Über den Weltraum mal anders
Eine Sternenwolke trägt den Namen Bârlad. Es ist ein Phänomen, das dort – am Astronomischen Observatorium der Stadt – zum allerersten Mal von einem menschlichen Auge erblickt wurde. Was wie Poesie klingt, ist zugleich strenge Wissenschaft. Genau an dieser Schnittstelle setzt die „Rezidența9“ in Bukarest an. Sie lädt Neugierige zu einer Reihe von Events und zur Gruppenausstellung „Ce ascundem“ („Was wir verbergen“) ein. Der Funke dafür sprang von der siebten Ausgabe des Magazins Scena9 über.
Ana-Maria Cononovici und Adina Olaru, 05.02.2026, 17:56
Das Projekt bietet einen Raum an, indem sich Journalismus in eine Rauminstallation verwandelt. Geschichten brechen aus dem gedruckten Format aus, um vor Ort zu einer echten, kollektiven Erfahrung zu werden.
Andra Matzal, die koordinierende Redakteurin des Magazins Scena9, hat uns mehr über diesen spannenden Ansatz erzählt:
„Die Ausstellung ‚Was wir verbergen‘, die bis zum 15. März dieses Jahres bei Scena9 in Bukarest organisiert wird, ist rund um die neueste Print-Ausgabe des Magazins Scena9 aufgebaut. Dieses Magazin erscheint einmal im Jahr und hat ein zentrales Thema. Diesmal ist das Thema eben ‚Was wir verbergen‘, denn mir ist klar geworden, dass wir uns sehr gut darauf verstehen, Dinge zu verbergen – als Individuen und als Spezies. Und so erkunden wir dieses Thema aus allerlei Perspektiven: von der persönlichen, sozialen und familiären Ebene, und dann haben wir dieses Spektrum bis hin zur Wissenschaft erweitert. Und wir sind bis zu der Tatsache gelangt, dass auch die Umwelt, in der wir leben, der Raum, in dem wir leben, sehr viel zu verbergen hat, wenn wir nicht wissen, wie wir ihn betrachten sollen.“
Andra Matzal, die koordinierende Redakteurin des Magazins Scena9, erzählte uns, dass eine der gewählten Perspektiven im Bezug auf unsere Umgebung eben jene wissenschaftliche, ja sogar kosmische war:
„Wir sind von den Beobachtungen und Entdeckungen ausgegangen, die überraschenderweise am Astronomischen Observatorium von Bârlad gemacht wurden. Dort hat ein Astronom namens Ciprian Vîntdevară einige der größten astronomischen Entdeckungen in Rumänien gemacht: einen riesigen Stern, größer als die Sonne und viel heller, dessen Licht von vor 21 Millionen Jahren zu uns kommt; er hat viele veränderliche Sterne entdeckt, die er nach der Stadt Bârlad benannt hat. Rund um diese Tätigkeit hat mein Kollege Ionuț Sociu eine Reportage im Magazin geschrieben, und ausgehend von diesem Thema im Heft haben wir zusammen mit der Augmented Space Agency zwei interaktive Installationen im Rahmen der Ausstellung ‚Was wir verbergen‘ gebaut.“
Das „Astrobinokular“ in der Ausstellung ist ein tragbares virtuelles Planetarium, das über ein VR-Fernglas zugänglich ist. Es ermöglicht die Erkundung kosmischer Strukturen, der Sternbilder und der Entdeckungen des Astronomischen Observatoriums von Bârlad auf immersive und interaktive Weise.
Dieselbe Übersetzung von Wissenschaft in ein Erlebnis findet sich auch in „SOL“ wieder, einer audiovisuellen Installation, die aus wissenschaftlichen Sonnendaten eines globalen Netzwerks von Observatorien erstellt wurde. Unter dem Licht einer virtuellen Sonne waren in der Ausstellung auch Ciprian Vîntdevară anwesend – Astronom und Museograf am Museum „Vasile Pârvan“ in Bârlad – sowie Florentina Pîslan. Sie arbeitet seit 2021 am Institut für Weltraumwissenschaften im Labor für Astrophysik, Kosmologie und Theoretische Physik, wo sie Gravitationswellen untersucht, die von binären Schwarze-Loch-Systemen erzeugt werden, im Kontext der Weltraummission LISA (Laser Interferometer Space Antenna). Sie ist Doktorandin an der Fakultät für Physik der Universität Bukarest und aktiv in Projekten zur Popularisierung und Kommunikation von Wissenschaft involviert, unter anderem als Trainerin bei den „Games of Science“ 2024.
Andra Matzal fügte hinzu:
„Am Astronomischen Observatorium in Bârlad, genauer gesagt am Museum ‚Vasile Pârvan‘, gibt es eine ganze Gemeinschaft passionierter Astronomen, die sich rund um die Arbeit von Ciprian Vîntdevară gebildet hat. Wie wir wissen, sind bei uns sowohl die Kultur als auch die Forschung unterfinanziert, und dennoch haben die Motivation und das Engagement einiger Menschen dies möglich gemacht. Und ab diesem Punkt ist es nicht mehr nur eine Forschungstätigkeit; was mir absolut wichtig erscheint, ist, dass gerade diese Forschung in der Stadt lebendig wird. Es gibt sehr viele junge Leute und Menschen jeden Alters, die sich um das Observatorium versammeln, sie haben eine Fachzeitschrift, sie fahren in Beobachtungscamps. Und da erschien es mir als ein Thema, das uns ein wenig Hoffnung geben könnte in einer immer dunkleren und ein bisschen zu pessimistischen Welt. Gerade deshalb haben wir uns entschieden, unsere Aufmerksamkeit ein wenig auf die Art und Weise zu richten, wie astronomische und Weltraumforschung in Rumänien betrieben wird, und darauf, wie es selbst unter alles andere als günstigen Vorzeichen Menschen gibt, die eine sehr relevante Arbeit leisten.“
Andra Matzal, die koordinierende Redakteurin des Magazins Scena9, verriet uns, was wir noch in der Ausstellung entdecken können:
„Im Rahmen der Ausstellung ‚Was wir verbergen‘ haben wir mehrere Arten von Veranstaltungen, die wir mit den Kollegen der Rezidența9 bis zum März organisieren, ausgehend von jedem Raum der Ausstellung. Jeder Raum deckt eine bestimmte Art von Raum mit seinen Verstecken ab. Wir werden über Migration sprechen, wir werden über persönliche Geschichten sprechen, darüber, was passiert, wenn sich der persönliche Raum mit dem politischen Raum überschneidet, darüber, was Frauenrechte bedeuten und was Gewalt gegen Frauen bedeutet, darüber, wie gut wir gesellschaftlich darin sind, solche Dinge zu verbergen, darüber, was es bedeutet, unsere Krankheiten vor unseren Nächsten zu verbergen. Gleichzeitig werden wir auch Workshops mit Künstlern haben, die uns allen helfen sollen – egal ob wir Künstler sind oder nicht, ob wir jung oder alt oder Kinder sind –, uns sowohl der Kunst als auch den ziemlich komplizierten Themen, die wir im Magazin Scena9 behandeln, die aber das Leben aller betreffen, stärker anzunähern.“
In der Rezidența9 wird bis zum 15. März jede Woche der Fokus wechseln; es wird Einladungen zu Veranstaltungen geben, bei denen man einige der relevanten Künstler und Denker unserer Zeit kennenlernen kann.