Für Chancengleichheit und Inklusion: „Gipsy Queen“ mit Alina Șerban startet in den rumänischen Kinos.
Die Produktion von Hüseyin Tabak bildet den Auftakt zu einer Kampagne für Chancengleichheit in Bildung und Sport und stößt eine notwendige und hochaktuelle Debatte über Inklusion und Bildung an.
Eugen Cojocariu, 11.02.2026, 15:39
Der Film erzählt von Kampfgeist, Resilienz und einer Liebe, die dazu zwingt, nicht aufzugeben. Im Mittelpunkt steht Ali, eine Mutter, die alles daransetzt, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen – in einer Welt, die ihr keine gleichen Chancen bietet. Harte Arbeit, Opferbereitschaft und der unerschütterliche Wille, die Zukunft ihrer Kinder zu schützen, bringen sie an ihre Grenzen. Im Boxen findet ihr Kampf eine konkrete Form. Im Ring gelten für alle dieselben Regeln. Außerhalb jedoch ist das Leben oft ungerecht. Diese Ungleichheit treibt Ali an einen kritischen Punkt: Das Boxen wird für sie zur einzigen Möglichkeit, um für das Sorgerecht ihrer Kinder und für deren Zukunft zu kämpfen. Für ihre Hauptrolle in „Gipsy Queen“ wurde Alina Șerban mit vier Preisen als Beste Schauspielerin ausgezeichnet, darunter mit dem Preis als Beste Schauspielerin Deutschlands bei den German Actors Guild Awards – obwohl Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Selbst wenn sie zuvor keinerlei Boxerfahrung hatte, absolvierte sie für die Rolle ein intensives Training über ein Jahr hinweg, lernte und kämpfte mit renommierten Profiboxerinnen und -boxern und drehte die längste Boxszene, die je in einem Spielfilm realisiert wurde.
Im Film verschränken sich Realität und Fiktion auf subtile Weise: Șerbans Gegnerin ist die Boxweltmeisterin Maria Lindberg, und in ihrer Ecke steht Jürgen Blin – die deutsche Schwergewichtslegende, die einst sogar gegen Muhammad Ali im Ring stand. „Ich glaube, dass Gipsy Queen es verdient, in die rumänischen Kinos zu kommen, weil es um einen Film handelt, der berührt und in dem sich viele Menschen wiederfinden können. Es geht um eine Geschichte, die auf der großen Leinwand ihre volle Kraft entfaltet, weil sie von wesentlichen Dingen erzählt: von der Liebe zu den Kindern, von der Angst, sie zu verlieren, davon, was es heißt, Migrantin zu sein, und vom Kampf, aufrecht zu bleiben, wenn das Leben zuschlägt. Obwohl die Hauptfigur eine Roma-Frau ist, die Rumänien verlässt, ist Alis Geschichte zutiefst menschlich und universell. Ali könnte jede Frau sein, jede Mutter, jeder Mensch, der gezwungen ist, für die Menschen zu kämpfen, die er liebt. Zugleich ist der Film gerade deshalb wichtig, weil er eine seltene und notwendige Repräsentation bietet: eine Romni, die mit Komplexität, Würde und Stärke gezeigt wird – jenseits von Stereotypen“, sagt Alina Șerban.
Alina Șerban ist Schauspielerin sowie Film- und Theaterregisseurin und die erste Romni-Künstlerin, die eine der höchsten Auszeichnungen des rumänischen Staates erhalten hat – den Orden „Meritul Cultural“ im Rang eines Ritters für künstlerische Verdienste. Sie ist Absolventin der Film-und Theateruniversität UNATC Bukarest sowie der New York University – Tisch School of the Arts und der Royal Academy of Dramatic Art (RADA) in London. 2018 vertrat sie Rumänien beim Filmfestival von Cannes mit dem Film „Singură la nunta mea“) („Alleine auf meiner Hochzeit“). Sie spielte zudem in „Housekeeping for Beginners“, der 2023 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde und als Beitrag Nordmazedoniens für die 2024 Oscars galt. Im selben Jahr belegte sie beim Wettbewerb des Nationalen Filmzentrums (CNC) in der Sektion Debüt mit der Höchstpunktzahl den ersten Platz für ihr Spielfilmdebüt „Eu contez“ („Ich zähle auch“). Hüseyin Tabak ist Regisseur, Drehbuchautor und Dokumentar- wie Spielfilmemacher türkischer Herkunft, geboren in Deutschland. Er studierte Drehbuch und Regie an der Filmakademie Wien unter der Leitung von Michael Haneke und gab 2010 sein Debüt mit dem Kurzfilm „Cheese…“.„Gipsy Queen“ ist sein dritter Spielfilm.