Traditionen mit Geschmack
Handgemachte Nudeln, genau wie früher bei Oma – heute eine echte Seltenheit. Doch in der Region Maramuresch im Norden Rumäniens lässt eine kleine Manufaktur diesen unverfälschten Geschmack jetzt wieder aufleben. Ganz ohne künstliche Zusätze, dafür mit viel Liebe und regionalem Gemüse. Wir nehmen Sie mit auf eine genussvolle Reise und zeigen Ihnen, wie echte Tradition auf dem Teller schmeckt!
Ana-Maria Cononovici und Adina Olaru, 21.03.2026, 08:22
Răsucite, Macaroane, Lăști oder Lășcuțe – das sind historische, regionale Begriffe aus dem Wortschatz der nordrumänischen Region Maramuresch. Sie alle stehen für verschiedene Nudelsorten. Traditionell nennt man sie hier „Răstăuțe“. Sie werden in einer kleinen Handwerksmanufaktur im Norden des Landes komplett ohne Zusatz- oder Konservierungsstoffe hergestellt. Die Zutaten? Lediglich Hartweizengrieß, natürliches Gemüse und frische Eier.
Wir haben Anca Vălean, die Schöpferin dieser Maramuresch-„Răstăuțe“, eingeladen. Sie verrät uns, was das Wort genau bedeutet und wie sie überhaupt auf die Idee kam, handgemachte Nudeln zu produzieren:
„Das ist ein sehr alter regionaler Begriff, der nur in bestimmten Teilen der Maramuresch verwendet wird. Er stirbt leider langsam aus und wird immer seltener benutzt. Aber ich bin damit bei meinen Großeltern auf dem Land aufgewachsen – dort wurde quasi der Samen für die Răstăuțe gepflanzt. Das eigentliche Bedürfnis, sie selbst herzustellen, entstand, als ich anfing, die Ernährung meiner kleinen Tochter umzustellen. Ich fand in den Geschäften einfach keine unverfälschten, sauberen Lebensmittel. Weil ich früher mit meiner Oma auf dem Land immer Nudeln gemacht habe, bestand Pasta in meinem Kopf immer aus Mehl und Ei. Und dann stellte ich fest, dass die Nudeln in den Supermarktregalen eigentlich nur aus Mehl und Wasser bestehen. Da ich meiner Tochter ohnehin mehr Gemüse in den Speiseplan integrieren wollte, beschloss ich eines Tages, Gemüse aus dem Garten meiner Mutter – den sie von meiner Oma geerbt hat – in den Teig zu mischen. So fingen wir an, bunten Teig zu machen. Es hat uns riesigen Spaß gemacht, und so haben wir die Idee einfach weiterverfolgt.“
So entstand vor fast fünf Jahren diese lokale Manufaktur. Verwendet wird natürlich angebautes Gemüse ohne Chemikalien und Eier von freilaufenden Hühnern, die natürliches Futter bekommen. Daraus entstehen Nudeln in traditionellen, aber auch in modernen, vom Handel inspirierten Formen. Was die Zutaten betrifft, haben wir erfahren: Alles, was nicht aus eigenem Anbau stammt, wird von den Nachbarn gekauft, um die lokalen Traditionen und die Gemeinschaft vor Ort zu unterstützen. Anca Vălean erinnert sich an die Anfänge:
„Da es anfangs nur für die Familie gedacht war, haben wir einfach mal Fotos an zwei, drei befreundete Familien mit kleinen Kindern geschickt, um zu hören, was sie davon halten. Sie waren total begeistert, und so kamen die ersten Anfragen. Als wir sahen, dass die Nachfrage da ist, beschlossen wir, eine offiziell zugelassene Manufaktur zu gründen, um das Ganze professionell aufzuziehen. Wir verwenden Gemüse wie Spinat, Rote Bete, Spitzpaprika, Steinpilze, Basilikum und Tomaten – früher haben wir sogar mal mit Trüffeln gearbeitet. Wir hatten auch schon exotische Pasta mit Sepiatinte im Angebot. Sie werden ganz normal gekocht, die Kochzeit variiert natürlich je nach Form. Und man kann sie mit jeder beliebigen Soße kombinieren, da der Gemüsegeschmack nicht zu dominant ist.“
Ein wesentliches Qualitätsmerkmal ist der langsame Trocknungsprozess bei Zimmertemperatur – also zwischen 14 und 25 Grad Celsius. Ihre feste Konsistenz und der natürliche Geschmack machen diese Nudeln perfekt für Salate, Suppen oder Hauptgerichte. Ob in Rot, Dunkelgrün, Hellgrün, Gelb, Orange oder Beige – diese Pasta ist ein Fest der Farben und mit Sicherheit auch des Geschmacks. Unsere Nudelmacherin Anca Vălean ist stolz darauf, dass in jeder Packung nicht nur das Rezept und die Handwerkskunst ihrer Großmutter stecken, sondern auch ein Stück der Seele der Maramuresch: Farbe, Aroma und Lokalstolz in einer einzigen Tüte.
„Von der Kapazität her können wir etwa zwei Tonnen pro Monat produzieren. Die größte Nachfrage kommt über unseren Online-Shop und von unseren Direktkunden. Wir arbeiten aber auch mit Feinkostläden zusammen. Die haben oft durch unsere eigenen Kunden von uns erfahren, die dort nach genau diesen Nudeln gefragt haben. Es ist jetzt fast fünf Jahre her, dass wir angefangen haben. Ich kann wirklich sagen: Wir haben Erfolg! Wenn es möglich wäre, würden wir am liebsten mit vier Händen gleichzeitig arbeiten. Da wir ein handwerklicher Betrieb sind, haben wir natürlich begrenzte Kapazitäten, um die Bestellungen abzuarbeiten. Es gibt viele Aufträge, wir haben auch eine Warteliste – aber wir beschweren uns nicht! Was ich mir wirklich wünsche, ist, dass wir das alles weiterführen. Dass wir unsere regionalen Besonderheiten, die alten Wörter und die alten Bräuche nicht vergessen!“
Natürlich gibt es für die Fastenzeit oder für Allergiker auch eifreie Nudeln im Angebot. In der Manufaktur bleibt also so gut wie kein Wunsch unerfüllt.
Und wenn wir schon von Nudelrezepten aus der Maramuresch sprechen: Ein absoluter Klassiker sind Pasta mit knusprigem Speck und salzigem Käse – eine einfache, aber unglaublich herzhafte Kombination. Dafür schneidet man rohen, geräucherten Speck in kleine Würfel; die Schwarte bleibt dran, damit es später schön knusprig wird. Während die Nudeln kochen, brät man den Speck in der Pfanne aus. Sobald die Nudeln gar sind, gießt man sie ab und mischt sie mit dem Speck, dem ausgelassenen Fett und kräftigem Schafskäse – etwa traditionellem Burduf-Käse. Das Ganze wird bei schwacher Hitze vermengt, bis der Käse herrlich geschmolzen ist. Wer den Geschmack noch abrunden möchte, gibt am Ende einen Klecks Schmand obendrauf. Auch wenn dieses deftige Rezept vielleicht nicht unbedingt etwas für die ganz Kleinen ist – es ist unglaublich lecker und bringt den echten Geschmack der Maramuresch direkt auf den Teller!