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Rumänien und die Türkei: Ein Jahrhundert der Annäherung

Kein anderer Einfluss war im letzten Jahrtausend auf dem rumänischen Raum größer als der türkische Einfluss.

1960-ті роки та відродження румунської дипломатії
1960-ті роки та відродження румунської дипломатії

, 23.03.2026, 22:31

Ab 1877, nachdem Rumänien seine staatliche Unabhängigkeit erkämpft hatte, änderten sich die Beziehungen. Im 20. Jahrhundert bauten Rumänien und die Türkei auf der Grundlage einer gemeinsamen Tradition eine privilegierte Beziehung auf.

Der auf Luftrecht spezialisierte Jurist Radu Boroș schilderte 1995 dem Zentrum für Mündliche Geschichte des Rumänischen Rundfunks, wie sich die bilateralen Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg entwickelten:

„Kemal hatte als Erstes versucht, sich von Europa zu isolieren. Und einer der Punkte seiner Politik in diesem Entschluss zur Isolation war die Verlegung der türkischen Hauptstadt von Istanbul nach Ankara. In Istanbul wollte er keinerlei kommerzielle, finanzielle oder sonstige Verbindungen mit den Mächten des europäischen Kontinents mehr zulassen. Deshalb unterbrach er die Fluglinie, die die Französisch-Rumänische Gesellschaft ab 1920 auf der Strecke Paris–Wien–Budapest–Bukarest–Istanbul betrieben hatte.“

Nach und nach erkannten sowohl die Europäer als auch die Türken, dass sie nicht getrennt voneinander voranschreiten konnten. Und die Rumänen waren es, die den Weg zur Wiederannäherung öffneten. Radu Boroș dazu:

„Bis 1938–39, als durch den Vertrag von Lausanne der Status der Meerengen geändert wurde, wollten die Türken von keinerlei Luftverbindung nach Konstantinopel hören. Erst nach dem Vertrag von Lausanne stellte sich die Frage, und die Möglichkeit von Flügen aus Europa nach Istanbul öffnete sich. Wir Rumänen hatten im Rahmen der Balkanentente, im Abschnitt Luftfahrt, auch das Thema des Lufttransports, in dem auch eine Verbindung mit der Türkei vorgesehen war. Während wir bei den anderen Ländern die Verbindung der Hauptstädte anstrebten, war unser Ziel mit der Türkei nicht die Anbindung an Ankara, die Hauptstadt, sondern an Istanbul. In der Luftfahrtpolitik Rumäniens figurierte die Einrichtung von Fluglinien als Unterstützung, als Stärkung unserer Schifffahrtslinien. Trotz aller Bemühungen, von der Türkei die Genehmigung für die Linie nach Istanbul zu erhalten, gelang es uns nicht. Wir erhielten keine Antwort, weder eine negative noch eine positive – man sagte uns stets, wir sollten warten. In der Generalversammlung des Wirtschaftsrates der Balkanentente, in der Sitzung vom April 1939, gegen Ende der Zusammenkunft, teilte uns der Vorsitzende der türkischen Delegation, Hasan Saka, mit, dass die türkischen Behörden dringend eine rumänische Delegation nach Ankara einladen, um einen Konzessionsvertrag für eine Linie Bukarest–Istanbul mit der Fluggesellschaft LARES abzuschließen.“

Vasile Șandru arbeitete im Außenministerium. 1994 erinnerte er sich an den Prozess der Normalisierung der rumänisch-türkischen Beziehungen, obwohl die beiden Länder durch die Schranke der entgegengesetzten Militärblöcke getrennt waren:

„Rumänien war das erste Land, das diesen Damm durchbrach. Als Teilnehmer am Warschauer Pakt war Rumänien das erste Land, das diesen Schritt zur Normalisierung der Beziehungen mit Griechenland und der Türkei unternahm. Als bilaterale Probleme zwischen Rumänien und diesen beiden Ländern standen an erster Stelle jene im Zusammenhang mit finanziellen Rückständen – also Güter, die Staatsangehörigen dieser Länder gehört hatten und nach 1948 in Rumänien verstaatlicht worden waren. Eine Einigung war nicht zustande gekommen, weil die Differenz zwischen den Forderungen der früheren Eigentümer und dem, was die rumänische Seite anbieten konnte, zu groß war. Doch das war kein Problem, das die allgemeine Entwicklung der Beziehungen hätte aufhalten können. Das Haupthindernis war praktisch durch die Zugehörigkeit zu entgegengesetzten Blöcken bedingt worden.“

Der Besuch des rumänischen Ministerpräsidenten im Jahr 1966 war es, der die künftige Zusammenarbeit eröffnete. Vasile Șandru berichtte:

„Es war eine große Delegation, angeführt von Ministerpräsident Maurer, an der unser Außenminister teilnahm sowie sehr viele Vertreter der Wirtschaftsministerien. Es waren stellvertretende Minister für Metallurgie, Maschinenbau, Verkehr, Kultur und so weiter dabei. Der Besuch verlief in einer außerordentlichen Atmosphäre – der rumänische Ministerpräsident wurde mit allen Ehren, mit einer Ehrenkompanie und so weiter von Ministerpräsident Demirel am Flughafen empfangen. Das gesamte protokollarische Programm wurde organisiert, mit Kranzniederlegungen am Mausoleum von Atatürk. Was mich damals sehr interessierte: An den offiziellen Gesprächen nahm auf türkischer Seite nahezu die gesamte Regierung teil. Es saßen mindestens 20 bis 30 Personen auf der türkischen Seite des Tisches, in zwei Reihen, die diesen Gesprächen beiwohnten. Maurer hielt ihnen einen Vortrag über die Fragen der friedlichen Koexistenz unter Verwendung der damaligen Terminologie. Maurer sprach über die Notwendigkeit der friedlichen Koexistenz infolge der Entwicklung und der wissenschaftlich-technischen Revolution, der wirtschaftlichen Entwicklung, über die Rolle kleiner und mittlerer Länder, über die Rolle von Ländern wie Rumänien und der Türkei bei der Förderung der Entspannung. Bei dieser Gelegenheit wurde eine ganze Reihe von Abkommen unterzeichnet. Es wurde ein Abkommen unterzeichnet, durch das das Problem der finanziellen Rückstände gelöst wurde. Es wurde ein Kulturabkommen unterzeichnet, ein Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit, sechs … sieben verschiedene Abkommen, die auf einen Schlag die Öffnung der rumänisch-türkischen Beziehungen auf allen Ebenen markierten.“

Die rumänisch-türkischen Beziehungen des 20. Jahrhunderts sind die Grundlage dessen, was heute zwischen beiden Ländern besteht. Die beiden Länder gehen gemeinsam voran, wie sie es seit einigen hundert Jahren getan haben.

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