Die Coliboaia-Höhle auf dem Weg zur UNESCO-Anerkennung
Bereits seit 2017 laufen die Vorbereitungen für das UNESCO-Dossier der Coliboaia-Höhle im Kreis Bihor. Die Unterlagen wurden mehrfach ergänzt und überarbeitet, bis sich vor drei Jahren das Nationale Institut für Kulturerbe erneut der Sache annahm.
Ana-Maria Cononovici und Adina Olaru, 01.10.2026, 17:44
Bereits seit 2017 laufen die Vorbereitungen für das UNESCO-Dossier der Coliboaia-Höhle im Kreis Bihor. Die Unterlagen wurden mehrfach ergänzt und überarbeitet, bis sich vor drei Jahren das Nationale Institut für Kulturerbe erneut der Sache annahm.
Die Institution reichte das Dossier bei der UNESCO ein, wo es am 15. April dieses Jahres offiziell akzeptiert und auf der Website veröffentlicht wurde. Für die Coliboaia-Höhle im Bihor-Gebirge ist dies der erste Schritt zur offiziellen Anerkennung als Weltkulturerbe. Sie ist berühmt für ihre über 30.000 Jahre alten Felsmalereien und zählt damit zu den fünf ältesten derartigen Höhlen weltweit. Fachleute werten diese Entdeckung als eine der bedeutendsten in Europa auf dem Gebiet der paläolithischen Kunst.
Die Höhle liegt in der Gemeinde Câmpani, am Oberlauf des Sighiștel-Tals auf einer Höhe von 550 Metern. Sie umfasst gut 1.066 Meter kartierte Galerien und weist einen Höhenunterschied von 15 Metern auf. Obwohl sie in der speläologischen Fachliteratur schon vor 1900 Erwähnung fand, wurde die Coliboaia-Höhle erst ab 1981 richtig erforscht. Dr. Călin Ghemiş, Archäologe am Kreismuseum Criș-Gebiet (Muzeul Țării Crișurilor), der direkt an der Erforschung, Untersuchung und Dokumentation dieser prähistorischen Stätte beteiligt war, erzählte Radio Rumänien International:
„Die prähistorischen Funde in der Coliboaia-Höhle wurden im September 2009 entdeckt. Es gibt dort neun Zeichnungen. Aus kunsthistorischer Sicht handelt es sich bei sieben davon um Skizzen, also eher schematische Darstellungen oder Vorstufen. Zwei davon fallen jedoch in die Kategorie der eigentlichen Zeichnung: ein Pferd und ein Bison. Aus archäologischer Perspektive sind sie extrem wichtig für die Urgeschichte Siebenbürgens und damit ganz Rumäniens. Ihre Bedeutung liegt in erster Linie in ihrem Alter. Die älteste Datierung reicht bis etwa 36.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Aus dem Blickwinkel der Kunstgeschichte betrachtet, gehören sie zu den ältesten Darstellungen der Welt und zählen zu den Top Fünf dieser Art von Entdeckungen. Sie verraten uns sehr viel über Gemeinschaften, deren Haupterwerbsquelle die Jagd war. Sie erzählen von den Tieren, die diese Menschen gejagt haben, denn wir sehen Pferde, Bisons, Höhlenbären und sehr wahrscheinlich auch ein Wollmammut. Es gibt zudem eine Raubkatze oder ein galoppierendes Pferd – ein sehr ausdrucksstarkes Bild. Die Zeichnungen geben Aufschluss über die Glaubensvorstellungen dieser Jägergemeinschaften und zeigen, dass dieser Bereich der Höhle wohl für magisch-religiöse Praktiken oder ähnliche Rituale genutzt wurde.“
Auch wenn die Aufnahme in die UNESCO-Liste der Region Bekanntheit und neue Finanzierungsmöglichkeiten bringen könnte, schließen Experten eine Öffnung der Höhle für die breite Öffentlichkeit strikt aus. Messungen des Mikroklimas haben gezeigt, dass schon die bloße Anwesenheit weniger Menschen die Temperatur in der Galerie verändert und die Malereien beschädigen könnte. Dr. Călin Ghemiş:
„Was die touristische Nutzung angeht, hängt dies von den lokalen Behörden ab – also vom Kreisrat Bihor und dem Gemeinderat von Câmpani. Wie wir bei anderen Beispielen in Europa gesehen haben, können viele solcher Höhlen selbst gar nicht besichtigt werden. Ein außergewöhnliches Beispiel ist die Chauvet-Höhle in Frankreich. Sie wurde 1994 entdeckt, und man hat fast 20 Jahre lang daran gearbeitet, einen originalgetreuen Nachbau im Maßstab 1:1 zu erschaffen. Ein absoluter Ausnahmefall! Es gibt aber auch Fälle, in denen in unmittelbarer Nähe kleine, elegante Museen eingerichtet wurden. Das wäre ein guter Ansatzpunkt. Andererseits wird unsere Höhle schon allein wegen des Mikroklimas im Inneren nicht zugänglich sein. Denn Sie und Ihre Zuhörer sollten wissen, dass jede Höhle, ob groß oder klein, ihr ganz eigenes Mikroklima hat. Jede noch so kleine Veränderung, etwa der Temperatur, löst eine Kettenreaktion aus, die sich negativ auf die Zeichnungen auswirken kann.“
Die Galerie der Zeichnungen gilt als der wertvollste Teil der Höhle. Sie ist etwa 50 Meter lang und befindet sich rund 770 Meter vom Eingang entfernt. Forscher gehen davon aus, dass in der Vergangenheit ein großer Teil der Höhle verziert war, doch Überschwemmungen und geologische Veränderungen haben viele der Darstellungen weggewaschen. Da die noch vorhandenen Bilder über Zehntausende von Jahren hermetisch versiegelt waren, birgt heute jede Veränderung die Gefahr ihrer Zerstörung. Die negativen Erfahrungen aus den Höhlen von Lascaux in Frankreich und Altamira in Spanien, wo unkontrollierter Tourismus die Felsmalereien massiv beschädigte, sind für die rumänischen Fachleute eine deutliche Warnung. Archäologe Călin Ghemiş fügt hinzu:
„Zu bevorzugen wäre die Einrichtung eines solchen Museums, das auch für die örtliche Gemeinschaft von großer Bedeutung wäre. Ein Teil dieser Zeichnungen kann bereits in unserer Dauerausstellung im Kreismuseum in Oradea besichtigt werden – und zwar genau deshalb, um diese kleinen, aber spektakulären Kunstwerke nicht durch äußere Einflüsse zu gefährden.“
Wie auch andere Höhlen dieser Art bleibt die Coliboaia-Höhle zum Schutz des Kulturerbes für die Öffentlichkeit geschlossen. Stattdessen schlagen die Forscher vor, in der Nähe des Sighiștel-Tals ein Besucherzentrum oder Museum zu errichten, in dem die Zeichnungen und die einzigartige Atmosphäre im Inneren der Höhle nachgebildet werden. Ein solches Projekt könnte die Region in einen wichtigen kulturellen und touristischen Anziehungspunkt verwandeln – ganz nach dem Vorbild jener französischen Gemeinden, die rund um paläolithische Stätten regelrecht aufgeblüht sind.