Regisseur Cristian Mungiu nach dem Triumph in Cannes
Regisseur Cristian Mungiu hat angekündigt, die Premiere seines Films „Fjord“, der kürzlich in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, in Rumänien zu organisieren.
Mihai Pelin und Florin Lungu, 02.06.2026, 15:56
Der Film „Fjord“ von Regisseur Cristian Mungiu, der in diesem Jahr die Goldene Palme bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gewann, wird am 13. Juni in rund 90 Kinos in Dutzenden rumänischen Städten gezeigt. „Dies ist eine Vorpremiere, die dem rumänischen Publikum, das nach Cannes großes Interesse gezeigt hat, die Möglichkeit geben soll, den Film so bald wie möglich zu sehen, da wir noch bis zur offiziellen Premiere warten müssen, die erst gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres stattfinden wird“, erklärte Cristian Mungiu.
Er sagte außerdem, er erwarte vom rumänischen Staat mehr Unterstützung für Kultur und Film, da die Filmemacher ihre kulturelle Mission erfüllt und zahlreiche Auszeichnungen gewonnen hätten, die dem ganzen Land zustünden. Gleichzeitig wies Mungiu darauf hin, dass der rumänische Kinofonds unterfinanziert sei, da ein Teil der gesetzlich vorgesehenen Mittel nicht eingezogen werde und sich die Schulden bisher auf über 130 Millionen Euro beliefen. Das rumänische Kino erhalte keine Gelder aus dem Staatshaushalt, und die Umsetzung dieses Gesetzes erfordere weder zusätzliche Mittelzuweisungen noch eine Gesetzesänderung, sondern lediglich eine Anordnung des Finanz- und des Kulturministeriums, betonte Cristian Mungiu.
Der Regisseur signalisierte, dass digitale Werbung in die Liste der Finanzierungsquellen des Kinofonds aufgenommen werden müsse und dass es wichtig sei, eine nationale oder europäische Förderlinie zu finden, um die Kinos und Kulturzentren in Rumänien, die sich noch im Besitz des Staates befänden, mit der notwendigen Ausrüstung auszustatten.
Fast zwei Jahrzehnte später kehrt der rumänische Regisseur ins internationale Rampenlicht zurück, nachdem er 2007 in Cannes mit „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ triumphierte – einer Geschichte über heimliche Abtreibungen während der kommunistischen Ära. „Fjord“ beeindruckte Kritiker und Jury von Beginn des Festivals an. Der Film erhielt in Cannes außerdem vier weitere Auszeichnungen: den Preis der Ökumenischen Jury, den Preis der Internationalen Filmkritikervereinigung (FIPRESCI), den Publikumspreis und den François-Chalais-Preis – eine Auszeichnung für den Film, der die Realität der Gegenwart im Einklang mit journalistischen Werten am getreuesten widerspiegelt.
Cristian Mungiu, der auch das Drehbuch schrieb, verlegt seine Geschichte nach Norwegen, wo sich ein sehr religiöses rumänisch-norwegisches evangelisches Ehepaar mit seinen fünf Kindern niederlässt und sich zunächst problemlos in eine Gesellschaft zu integrieren scheint, die sich Toleranz und Respekt gegenüber Minderheiten zur Schau stellt. Doch plötzlich ändert sich alles, als der Verdacht auf häusliche Gewalt gegen die Kinder aufkommt. Die norwegischen Behörden nehmen das Ehepaar kritisch unter die Lupe, hinterfragen ihre strenge Erziehung, die die Nutzung einer bekannten Videoplattform und von Smartphones ausschließt, und kritisieren ihren Glauben. Die Spannungen eskalieren, bis ein Verfahren zur Unterbringung der Kinder eingeleitet wird, darunter auch das jüngste Geschwisterkind, ein Neugeborenes, das noch von seiner Mutter gestillt wurde.