Rumänien hat weiterhin das höchste Haushaltsdefizit in der EU
Rumänien verzeichnete auch 2025 das höchste Haushaltsdefizit in der Europäischen Union. Nach Angaben von Eurostat sank es zwar von 9,2 auf 7,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, lag damit aber weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt. Die neue Regierung unter Luca Niculescu hält am Ziel fest, das Defizit schrittweise zu senken. Dabei setzen Experten vor allem auf eine bessere Mehrwertsteuererhebung und eine verlässliche Haushaltsplanung.
Daniela Budu und Alex Sterescu, 22.10.2026, 13:31
Rumänien hat auch im vergangenen Jahr das höchste Haushaltsdefizit in der Europäischen Union verzeichnet. Nach Angaben des Europäischen Statistikamtes Eurostat sank das Defizit von 9,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2024 auf 7,8 Prozent im Jahr 2025. Damit lag es jedoch weiterhin über dem Wert von 6,6 Prozent aus dem Jahr 2023.
Zum Vergleich: Das durchschnittliche Defizit betrug in der Eurozone drei Prozent und in der gesamten EU 3,1 Prozent. Auf Rumänien folgten Polen, Belgien und Frankreich mit den höchsten Defiziten. Insgesamt meldeten elf EU-Mitgliedstaaten ein Defizit von mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vier Länder schlossen das vergangene Jahr dagegen mit einem Haushaltsüberschuss ab: Zypern, Dänemark, Griechenland und Portugal.
Nach Schätzungen der Europäischen Kommission könnte Rumäniens Defizit in diesem Jahr auf etwa 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Um es bis 2031 auf unter drei Prozent zu drücken, wäre allerdings eine weitere Anpassung um rund drei Prozentpunkte erforderlich.
Experten zufolge stößt die Erhöhung von Steuern als Mittel zur Defizitreduzierung inzwischen an ihre Grenzen. Unternehmen und private Haushalte spüren bereits die Steuerlast, während die rumänische Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich nur schwach wachsen wird. Die von der neuen Regierung angekündigten finanzpolitischen Maßnahmen könnten dazu beitragen, das Defizit weiter zu senken, ohne die Steuern erneut anzuheben. Analysten warnen zugleich, dass die Konsolidierung bei einer schwächeren Konjunktur schwieriger wird. Eine wichtige Möglichkeit, die Staatseinnahmen zu erhöhen, sehen sie in einer besseren Erhebung der Mehrwertsteuer.
Nach dem offiziellen Ende der Regierungskrise, die fast sechs Monate gedauert hatte, bekräftigte der neue Ministerpräsident Luca Niculescu, dass Rumänien an seinem gegenüber den europäischen Partnern zugesagten Defizitziel festhalten werde. Er verwies auch auf die drei großen Ratingagenturen Fitch, Moody’s und S&P. Sie stufen Rumänien weiterhin als Land mit einer für Investitionen empfohlenen Bonität ein, versehen ihre Einschätzung allerdings mit einem negativen Ausblick – trotz des hohen Haushaltsdefizits.
Moody’s bewertet die Bildung einer neuen Regierung und die rechtzeitige Verabschiedung des Staatshaushalts für 2027 als positive Entwicklungen für die Kreditwürdigkeit Rumäniens. Ein bis Jahresende verabschiedeter Haushalt würde nach Einschätzung der Agentur die weitere Haushaltskonsolidierung unterstützen und die Glaubwürdigkeit der staatlichen Zusagen stärken.
In ihrem Kommentar hob Moody’s die Bedeutung politischer Stabilität und einer verlässlichen Haushaltsplanung hervor. Rumänien habe einen hohen Finanzierungsbedarf und müsse sich in einem zunehmend restriktiven Umfeld Zugang zu den Finanzmärkten sichern. Die Agentur hält an ihrer Prognose fest, dass das rumänische Haushaltsdefizit weiter sinken wird: auf 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr und auf 5,5 Prozent im kommenden Jahr.