„Schoko-Spiele“ beim Weltfinale der World Chocolate Masters
Vom Lieferwagen direkt in die Weltspitze der Chocolatiers – das ist die beeindruckende Reise von Marinel Bejan. Alles begann im Jahr 2002 im Familienbetrieb in Craiova. Seine Mutter war Konditorin, und Marinel hat dort alles gemacht: die Buchhaltung, die Lieferungen, sogar das Putzen. Aber sein Blick wanderte immer wieder zurück in die Backstube, ins Labor. Heute, 25 Jahre später, kreiert er seine eigene Schokolade und mischt dabei Aromen aus der ganzen Welt.
Ana-Maria Cononovici und Adina Olaru, 22.01.2026, 18:16
Marinel Bejan kreierte mit der Zeit er seine eigene Schokoladenmarke und spielte dabei mit den Aromen der Kakaobohnen. Mexiko, Ecuador und Neuguinea sind die Sorten, die er für seine eigene Schokolade gewählt hat. Aus Mexiko die saure und florale Note, Karamell aus Ecuador und aus Neuguinea die holzige, rauchige Note, wie er uns hier beschreibt:
„Als Kopfnoten entdecken wir zuerst eine leichte Säure und einige delikate, florale Geschmäcker, dann spüren wir leicht einige Noten von Haselnüssen, von Karamell, und am Ende spüren wir – wie ich es genannt habe – ein Aroma von Tabak oder Rauch. Wenn wir zur Textur kommen: Die gesamte Schokolade, die wir verwenden, ist die feinste Schokolade der Welt!“
Wir haben erfahren, dass die Feinheit der Schokolade mit speziellen Geräten gemessen wird, die die innere Körnung, das Kakaopulver, den Zucker und die Kakaobutter bewerten. Seit zwei Jahrzehnten vereint das Weltfinale der World Chocolate Masters die talentiertesten Köche und Kunst-Chocolatiers der Welt. Es findet alle vier Jahre statt. Da Rumänien keine eigene Schule für Chocolatiers hat und dieser Beruf nicht einmal im offiziellen Berufsverzeichnis steht, tritt Marinel Bejan für Osteuropa an. Bei der Vorauswahl im März 2024 nahmen von sieben Angemeldeten vier teil. Über den Wettbewerb in Belgrad erzählte er uns:
„Vier haben den Wettbewerb bestritten, und er fand in Belgrad statt. Das war bei der Vorauswahl. Nach dem Ende aller Prüfungen ist nur eine einzige Person weitergegangen, ins Finale der World Chocolate Masters. Es gibt Zonen in der Welt, wo mehrere Länder gruppiert werden, wie Osteuropa, oder die Niederlande zusammen mit Luxemburg und Belgien; Italien geht allein, Frankreich geht allein – die Länder mit Tradition gehen allein in die Vorauswahl, danach geht nur eine einzige Person ins Finale. Wir werden im Oktober in Belgien nur 15 Personen sein.“
Marinel setzte sich gegen Konkurrenten aus Bulgarien, Griechenland und Serbien durch. Doch mit ein bisschen Übung im stillen Kämmerlein ist es hier nicht getan. Ein solcher Wettbewerb erfordert jahrelange Erfahrung und ein ganzes Expertenteam im Hintergrund:
O-TON 3 (Marinel Bejan):
„Man kann sich auf so etwas nicht in nur einem Jahr vorbereiten; das Training dauert Jahre. Die intensive Vorbereitung für den Wettbewerb selbst nimmt dann mehrere Monate in Anspruch. Da legen wir Rezepte, Konzepte und Designs fest. Der Wettbewerb ist sehr komplex – es geht nicht nur um eine Sache, sondern um Kreativität, Innovation und die künstlerische Seite gleichermaßen. Ich brauche ein Team, das mich berät: Leute, die Erfahrung mit Prestigewettbewerben haben, aber auch Architekten oder Designer. Das neue Reglement legt großen Wert auf Innovation und den Kontrast zwischen Modern und Klassisch – als Vorbild dient die Stadt Antwerpen, unser Austragungsort, die für ihre Kunst und ihre Kontraste bekannt ist.“
Und da jede Edition ein Wettbewerbsthema hat, erzählte uns Marinel Bejan, wie er das diesjährige Thema angeht:
„Das Thema ist ‚Play and Taste‘. Jedes Mal, wenn die Themen festgelegt wurden, haben sie uns die Möglichkeit gegeben, mit der Fantasie und mit allem, was Originalität bedeutet, zu spielen. Dass wir bei einer ganz banalen Sache anfangen und von hier aus innovativ sind, neue Dinge, neue Geschmäcker und neue Techniken kreieren. Eine der wesentlichen Bedingungen ist, lokale Zutaten zu verwenden, den nationalen und lokalen Einfluss in den Wettbewerb einzubringen, und ich glaube, jeder Teilnehmer wird das tun. Ich habe mich noch nicht entschieden, ich bin in dem Stadium, in dem ich noch nicht über die Zutaten nachdenke, aber ich denke über ein Konzept nach. Zum Glück haben wir eine Menge origineller Dinge, oder spezifisch oltenische oder rumänische! Das Angebot an nationalen Dingen, die ich in meine Desserts übertragen könnte, ist so groß, dass ich nicht glaube, dass es sehr schwer sein wird, etwas zu wählen. Bei der Vorauswahl zum Beispiel habe ich Zitronenmelisse verwendet, ich habe sie gepflanzt und mich um sie gekümmert, ich habe lokale Zutaten verwendet: frische Erdbeeren, weil sie Saison hatten, einige Gewürze, Minze. Denn bei der Vorauswahl gab es ein anderes Reglement und ein anderes Thema. Dort mussten wir ein bisschen mit dem künstlerischen Teil spielen. Jetzt, wo es sich geändert hat, muss ich mich auch von der lokalen oder rumänischen Architektur inspirieren lassen.“
Neben dem Geschmack gibt es auch wieder die berühmte Kür: die Schokoladen-Skulpturen. Beim letzten Finale wurden dafür tonnenweise Schokolade verarbeitet. Wir drücken Marinel Bejan die Daumen und sind gespannt auf seine Kreationen, wenn es im Oktober in Belgien um den Titel des Weltmeisters geht.