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Eine Rumänin auf den Spuren Nansens

Das Eis am Nordpol schmilzt – aber wie schnell und mit welchen Folgen? Um das herauszufinden, driftete ein internationales Forschungsteam monatelang eingefroren durch die Arktis. Die rumänische Forscherin Adela Dumitrașcu war hautnah dabei und hat alarmierende Daten mitgebracht.

Eine Rumänin auf den Spuren Nansens
Eine Rumänin auf den Spuren Nansens

und , 26.03.2026, 18:00

Eine multinationale Polarexpedition hat mit dem Forschungseisbrecher „Polarstern“ die Arktis erreicht. Das Schiff ist ein wahres Labyrinth, vollgepackt mit Mannschaftskabinen und bestens ausgestatteten Forschungslaboren. Während der Expedition leben Meteorologen, Biologen, Physiker und Ozeanographen eng zusammen – in Kabinen mit Stockbetten, meist zu dritt. Die sogenannte MOSAiC-Expedition hat sich zum Ziel gesetzt, den Klimawandel zu erforschen – ein Thema, das immer drängender wird. Das bestätigt auch Adela Dumitrașcu. Die aus Brașov stammende und in Schweden lebende Rumänin war Teil des internationalen Forschungsteams.

„Wir sehen diese Veränderungen mit unseren eigenen Augen, und sie werden durch die Daten, die wir auf der Expedition gesammelt haben, klar belegt. Die Frage ist nun aber: Sind wir als Gesellschaft, als Menschheit, auf diese Veränderungen vorbereitet? Denn sie werden die Küstenregionen auf der ganzen Welt mehr oder weniger stark treffen. Und unsere Gesellschaft, unsere großen Städte, befinden sich nun mal genau dort – an den Küsten.“

Als Ozeanographin, Geophysikerin und Forschungsingenieurin untersucht Adela Dumitrașcu das Meereis und die Auswirkungen des Klimawandels auf dessen Dicke und Struktur. Bei der MOSAiC-Expedition wandelten die Forscher auf den Spuren des legendären Entdeckers Fridtjof Nansen – allerdings mit modernster Technik.

„Die MOSAiC-Expedition war die größte Polarexpedition seit Ende des 19. Jahrhunderts. Nansen war ja nicht einfach nur ein Polarforscher. Damals wollten alle Entdecker den Nord- oder Südpol erobern und irgendwo ihre Flagge in den Boden rammen. Aber Nansen war in erster Linie Wissenschaftler. Er hatte eine Theorie über die Meeresströmungen am Nordpol. Seine Idee mit seinem Schiff, der Fram, war: Wir bringen das Schiff an einen bestimmten Punkt vor der Küste Sibiriens, lassen es im Eis einfrieren und treiben dann mit dem Eis mit. Nach ein paar Jahren tauchen wir wieder aus dem Eis auf und wissen dann, ob sich die Strömungen wirklich in diesem Rhythmus bewegen. Er studierte das Klima und nahm gleichzeitig Eis- und Wasserproben. Als Nansen Ende des 19. Jahrhunderts am Pol war, war das Eis fünf Meter dick – es war also fast unmöglich, so massives Eis zu brechen. Seitdem hat niemand mehr den Winter am Nordpol verbracht; Eisbrecher fahren nur im Sommer dorthin, wenn das Eis dünner ist. Aber das Klima hat sich verändert, das Eis ist nicht mehr so dick. Das Alfred-Wegener-Institut in Deutschland hatte daher die Idee, Nansens Expedition quasi zu kopieren: Einen Eisbrecher in etwa derselben Region vor Sibirien einfrieren zu lassen und ein Jahr lang mit dem Eis zu driften. Wir rechneten also damit, dass wir ein Jahr brauchen würden, um in die Framstraße zu treiben. Tatsächlich dauerte es aber weniger als ein Jahr – nur etwa neun Monate. Das Eis hat sich nämlich völlig verändert, und dazu gab es bisher keine Studien. Wir können uns theoretisch vorstellen, wie der Winter am Nordpol aussieht, aber wir brauchen Daten direkt vor Ort, in situ, und wollen nicht einfach nur die Sommerdaten hochrechnen. Dafür braucht man eben Teams, die die ganze Zeit dort oben auf dem Eis sind.“

Das Hauptziel der Mission war es, Klimamodelle zu studieren, um zu verstehen, wie sich das Klima in Zukunft verändern wird. Adela Dumitrașcu erklärt die gewaltige Dimension des Projekts:

„Die Idee war, die gesamte Säule zu untersuchen – vom Meeresboden bis hoch in die Stratosphäre. Dafür braucht man natürlich viele verschiedene Teams. Wir sprechen hier von Ozeanographie, Eisphysik, Biochemie und Atmosphärenwissenschaften. Wir waren 600 Forscher, und 20 Länder haben diese riesige Expedition finanziell unterstützt. Schweden hat sowohl Geld als auch Logistik beigesteuert, da wir über Eisbrecher verfügen. Unser spezielles Interesse bei dieser einjährigen Expedition war es, genau dann vor Ort zu sein, wenn sich das Eis bildet – also im September, am Ende des Sommers, wenn es wieder anfängt zuzufrieren. Wenn am Nordpol der Herbst beginnt und das Wasser gefriert, werden die Gase, die wir untersuchen, im neu gebildeten Eis eingeschlossen. Wir wollten von Beginn der Expedition an dabei sein, bis quasi der Frühling an den Nordpol kommt, das Licht zurückkehrt und das Eis anfängt leicht zu schmelzen. Dann werden diese hochflüchtigen Gase nämlich sofort in die Atmosphäre freigesetzt und verschwinden aus dem Eis.“

Unter den beunruhigenden Beobachtungen, die den Forschern bis heute zu denken geben, hebt Adela Dumitrașcu eine besonders hervor:

„Das Eis ist viel dünner und von einer ganz anderen Beschaffenheit. Das wirkt sich direkt auf die Atmosphäre aus, denn wenn das Eis aufbricht, entstehen diese ‚dunklen Flächen‘, wie wir sie nennen. Das offene Ozeanwasser reflektiert das Licht dann nicht mehr so stark, wie es das Eis tun würde, und das hat Folgen für die Atmosphäre und die Stratosphäre. Und wenn wir uns den Ozean ansehen, stellen wir fest, dass die Wassertemperatur gestiegen ist – eine Erwärmung um ein halbes Grad. Aber wenn wir vom Ozean sprechen, ist ein halbes Grad bereits eine gigantische Erwärmung! Wir sehen neue Arten, die einwandern. Es ist völlig normal: Sobald sich die Wassertemperatur ändert, kommen neue Arten, und andere verschwinden.“

Sparsamer Umgang mit Ressourcen, Recycling, Wiederverwendung – aber vor allem Bewusstseinsbildung. Das, so das Fazit, seien die einzigen Wege, damit die Menschheit auf Dauer überleben kann.

Paste (foto: Mariana Chirita/ RRI)
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