Rumäniens Außenpolitik zwischen den Blöcken: von der sowjetischen Vormundschaft zur Dritten Welt
Vom Trauma tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche gezeichnet, die das 1945 mit direkter sowjetischer Unterstützung installierte kommunistische Parteiregime erzwungen hatte, musste Rumänien neu erlernen, eine eigenständige Außenpolitik zu betreiben, aus der es Nutzen ziehen konnte.
Steliu Lambru, 11.05.2026, 22:42
Von 1945 bis nach 1958 – dem Jahr des Abzugs der Roten Armee – hatte die rumänische Diplomatie das Wort der Sowjetunion nicht verlassen, ebenso wenig wie die Diplomatie aller anderen sozialistischen Staaten Mittel- und Osteuropas. Die einzige Persönlichkeit der demokratischen rumänischen Diplomatie, über die die sozialistische Diplomatie Rumäniens bereit war, sich positiv zu äußern, war Nicolae Titulescu. Er wurde so zum Vorbild für die neue rumänische Diplomatie zu Beginn der 1960er Jahre. Als Diplomat der Zwischenkriegszeit und Verteidiger des Versailler Vertragssystems nach dem Ersten Weltkrieg hatte Titulescu in den 1930er Jahren eine antifaschistische, antirevisionistische und der Sowjetunion gegenüber wohlgesonnene Politik verfolgt.
Die ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte waren von der Dekolonisierung und einem Neudenken der internationalen Beziehungen geprägt – einer Tendenz, die als „neue Weltordnung“ bezeichnet wurde. Die Dritte Welt, oder was heute als Globaler Süden bezeichnet wird, schien eine neue Perspektive zu bieten, befreit von den Mängeln des Kapitalismus und der Ausbeutung. Sie verstand sich als eine Welt, die einen „dritten Weg“ der Entwicklung beschritt – weder kapitalistisch noch sozialistisch – und wirtschaftliche Entwicklung sowie politische Stabilität anstrebte. Ironischerweise profitieren die Länder des Globalen Südens auch heute, nach vielen Jahrzehnten, noch nicht von dem, was sie sich vor mehr als einem halben Jahrhundert vorgenommen hatten.
Obwohl sie sich wirtschaftlich und ideologisch als neutral erklärt hatten, schlossen sich dem Globalen Süden vor allem sozialistische Länder an, die nach Lösungen für ihre vielfältigen systemischen Krisen suchten. Es war der Realismus in der internationalen Politik, jenseits ideologischer Affinitäten, der Rumänien zu den blockfreien Staaten und zur Gruppe der 77 trieb. Die 1964 unter dem Dach der Vereinten Nationen gegründete G77, deren vorrangiges Ziel die Bekämpfung wirtschaftlicher Ungleichheiten war, war eng mit den von den Vereinten Nationen gesetzten Richtlinien und deren Projekten verknüpft. Erst 1976 trat Rumänien der G77 bei, 1978 wurde es Vollmitglied im Büro der „Gruppe der 77″ innerhalb der UNESCO und engagierte sich damit in kulturellen, wissenschaftlichen und Umweltprojekten. Zusammen mit dem ehemaligen Jugoslawien, Zypern und Malta gehörte Rumänien zu den wenigen europäischen Ländern, die an einer Zusammenarbeit mit der Gruppe interessiert waren.
Mircea Nicolaescu war in seiner Laufbahn Botschafter des sozialistischen Rumänien in mehreren Ländern. In einem 2001 vom Zentrum für Mündliche Geschichte des Rumänischen Rundfunks geführten Interview erläuterte er, dass die staatlichen und sozioökonomischen Realitäten die diplomatischen Öffnungen bestimmt hätten. Im zwischenstaatlichen Verkehr zählten Interessen und die Fähigkeit, diese durchzusetzen, sagte Nicolaescu. Staatliche Beziehungen seien Machtbeziehungen, und niemand habe Rumänien etwas zugestanden, nur weil es ein kommunistisches Land gewesen sei – aber auch niemand habe es benachteiligt, wenn es diesen Status nicht in den Vordergrund gestellt habe. Er verglich dies mit einer Ware: Eine Ware verkaufe sich, wenn sie gut sei. Ebenso werde eine Außenpolitik akzeptiert, wenn sie den Interessen aller diene – nicht aber, wenn keine Gemeinsamkeiten, keine Übereinstimmung mit bestimmten Optionen und Bestrebungen zu finden seien. Die rumänische Politik gegenüber der Dritten Welt, einschließlich des Verständnisses der Blockfreiheit als eines Phänomens, das gerade das Bedürfnis der Neulinge auf der internationalen Bühne zum Ausdruck bringe, sich außerhalb der Großmachtbeziehungen zu halten, sei eine große Stütze gewesen – ebenso wie die Teilnahme an der Gruppe der 77.
Ägypten war das Zentrum der neuen Architektur der internationalen Beziehungen und Ort einer sogenannten „Neutralität“ gegenüber den beiden entgegengesetzten Blöcken des Westens und des Ostens. Die Militärjunta Nassers nutzte die symbolische Kraft der altägyptischen Zivilisation, die Sympathie für die ägyptische Sache und den sogenannten „Befreiungswillen des Volkes“, um sich bietende Gelegenheiten maximal auszuschöpfen. Wie viele Intellektuelle, Politiker und ein bedeutender Teil der internationalen Öffentlichkeit war auch Mircea Nicolaescu, ehemaliger Botschafter in Ägypten, von der Figur Nassers beeindruckt. In einem 1996 dem Zentrum für Mündliche Geschichte des Rumänischen Rundfunks gegebenen Interview würdigte er dessen Persönlichkeit und dessen Rolle, das Land in den Vordergrund der Dritten Welt zu rücken. Nassers Ansehen sei durch sein innenpolitisches Wirken erlangt worden: Gemeinsam mit der Gruppe demokratischer Offiziere um ihn habe er es verstanden, sich in die Demokratisierungstendenzen einzuschreiben, die mit den nationalen Befreiungsbewegungen einhergingen. Mit Nassers persönlichem Aufstieg und dem Ägyptens in der Blockfreiheitsbewegung sowie in der G77 im Bereich der Wirtschaftsentwicklung sei zudem ein weiterer wichtiger Faktor