Robotik statt Mittelalter: Der digitale Aufbruch im rumänischen Bildungswesen
Heute blicken wir auf die Welt der Bildungsroboter! Bei uns zu Gast ist Ana-Maria Stancu. Sie ist das Gesicht hinter „Bucharest Robots“, dem ersten Start-up Rumäniens für humanoide Service-Roboter. Doch sie ist weit mehr als eine Unternehmerin: Als Gründerin des „RoboHub“ bringt sie Programmierung und Robotik direkt zu den Menschen – vor allem dorthin, wo der Zugang schwierig ist, zu Kindern aus sozial benachteiligten Gruppen.
Ana-Maria Cononovici und Adina Olaru, 08.01.2026, 18:11
Mit über 20 Jahren Erfahrung im NGO-Sektor und als Vorstandsmitglied von „euRobotics“, dem europäischen Netzwerk für zivile Robotik, kämpft sie an vorderster Front für die digitale Bildung. Gemeinsam mit Radio România geht sie heute den Fragen nach, die uns alle bewegen: Sind Roboter die Lösung für den Arbeitsmarkt? Wo liegen die Gefahren? Und wo steht dieser Sektor eigentlich heute?
Alles begann mit einem Aha-Erlebnis im Ausland. Ana-Maria Stancu erinnert sich:
„Ich glaube, es war 2018 beim European Robotics Forum in Amsterdam. Als ich sah, was dort alles präsentiert wurde, hatte ich das Gefühl, wir in Rumänien leben noch im Mittelalter. Das war alles so unendlich weit weg von unserer Realität. Dann kam die ‚European Robotics Week‘ von euRobotics auf. Die Idee hat mir so gefallen, dass ich einen Freund bekniet habe, mir für seine Firma zwei Roboter zu kaufen. Elisabeta Moraru von Google habe ich um zwei VR-Brillen aus Pappe angefleht – die sind ja sehr günstig – und ich hatte noch eine 360-Grad-Kamera. Das alles habe ich in einen Koffer gepackt und bin einfach losgezogen, in die Schulen, um es den Kindern zu zeigen. Mein Gedanke war: Wenn schon die Kinder in Bukarest so etwas nie sehen, welche Chancen haben dann erst Kinder in kleinen Städten oder Dörfern? Wenn ich heute, Jahre später, darüber spreche, hat sich viel getan. Wir haben lokale Initiativen in fast jedem Landkreis, und fast überall gibt es Teams, die bei der FTC, der First Tech Challenge, mitmachen.“
Die große Herausforderung bleibt das Schulsystem. Es herrscht eine enorme Trägheit; die Lehrpläne an den Gymnasien wurden seit elf Jahren nicht angepasst. Während sich die Technologie rasend schnell entwickelt, stehen die Lehrer oft allein da. Bei Ana-Maria Stancu im Büro sind die Roboter hingegen längst vollwertige Teammitglieder, die beim Training helfen – für Schüler und Lehrer gleichermaßen.
„Ich habe etwa fünf humanoide Roboter im Büro, dazu einen Desinfektions-Roboter und ganz viele kleine Bildungsroboter. Ich muss gestehen: Wenn gerade nicht die Projektwochen ‚Grüne Woche‘ oder ‚Schule mal anders‘ laufen und wir keinen Besuch von Schulklassen haben, schalte ich sie manchmal einfach ein, nur damit ich sie nicht vergesse. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit: Da ist Escu, der Große, dann Amelia, und wir haben noch Monica – die hat Serviertabletts.“
Doch bei aller Begeisterung für die Technik gibt Ana-Maria Stancu Entwarnung: Unsere Berufe sind weiterhin sicher. Sie zitiert dabei eine prominente Stimme aus der Branche:
„Sogar der Chef von NVIDIA – also der Firma, die die Chips herstellt, ohne die Künstliche Intelligenz gar nicht laufen würde – sagt: Wir sollten zuerst Physik und Mathematik lernen, weil das die greifbaren Dinge der realen Welt sind. Das Handwerk wird die Zukunft sein. Denn egal wie weit Roboter heute sind – und man sieht ja im Internet ständig Videos, in denen Roboter scheinbar alles können – man muss das mit Vorsicht genießen. Was wir dort sehen, sind Aufnahmen in kontrollierten Umgebungen. Das bedeutet: Dieser Roboter wurde genau für diesen einen Raum trainiert. Er hat diese eine Bewegung tausendmal gemacht, bis es so perfekt aussah, dass man es posten konnte.“
Und was ist mit der Sorge, dass die KI beginnt, für uns zu denken oder uns gar zu ersetzen? Ana-Maria Stancu erklärt das Prinzip hinter Systemen wie ChatGPT ganz nüchtern:
„Wir nehmen ChatGPT mal als Beispiel, weil es jeder nutzt, aber alle generativen KIs funktionieren gleich. Sie heißen ‚generativ‘, weil sie etwas erzeugen. Die Entwickler haben eine riesige Datenbank mit Millionen von Dokumenten gefüttert. Der Algorithmus geht da durch und erstellt im Grunde eine Statistik. Er sagt uns eigentlich nur: Wenn das Wort ‚Radio‘ auftaucht, ist das statistisch wahrscheinlichste Wort daneben ‚Gast‘. Und neben ‚Gast‘ steht am häufigsten das Wort ‚Frau‘. Wenn wir also schreiben: ‚Erzähl mir was über eine Radiosendung‘, sagt die KI: ‚Im Radio ist eine Frau zu Gast‘. Warum? Weil sie Wahrscheinlichkeiten berechnet.“
In Rumänien bewegt sich etwas. Die „Coalition for Digital Education“ mischt sich aktiv in die Politik ein. Es gibt bereits Schulungen für Behördenmitarbeiter zur Bürgerkommunikation und Leitfäden, die den digitalen Wandel im Land vorantreiben. Langsam, aber sicher, ändert sich der Rhythmus der digitalen Transformation in Rumänien.