RRI Live!

Hören Sie Radio Rumänien International Live

Bergbau in Rumänien: Zwischen Geschichte, Zwang und einer ungewissen Zukunft

Der Bergbau gehört zu den ältesten Erwerbszweigen im rumänischen Raum. Bereits in den frühesten Quellen über die Bewohner des Karpatenbogens findet er Erwähnung.

Bergbau in Rumänien: Zwischen Geschichte, Zwang und einer ungewissen Zukunft
Bergbau in Rumänien: Zwischen Geschichte, Zwang und einer ungewissen Zukunft

, 25.05.2026, 21:31

Charakteristisch für den rumänischen Bergbau ist seine Vielfalt: Er umfasst die Gewinnung von Kohle und Salz ebenso wie die Förderung von Edel-, Sonder- und Seltenen Metallen. Er war Handwerk und Geschäft zugleich – betrieben sowohl vom Staat als auch von privaten Investoren. Vor allem aber schuf er eine eigene Welt: eine Welt der Berufe, der sozioprofessionellen Gruppenidentität und des lokalen Stolzes.

Die kommunistische Regierung, die am 6. März 1945 die Macht in Rumänien übernahm, verfolgte in ihrer Wirtschaftsdoktrin die Abschaffung des Privateigentums. Der Akt dieser Enteignung – euphemistisch „Nationalisierung“ genannt, de facto jedoch ein Güterentzug – wurde am 11. Juni 1948 verkündet und betraf auch die Bergwerke. Ion Bică, ein kommunistischer Untergrundaktivist, erinnerte sich 1971 an die Übernahme der Minen im Landkreis Gorj. Seine Aussage wurde im Archiv des Zentrums für mündliche Geschichte des Rumänischen Rundfunks zusammen mit den Zeugnissen anderer Menschen aufbewahrt, die im Bergbau gearbeitet und jene Zeiten erlebt hatten. Er berichtete:

„Ich hatte die Ehre, das Vertrauen der Bezirksparteiführung zu genießen. Man betraute mich mit der Aufgabe, in jener Nacht an der Übernahme der Mine Schela teilzunehmen. Geleitet von der Parteiorganisation und gemeinsam mit den Parteimitgliedern des betreffenden Ortes übernahmen wir die Mine ohne Schwierigkeiten. Ich erlebe diesen Augenblick noch einmal, als wir zum ersten Mal einen Direktor aus den Reihen der Arbeiter einsetzten – den Genossen Iosif Pop. Mitten in der Nacht äußerte er zunächst seine Verblüffung, teils aus Rührung, teils angesichts der Bedeutung des Moments: Ob er denn wirklich Direktor sein könne? Worauf wir ihm antworteten: Du bist es bereits, und du wirst – bis morgen, wenn andere Genossen kommen, um dir zu helfen – für alles verantwortlich sein, was in dieser Mine geschieht.“

Im Jahr 2001 erinnerte sich Ioan Cobori, ein Bewohner des Bergarbeiterdorfes Roșia Montană, dass er die Nationalisierung von 1948 als Schließung der Minen wahrgenommen hatte:

„Die Minen wurden geschlossen. Die Menschen nahmen ihre Pochwerke – also ihre eigenen Maschinen zum Erzzerschlagen – mit, die ihnen gehörten, und zerstörten sie. Dann gingen sie in alle Winde. Die Älteren hatten nirgends hinzugehen. Ich selbst zog nach Ghelari, arbeitete dort drei Jahre als Bergmann. Von dort nach Teliuc für ein Jahr. Von Teliuc nach Bumbeşti-Livezeni, dann nach Petrila, drei Monate, danach nach Petroşani, in die Mine Petrila.“

Der Ingenieur Eliazar Dumitraș bestätigte 2001 die Schilderungen Coboris:

„Nach der Nationalisierung verstreuten sich die Menschen in alle Richtungen, auf Baustellen, auf der Suche nach Arbeit. Andere, die dazu nicht in der Lage waren – zu alt oder zu krank –, blieben zu Hause auf ihren Höfen. Die Nationalisierung vollzog sich auf denkbar simple Weise: Eines Morgens erging ein Befehl, demzufolge niemand mehr eine Mine betreten durfte; sie waren bereits auf den Staat übergegangen. Die Menschen waren fassungslos – ihr Lebensunterhalt war zerstört worden. Ich selbst war damals zweiundzwanzig und verstand nicht viel, außer dass man uns den Zutritt zur Mine verwehrt hatte. Ich war weder gebildet noch vorbereitet genug, um wirtschaftliche Begriffe wie ‚Nationalisierung‘ zu verstehen. Nach der Nationalisierung wurden die Pochwerke abgebaut. Jeder Eigentümer demontierte seine Anlage, brachte sie nach Hause und verwendete das Holz – wenn überhaupt – zu anderen Zwecken. Im schlimmsten Fall verheizten sie es.“

Die Nationalisierung führte zu Massenentlassungen. Toderaș Brutus erinnerte sich 2001 an die tiefe Bestürzung, die die von der Bergarbeit abhängigen Menschen erfasst hatte – eine Bestürzung, die sich mit der allgemeinen Unsicherheit und der Angst vor einer brutalen und undurchsichtigen Staatsmacht verband:

„Die Menschen gingen zur Arbeit, die Pochwerke liefen, sie legten sich schlafen – und am nächsten Morgen wachten sie auf und die Nationalisierung war vollzogen. Es traf sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Es hatte keinerlei Gerüchte gegeben; hätte man die Sache gekannt, hätten die Leute es sofort erfahren. Dann erging ein Kommuniqué: Niemand habe das Recht, eine Mine zu betreten. Alle kamen, holten ihr Werkzeug heraus – denn in die private Mine durfte man nicht mehr einfahren. Es wurde Bewachung eingerichtet, ein Wachkommando, das der Betriebsleitung von Roșia Montană unterstellt war und die Kontrolle ausübte. Wer noch Erz in den Pochwerken hatte, durfte es waschen und sein Gold gewinnen. Das Wasser der Pochwerke wurde jedoch abgestellt, sodass das Erz nicht mehr gemahlen werden konnte. Die Menschen waren sehr verzweifelt. Sie hatten Kinder, hatten Verpflichtungen zu erfüllen. Alle fragten sich: Was sollen wir tun?“

Nach 1989, nach dem Sturz des kommunistischen Regimes, wurde die verhasste Nationalisierung samt ihrer Implikationen für nichtig erklärt – der Bergbau verblieb jedoch im Staatseigentum. Seither wurde die wirtschaftliche Tätigkeit im Bergbau schrittweise reduziert; seine Zukunft ist zwischen Pessimismus und Hoffnung ungeklärt.

Die Ereignisse von Tatarbunar 1924

Die Ereignisse von Tatarbunar 1924

Die damalige Presse und der rumänische Staat bezeichneten dies als terroristische Aktionen, während Historiker von einem „Aufstand“, einer...

Die Ereignisse von Tatarbunar 1924
Romulus Rusan – Schriftsteller, Gedächtniswächter und Mitbegründer des Sighet-Memorials

Romulus Rusan – Schriftsteller, Gedächtniswächter und Mitbegründer des Sighet-Memorials

Romulus Rusan wurde 1935 geboren und starb 2016 im Alter von 81 Jahren. Von Beruf Maschinenbauingenieur, besaß Rusan auch ein Talent für die...

Romulus Rusan – Schriftsteller, Gedächtniswächter und Mitbegründer des Sighet-Memorials
Rumäniens Außenpolitik zwischen den Blöcken: von der sowjetischen Vormundschaft zur Dritten Welt

Rumäniens Außenpolitik zwischen den Blöcken: von der sowjetischen Vormundschaft zur Dritten Welt

Von 1945 bis nach 1958 – dem Jahr des Abzugs der Roten Armee – hatte die rumänische Diplomatie das Wort der Sowjetunion nicht verlassen, ebenso...

Rumäniens Außenpolitik zwischen den Blöcken: von der sowjetischen Vormundschaft zur Dritten Welt
Сторінки історії

Apotheken im fanariotischen Jahrhundert – die Geburt der modernen Pharmazie in der Walachei

Sie erhielt diesen Namen von den Fürsten, die ursprünglich aus dem Stadtviertel Phanar in Konstantinopel stammten und sich auf den Thronen der...

Apotheken im fanariotischen Jahrhundert – die Geburt der modernen Pharmazie in der Walachei

Frauenbewegung im kommunistischen Rumänien: zwischen realen Fortschritten und ideologischer Vereinnahmung

  RadioRomaniaInternational · Frauenbewegung im kommunistischen Rumänien: zwischen realen Fortschritten und ideologischer Vereinnahmung  ...

Frauenbewegung im kommunistischen Rumänien: zwischen realen Fortschritten und ideologischer Vereinnahmung

Czernowitz und das Gymnasium Aron Pumnul – Wo Bildung und nationaler Geist die Bukowina prägten

Die Schule ist es, die den heutigen Menschen am nachhaltigsten geprägt hat — beginnend mit dem 18. Jahrhundert, als sich die Überzeugung...

Czernowitz und das Gymnasium Aron Pumnul – Wo Bildung und nationaler Geist die Bukowina prägten

Das alte rumänische medizinische Buch – Bilder von Krankheit und Heilung vom 16. bis 19. Jahrhundert

Auch in den rumänischen Druckereien des 18. und 19. Jahrhunderts liefen solche Werke von den Pressen und fanden gemeinsam mit medizinischen Büchern...

Das alte rumänische medizinische Buch – Bilder von Krankheit und Heilung vom 16. bis 19. Jahrhundert

Der katholische Konfessionsunterricht im rumänischen Raum

In der Moldau setzte er früher ein und war mit der Präsenz katholischer Bistümer gegen Ende des 13. Jahrhunderts verbunden. In der Walachei gab es...

Der katholische Konfessionsunterricht im rumänischen Raum

Partner

Muzeul Național al Țăranului Român Muzeul Național al Țăranului Român
Liga Studentilor Romani din Strainatate - LSRS Liga Studentilor Romani din Strainatate - LSRS
Modernism | The Leading Romanian Art Magazine Online Modernism | The Leading Romanian Art Magazine Online
Institului European din România Institului European din România
Institutul Francez din România – Bucureşti Institutul Francez din România – Bucureşti
Muzeul Național de Artă al României Muzeul Național de Artă al României
Le petit Journal Le petit Journal
Radio Prague International Radio Prague International
Muzeul Național de Istorie a României Muzeul Național de Istorie a României
ARCUB ARCUB
Radio Canada International Radio Canada International
Muzeul Național al Satului „Dimitrie Gusti” Muzeul Național al Satului „Dimitrie Gusti”
SWI swissinfo.ch SWI swissinfo.ch
UBB Radio ONLINE UBB Radio ONLINE
Strona główna - English Section - polskieradio.pl Strona główna - English Section - polskieradio.pl
creart - Centrul de Creație Artă și Tradiție al Municipiului Bucuresti creart - Centrul de Creație Artă și Tradiție al Municipiului Bucuresti
italradio italradio
Institutul Confucius Institutul Confucius
BUCPRESS - știri din Cernăuți BUCPRESS - știri din Cernăuți

Mitgliedschaften

Euranet Plus Euranet Plus
AIB | the trade association for international broadcasters AIB | the trade association for international broadcasters
Digital Radio Mondiale Digital Radio Mondiale
News and current affairs from Germany and around the world News and current affairs from Germany and around the world
Comunità radiotelevisiva italofona Comunità radiotelevisiva italofona

Provider

RADIOCOM RADIOCOM
Zeno Media - The Everything Audio Company Zeno Media - The Everything Audio Company