Lebensräume von Schlangen in Gefahr
Rumänien beherbergt eine bemerkenswerte Artenvielfalt. Doch viele Reptilien- und Amphibienarten stehen vor einem leisen, aber unaufhaltsamen Gegner: dem schrumpfenden Lebensraum. Obwohl die Artenvielfalt in Rumänien deutlich höher ist als in Nord- oder Westeuropa, wird ihr Schutz zu einer immer größeren Herausforderung.
Daniel Onea und Adina Olaru, 14.09.2026, 18:04
Rumänien beherbergt eine bemerkenswerte Artenvielfalt. Doch viele Reptilien- und Amphibienarten stehen vor einem leisen, aber unaufhaltsamen Gegner: dem schrumpfenden Lebensraum. Obwohl die Artenvielfalt in Rumänien deutlich höher ist als in Nord- oder Westeuropa, wird ihr Schutz zu einer immer größeren Herausforderung.
Der Herpetologe Alexandru Strugariu aus Iași erklärt, wie Rumänien im europäischen Vergleich dasteht:
„Wir haben eine relativ gute Vielfalt für Europa – wobei Europa insgesamt nicht unbedingt ein Hotspot der Herpetofauna ist, also der Amphibien- und Reptilienwelt. Rumänien steht gut da, vor allem im Vergleich zu den Ländern in West-, Nord- oder Mitteleuropa. Die Regionen mit der höchsten Vielfalt sind die südlichen Halbinseln: die Balkanhalbinsel, die Apenninen und die Iberische Halbinsel. In Rumänien zählen wir je nach Klassifizierung 23 oder 24 Reptilienarten und 18 Amphibienarten. Wir haben das erste populärwissenschaftliche Buch über die Amphibien und Reptilien Rumäniens seit dem Jahr 1969 veröffentlicht.“
Abseits der gewöhnlichen Arten ist Rumänien ein wichtiges Rückzugsgebiet für Reptilien, die EU-weit einzigartig sind. Eine wissenschaftliche Entdeckung bestätigte das Vorkommen einer seltenen Unterart im Osten des Landes, so Alexandru Strugariu:
„Im Jahr 2010 haben wir eine Arbeit veröffentlicht, die erstmals das Vorkommen der Unterart Vipera berus nikolskii in Rumänien belegt – zumindest östlich des Flusses Siret, in den Kreisen Botoșani, Iași, Vaslui und neuerdings auch Galați. Wir haben hier also eine Kreuzotter-Unterart, die nach aktuellem Kenntnisstand EU-weit nur bei uns lebt. Es gibt eine genetische Bestätigung dafür, dass die Exemplare östlich des Siret tatsächlich Nikolski-Kreuzottern sind.“
Doch das Überleben dieser einzigartigen Bestände ist durch den Menschen stark gefährdet. Der Verlust von Lebensräumen bedroht die Reptilien massiv. Ein eindringliches Beispiel dafür ist die Moldau-Wiesenotter – eine endemische Unterart, die bereits extrem gefährdet ist, wie der Herpetologe Alexandru Strugariu berichtet:
„Die Verkleinerung der Lebensräume ist ohne Zweifel die Hauptbedrohung für Amphibien und Reptilien. Eine Symbolart ist die Moldau-Wiesenotter, Vipera ursinii moldavica, eine endemische Unterart aus dem Osten Rumäniens und eine der am stärksten gefährdeten in ganz Europa. Sie kommt nur in den Kreisen Iași und Tulcea vor. In der Moldau finden wir sie in kleinen, zerstückelten Lebensräumen rund um Iași – wie dem Naturschutzgebiet Valea lui David und dem Natura-2000-Gebiet Dealul lui Dumnezeu. Diese Gebiete, insbesondere Dealul lui Dumnezeu, sind durch menschliche Eingriffe schwer beeinträchtigt, vor allem durch die Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen und das Fehlen eines angemessenen Managements.“
Der Schutz dieser Gebiete und der dort lebenden Arten hängt immens von Bildung und einem Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung ab. Überraschenderweise kommt die größte Offenheit für dieses Wissen nicht von Erwachsenen, sondern von den jüngeren Generationen – während die Wissenschaft selbst erst jetzt beginnt, die wahre Komplexität dieser Tiere zu begreifen.
Der Schutz der Reptilien in Rumänien erfordert daher nicht nur sofortige, strenge Maßnahmen zur Erhaltung ihrer Lebensräume, sondern auch kontinuierliche Anstrengungen in Forschung und Aufklärung. Ohne ein nachhaltiges Management der Schutzgebiete und ohne eine umweltbewusste Agrarpolitik droht ein unschätzbarer Teil des europäischen Naturerbes unwiederbringlich zu verschwinden.