Die asiatische Garnele, eine hochgradig invasive Art
Das Ökosystem des Donaudeltas – ein international bedeutendes Feuchtgebiet – verändert sich gerade rasant. Der Grund dafür ist eine neue asiatische Süßwassergarnele. Forscher vom Nationalen Forschungs- und Entwicklungsinstitut für das Donaudelta, die sich dem Schutz dieser Naturressourcen widmen, beobachten derzeit eine ungewöhnliche Ausbreitung.
Adina Olaru und Daniel Onea, 27.07.2026, 17:49
Das Ökosystem des Donaudeltas – ein international bedeutendes Feuchtgebiet – verändert sich gerade rasant. Der Grund dafür ist eine neue asiatische Süßwassergarnele. Forscher vom Nationalen Forschungs- und Entwicklungsinstitut für das Donaudelta, die sich dem Schutz dieser Naturressourcen widmen, beobachten derzeit eine ungewöhnliche Ausbreitung.
Die Art hat sich erstaunlich schnell angepasst und gilt als stark invasiv. Sie hat das Potenzial, die Nahrungskette und das Gleichgewicht der lokalen Natur ordentlich durcheinanderzubringen. Der Biologe Aurel Năstase erklärt uns, wie diese Garnele, die Macrobrachium nipponense, den weiten Weg von Asien bis in die rumänischen Gewässer geschafft hat.
„Der Name ‚nipponense‘ kommt von ‚Nippon‘ und verrät es schon: Die Art stammt ursprünglich aus Japan, genauer gesagt aus japanischen Süßgewässern und Teilen Südostasiens. Bei uns in Rumänien tauchte sie zum ersten Mal im November 2020 auf. Zuerst haben ukrainische Forscher sie im Kilija-Arm entdeckt. Anfang 2021 konnten dann auch rumänische Wissenschaftler die Garnele im Donaudelta bestätigen. Sie ist höchstwahrscheinlich über den Fluss Dnister zu uns gekommen. Ursprünglich wurde sie in den 60er Jahren versehentlich zusammen mit importierten chinesischen Karpfen in russische Fischfarmen eingeschleppt. Von da aus ging es in ähnliche Anlagen in Belarus und im Wolgadelta. In den 2000er Jahren erreichte sie dann die Ukraine und die Grenze zur Republik Moldau am Dnister. Von dort wanderte sie hinunter in die Brackwasserbereiche des Schwarzen Meeres. Obwohl sie eigentlich eine Süßwasserart ist, verträgt sie leicht salziges Wasser sehr gut. So konnte sie im Schwarzen Meer überleben und in den Kilija-Arm vordringen.“
Die asiatische Garnele kommt also nicht nur mit unterschiedlichem Salzgehalt klar, sie greift auch direkt in die lokale Nahrungskette ein. Die heimische Tierwelt hat bereits auf diese neue Nahrungsquelle reagiert. Trotzdem bereitet die enorme Vermehrungsrate dieser invasiven Art den Experten große Sorgen. Wie genau die neue Garnele und unsere heimischen Raubtiere aufeinandertreffen und wie sie sich weiter ausbreiten könnte, beschreibt Aurel Năstase:
„Bei unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass alle großen Raubfische – also Wels, Hecht und Zander – mittlerweile Jagd auf sie machen. Und das, obwohl diese Garnelen ganz schön flink und schwer zu schnappen sind. Wir konnten die Flussgarnelen bereits bei Magenuntersuchungen von Hechten und Welsen nachweisen. Auch fischfressende Vögel und einige Säugetiere fressen sie, die Garnele ist also zu einer neuen Nahrungsgrundlage geworden. Allerdings ist sie extrem fruchtbar: Ein einziges Weibchen kann sechs bis acht Generationen Nachwuchs hervorbringen, die Fortpflanzungsrate ist wirklich gewaltig. Außerdem macht ihr die Kälte hier bei uns nichts aus. Das erhöht ihr invasives Potenzial und die Gefahr einer Massenvermehrung enorm.“
Die explosionsartige Ausbreitung dieser Süßwassergarnele zeigt einmal mehr, wie anfällig komplexe Gewässer für versehentlich eingeschleppte Arten sind. Für die Fachleute heißt das: In den kommenden Jahren müssen sie die Entwicklung ganz genau im Blick behalten. Nur durch ständige Überwachung lässt sich verstehen, was diese neue Art langfristig für die Umwelt bedeutet – und nur so kann die einzigartige Artenvielfalt im unteren Donaubecken geschützt werden.