Gartengeschichten
Ich lebe in der Hauptstadt, in einem Bezirk, in dem Stadtplanung derzeit vor allem eines bedeutet: unzählige Baustellen. Doch es gibt Anwohner – meist aus der direkten Nachbarschaft der Universität für Agrarwissenschaften und Tiermedizin in Bukarest – die seit einigen Wochen einem neuen Stadterneuerungsprojekt Leben einhauchen: HortiURB.
Ana-Maria Cononovici und Adina Olaru, 17.09.2026, 18:24
Ich lebe in der Hauptstadt, in einem Bezirk, in dem Stadtplanung derzeit vor allem eines bedeutet: unzählige Baustellen. Doch es gibt Anwohner – meist aus der direkten Nachbarschaft der Universität für Agrarwissenschaften und Tiermedizin in Bukarest – die seit einigen Wochen einem neuen Stadterneuerungsprojekt Leben einhauchen: HortiURB.
Ein Projekt, über das wir mit Ioana Petrache gesprochen haben, der Initiatorin des Gemeinschaftsgartens HortiURB:
„Ich bin eine erfahrene Landschaftsarchitektin. Als ich nach vielen Jahren in diesem Beruf für den Masterstudiengang ‚Urban Horticulture‘ an die Fakultät für Gartenbau zurückkehrte, wurde mir klar, dass der richtigste Weg die sogenannte produktive Landschaftsarchitektur ist. Das bedeutet, dass wir in den Städten brachliegende Flächen zurückgewinnen können, auf denen Gemeinschaften rund um einen Garten aktiv werden. Und genau das ist der Traum, den ich geträumt habe und den ich hier am Institut für Gartenbau gemeinsam mit der Gemeinschaft verwirkliche.“
Die Bukarester Gemeinschaftsstiftung (Fundația Comunitară București) unterstützt das Projekt finanziell, und natürlich gibt es auch Sponsoren. Aber am stärksten engagieren sich die Menschen aus dem Viertel, wie Ioana Petrache erzählt:
„In diesem ersten Jahr beteiligt sich die Gemeinschaft sehr aktiv am Aufbau der gesamten Garteninfrastruktur. Das heißt konkret: Wir legen Wege an, bauen Pergolen und sehr massive Hochbeete aus gebranntem und mit Leinöl behandeltem Holz – also die gesamte Grundstruktur des Gartens. Nach diesem ersten Jahr, in dem wir auch pflanzen, werden wir die Früchte unserer Arbeit ernten können, und die Gemeinschaft wird wachsen. Soweit möglich, werden wir neue Mitglieder und ehrenamtliche Gärtner aufnehmen. Der Garten ist gleichzeitig ein Best-Practice-Beispiel dafür, wie ein Gemeinschaftsgarten funktionieren kann, und wird deshalb auch von den Bezirksämtern in Bukarest und landesweit aufmerksam verfolgt.“
Welche Pflanzen werden hier wachsen? Ioana Petrache dazu:
„Die Auswahl, die wir für diesen Garten getroffen haben, basiert auf der Idee des produktiven urbanen Gartens – daher auch der Name HortiURB, urbane Hortikultur. Wir haben Obstbäume, aber nicht irgendwelche, sondern akklimatisierte und neu eingeführte Arten, die man übrigens auch an der Fakultät für Gartenbau entdecken kann. Die Pawpaw, also die Indianerbanane zum Beispiel, oder Diospyros virginiana, die amerikanische Persimone. Sie sind vielleicht weniger bekannt, aber selbst für Hobbygärtner und mitten in der Stadt sehr leicht zu ziehen. Wir haben auch viele Beerensträucher, darunter die weniger bekannte Felsenbirne, ein tolles Gehölz mit hohem landschaftsgärtnerischem Wert und köstlichen Früchten.
Alles, was wir anbauen, dient auch der Artenvielfalt. Uns ist ein aktives Bodenleben, viele Insekten und Vögel wichtig. Warum? Weil sich ein solches Ökosystem selbst erhält; wir Menschen sind normalerweise die Störenfriede. Und wir versuchen, selbst in der Stadt wieder Frieden mit der Natur zu schließen.
Wir haben einen Bereich für mehrjähriges Gemüse. Davon gibt es in unserem gemäßigten Kontinentalklima zwar weniger als in wärmeren Ländern, aber es gibt sie, wie zum Beispiel Spargel. Und in den Hochbeeten setzen wir auf Fruchtfolge. Es sind sechs Hochbeete, vier mal eins Meter groß und 50 Zentimeter hoch. Die Kulturen rotieren jährlich in Dreiergruppen. Dadurch kommen wir ganz ohne Chemikalien oder künstliche Dünger aus, denn wir produzieren unseren eigenen Kompost und Wurmkompost. Ein Apfel, den man direkt hier aus dem Garten pflückt, ist also nicht nur extrem gesund, sondern hat für uns auch einen emotionalen Wert. Diese Gemeinschaft bedeutet nämlich viel mehr als nur Nahrungsmittelproduktion: Sie bedeutet Austausch und das Teilen gemeinsamer Werte. Wir sind dort eine große, grüne Familie.“
Viele der ehrenamtlichen Gärtner scheinen richtig Ahnung zu haben – was mich bei echten Stadtmenschen schon erstaunt hat. Ioana Petrache erklärt das so:
„Das liegt einfach in unserer Natur. Ich weiß nicht, ob es in unserer Natur als Europäer liegt, aber als Rumänen auf jeden Fall. Es ist eine Art Instinkt. Selbst wenn wir in unserer Kindheit nie gegärtnert haben, fällt es uns Rumänen extrem leicht, diese Gewohnheiten und diese Nähe zum Garten wieder in unser Leben zu integrieren. Und dafür bewundere ich die Rumänen wirklich.“
Wer sind diese Gärtner und wie alt sind sie? Mehr dazu, Ioana Petrache:
„Das Durchschnittsalter liegt bei über 40. Der Großteil der Gemeinschaft besteht aus Nachbarn des Agronomie-Campus – was aber auch daran liegt, dass die Studenten gerade Semesterferien haben. Ab Oktober werden auch wieder Studierende der verschiedenen Fakultäten mitmachen. Aber die eigentliche Schwerstarbeit wird von den Leuten über 40, über 50 und sogar über 60 geleistet. Viele aus der Gemeinschaft bringen auch ihre Kinder mit. Für sie werden wir regelmäßig Aktivitäten organisieren, bei denen sie das Gärtnern lernen, in der Natur sind und diese angeborenen Fähigkeiten wiederentdecken können.“
HortiURB erwartet uns. Der Garten hat bereits Form und Struktur angenommen, es gibt einen Übersichtsplan, der die Aufteilung erklärt. Und wenn man schon einmal hier ist, kann man direkt einen Spaziergang über den gesamten Campus anschließen – denn die Fakultät für Gartenbau pflegt auch einen Botanischen Garten, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.