellen, die man sonst oft verliert.
Im Laufe der Dreharbeiten entstand zwischen Regisseur und Protagonistin ein Vertrauensverhältnis, das man dem Film anmerkt: Er beobachtet nicht nur eine bekannte Künstlerin, sondern zwei Menschen bei der gemeinsamen Arbeit.

Marina Voica selbst musste zunächst überzeugt werden, sich auf diese sehr offene Form des Arbeitens einzulassen. Heute beschreibt sie die Zusammenarbeit als persönliche Entdeckung.

„Nach unserem ersten Film hat sich alles weiterentwickelt, obwohl ich mich damals nur schwer überreden ließ, die Rolle anzunehmen. Für mich war das eine außergewöhnliche Erfahrung, weil ich viel über das Kino verstanden habe. Bei diesem neuen Projekt hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, dass es so beeindruckend wird. Mich hat das Ergebnis wirklich bewegt. Vielleicht auch, weil ich Andrei inzwischen vertraut habe. Er ist ein sehr guter Freund geworden, ein wichtiger Mensch für mich. Und wenn ich gefragt werde, warum ich Filme mache oder für wen ich singe, ist die Antwort ganz einfach: für das Publikum. Ich glaube, dass wir den Zuschauern mit diesem Film unsere Kunst so geben konnten, wie wir sie selbst fühlen.“

Gedreht mit minimalen Mitteln, getragen von Zeit, Vertrauen und Neugier, ist „Fluturi de noapte“ ein Film geworden, der leise bleibt und gerade dadurch wirkt – weniger als Hommage, sondern als Begegnung zweier Generationen, die einander beim Erzählen zuhören.

Акторка Олівія Ніце
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