Das Projekt „Der Groppenbarsch lebt“
Der seltenste Süßwasserfisch Europas, der sogenannte Rumänische Groppenbarsch, befindet sich in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit. Als endemische Art lebt der Groppenbarsch ausschließlich in Rumänien, genauer gesagt im Fluss Vâlsan im Kreis Argeș.
Daniel Onea und Adina Olaru, 12.10.2026, 17:49
Der seltenste Süßwasserfisch Europas, der sogenannte Rumänische Groppenbarsch, befindet sich in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit. Als endemische Art lebt der Groppenbarsch ausschließlich in Rumänien, genauer gesagt im Fluss Vâlsan im Kreis Argeș.
Bei der jährlichen Bestandsaufnahme im September 2026 wurden entlang eines rund zehn Kilometer langen Flussabschnitts 150 Exemplare gezählt. Doch die Lage ist absolut kritisch: 76 Prozent dieser Fische drängen sich auf einem sehr kurzen Abschnitt von gerade einmal 450 Metern. Sie sitzen in der Falle – blockiert zwischen einer unüberwindbaren Betonschwelle und einer defekten Kläranlage in der Ortschaft Brădetu, die das Wasser kontinuierlich verschmutzt. Neben dieser chemischen Barriere wird das Überleben der Art auch durch extreme Niedrigwasser unterhalb des Vâlsan-Staudamms bedroht, weil die ökologisch vorgeschriebene Restwassermenge nicht eingehalten wird. Das reduziert den Lebensraum dieses an schnell fließende, sauerstoffreiche Gewässer angepassten Fisches auf ein Minimum.
Alex Găvan, Umweltaktivist und Gründer des Projekts „Der Groppenbarsch lebt“, macht auf die dringende Notwendigkeit aufmerksam, dieses nationale Symbol zu schützen:
„Indem wir diese so symbolträchtige und wichtige Art retten, retten wir im Grunde uns selbst. Der Groppenbarsch ist weltweit die einzige Spezies, die den Namen Rumäniens in ihrer wissenschaftlichen Bezeichnung trägt: Romanichthys valsanicola. Romanichthys verweist auf Rumänien, und valsanicola zeigt an, dass es sich um einen einzigartigen Fisch handelt, der im Vâlsan endemisch ist – auch wenn er früher ebenso in den Flüssen Argeș und Doamnei heimisch war. Es ist enorm wichtig, die aktuelle Zerstörung, die illegalen Arbeiten im Flussbett und den illegalen Abbau von Kies und Sand zu stoppen – und endlich das Problem des extremen Wassermangels zu lösen. Zuallererst muss hier schlicht geltendes Recht durchgesetzt werden, damit dieser Fisch seine vor 65 Millionen Jahren begonnene Odyssee fortsetzen kann.“
Um die Art vor dem Aussterben zu bewahren, liegen konkrete Lösungsansätze auf dem Tisch. Dazu gehören der geplante Rückbau von drei künstlichen Barrieren im Fluss und die Bereitstellung staatlicher Gelder zur Sanierung der Kläranlage. Zudem wurde ein großes EU-Förderprojekt eingereicht, um das sogenannte „Groppenbarsch-Refugium“ im Dorf Galeșu zu errichten – eine Forschungs- und Zuchtstation, um die Fische in Gefangenschaft zu vermehren. Alex Găvan mit mehr Einzelheiten dazu:
„Obwohl der Groppenbarsch alle denkbaren Schutzstatus genießt – sein Lebensraum liegt in gleich zwei Naturschutzgebieten, und die Art ist national wie international streng geschützt –, ist die Gefahr seines Aussterbens heute größer denn je. Was wir hier tun, ist der Versuch, diese Art zu retten. Denn ein solcher Erfolg würde international ein extrem starkes Signal senden: Es ist noch nicht alles verloren für uns Menschen auf diesem Planeten.“
Der erst 1956 entdeckte Groppenbarsch wird auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN aktuell als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Die intensiven wissenschaftlichen Überwachungsmaßnahmen der letzten Jahre dokumentieren die Entwicklung der Population: von nur 57 nachgewiesenen Exemplaren im Jahr 2022 über einen Höchststand von 181 im Jahr 2025 bis hin zu 150 im Herbst dieses Jahres. Seine Rettung bleibt nicht nur ein entscheidender ökologischer Schritt zur Wiederherstellung des Ökosystems. Sie ist auch ein echter Lackmustest für die Fähigkeit von Behörden und Gesellschaft, ein weltweit einzigartiges Naturerbe zu bewahren.