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Rumänien auf dem Weg in die Energieautarkie

Nach Ansicht von Experten könnte Rumänien keine Gasimporte aus der Russland mehr benötigen, wenn es Erdgas im Schwarzen Meer fördert.

Rumänien auf dem Weg in die Energieautarkie
Rumänien auf dem Weg in die Energieautarkie

, 08.05.2018, 17:05


Die gute Nachricht für Rumänien ist, dass das Land im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten bereits den grö‎ßten Teil des Erdgasverbrauchs aus seiner eigenen Produktion sichert. Die noch bessere Nachricht ist, dass es überhaupt keine Gas-Einfuhren aus Russland brauchen wird, sobald die Förderung der Gasreserven auf dem kontinentalen Plateau des Schwarzen Meeres beginnt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des ehemaligen Energieministers Razvan Nicolescu, der heute als Experte für die bekannte Beratungsagentur Deloitte arbeitet.

Er erklärt, dass die Offshore-Bereiche insgesamt 170 Milliarden Kubikmeter halten könnten – im Durchschnitt wäre es also möglich, 5 Milliarden Kubikmeter jährlich zu fördern.


Investitionen in die fossilen Brennstoffe am Schwarzen Meer würden Einnahmen für den Staatshaushalt von USD 26 Milliarden und zusätzliche 40 Milliarden Dollar für das rumänische BIP bis zum Jahr 2040 generieren. Die Schätzung, vorsichtiger als die der rumänischen Behörden, basiert auch auf technischen Daten der Offshore-Ausbeutung im Golf von Mexiko, die denen im Schwarzen Meer ähnlich sind: „Die Reserven schätzt der Staat auf 200 Milliarden Kubikmeter. Wir sagen, es sind 170 Milliarden nach unserer Berechnungen. Die Europäische Kommission geht in ihren Wirkungsstudien von einem starken Anstieg der Gaspreise aus. Wir schätzen, dass wir einen Produktionsüberschuss haben werden, dass dieser Produktionsüberschuss eine positive Wirkung aus Wettbewerbssicht erzeugen wird und so den Teurungsdruck in Rumänien mildern wird,“ so Razvan Nicolescu.



Sobald der Förderbetrieb des Schwarzmeer Gases aufgenommen wird, kann jeder investierte Dollar einen dreifachen Multiplikationseffekt auf direkte, indirekte oder angrenzende Wirtschaftssektoren ausüben. Hier unterstreichen die Experten von Deloitte, dass wir nicht nur über den Verkauf des Erdgases per se sprechen, sondern über die gesamte Wirtschaftskette, die von dieser Ressource angetrieben wird, meint Projektleiter Sorin Elisei: „Es geht um Investitionen von 22,2 Milliarden Dollar. Die Durchführung dieser Projekte in allen vier Phasen führt zur Unterstützung einer durchschnittlichen Jahreszahl in diesem Zeitraum von mehr als 30.000 Mitarbeitern. Die Einnahmen für den konsolidierten Staatshaushalt werden praktisch um 26 Milliarden Dollar ergänzt, und wir sprechen über 70 Milliarden Dollar als zusätzlichen Produktionswert als Ergebnis dieser Investitionen“, so Elisei.



Deloitte schätzt, dass 65% des Gases in Rumänien verbraucht werden. Der Rest wird dem Export zugeführt, wodurch die Position Rumäniens auf dem europäischen Erdgasmarkt gestärkt wird, glaubt Elisei: „Von 28 Mitgliedstaaten liegen in puncto Unabhängigkeit von Rohstoffeinfuhren wohl nur Estland und Dänemark vor uns. Ich denke, wir könnten uns von diesem mehr als ehrenhaften 3. Platz noch weiter verbessern“.



Über die Prognosen der Deloitte-Experten freuen sich nicht nur Wirtschaftsanalytiker, sondern auch au‎ßenpolitische Experten. Ihnen zufolge hat Russland für politische und geopolitische Zwecke die Abhängigkeit Europas von seinen Brennstoffen nicht wenige Male instrumentalisiert.


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