Die gelbe Krawatte, ein Film über den Dirigenten Sergiu Celibidache
Der Film „Die gelbe Krawatte“, der Ende 2025 in die Kinos gekommen ist, zeichnet das Leben und die Karriere des Dirigenten Sergiu Celibidache nach – von der Kindheit im Rumänien der Zwischenkriegszeit über die schwierige Phase von Krieg und Hungersnot bis hin zur internationalen Anerkennung.
Christine Leșcu und Corina Sabău, 03.01.2026, 20:29
Pianist, Komponist und Dirigent, als einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts angesehen, wurde Sergiu Celibidache am 28. Juni 1912 in Roman im Kreis Neamț geboren. Sein Vater Demostene, griechischer Herkunft, war Kavallerieoffizier. Die Faszination für das Klavier begann bereits im Alter von vier Jahren – ein Moment, über den Celibidache später berichtete: „Als ich vier Jahre alt war, gab ich Konzerte, so, ohne Publikum, auf einem leeren Dachboden, ohne Licht, mit viel Staub und sehr kalt. Ich bedankte mich beim Publikum, obwohl ich nicht wusste, was das bedeutet.“
Nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn ging er Mitte der 1930er-Jahre zunächst nach Paris und anschließend nach Berlin, um seine musikalischen Studien fortzusetzen. 1945 wurde er eingeladen, die Berliner Philharmoniker zu dirigieren, ein Jahr später wurde er Dozent am Internationalen Musikinstitut in Berlin. Ab 1949 war Celibidache Gastdirigent renommierter Orchester in aller Welt – in Österreich, Italien, Frankreich sowie in Mittel- und Südamerika. 1978 kehrte er für kurze Zeit nach Rumänien zurück, wo er das Philharmonische Orchester „George Enescu“ in Bukarest dirigierte. 1987, anlässlich seines 75. Geburtstags, erhielt er die Goldene Ehrenmedaille der Stadt München, gefolgt von den Auszeichnungen Nettuno d’Oro in Bologna und der Goldenen Ehrennadel der Stadt Mailand.
In den Hauptrollen des Films „Die gelbe Krawatte“ sind international bekannte Schauspieler wie John Malkovich, Ben Schnetzer, Sean Bean, Miranda Richardson und Kate Phillips zu sehen. Die Produktion gilt als eine der ambitioniertesten der jüngeren rumänischen Filmgeschichte, mit einem Budget von rund 20 Millionen Euro, Dreharbeiten an zahlreichen Schauplätzen und einem Team, das mehr als sieben Jahre an der Entstehung des Films gearbeitet hat.
Während viele Zuschauer „Die gelbe Krawatte“ wegen der zugänglichen Erzählweise schätzen, die so gestaltet ist, dass sie ein breites Publikum anspricht – auch jene, die mit klassischer Musik nicht vertraut sind –, ist ein Teil der Kritik der Ansicht, der Film sei trotz seiner opulenten Produktion zu schematisch, mit künstlichen Dialogen und wenig ausgearbeiteten Figuren. Regie führte Serge Ioan Celibidache, der Sohn des Dirigenten, der gemeinsam mit James Olivier auch das Drehbuch verfasst hat. Serge Ioan Celibidache sprach mit uns über die Entstehung des Drehbuchs:
„Das war vielleicht die größte Herausforderung, insofern, als wir sehr viele Notizen hatten und uns auf zwei Stunden und 15 Minuten beschränken mussten, um das Wesentliche herauszuarbeiten. Wir haben drei Hauptfiguren und tauchen in die Welt jeder einzelnen ein, deshalb war es wichtig, die Drei-Akt-Struktur einzuhalten und alles zu streichen, was nicht unmittelbar zur Geschichte gehörte. Außerdem war es schwierig, ein Gleichgewicht zu finden, um nicht übermäßig intellektuell zu werden – was wir nicht wollten –, aber auch nicht oberflächlich zu wirken, denn die Geschichte legt den Akzent auf Momente, die ich als philosophisch aufgeladen bezeichnen würde. Deshalb haben wir eine sehr sorgfältige und strenge Auswahl der Momente getroffen, aus denen sich die Geschichte zusammensetzt, und es hat sehr lange gedauert, bis wir zu dieser Fassung gelangt sind – wir sprechen von vielen Jahren.“
Wir sprachen mit Serge Ioan Celibidache auch über die Rolle von John Malkovich, der einen wichtigen Beitrag zum Film leistet, indem er den reifen Sergiu Celibidache verkörpert:
„Wir haben John Malkovich gewählt, weil er für alle eine kulturelle Referenz darstellt, und genau das wollten wir von Anfang an: eine glaubwürdige Figur schaffen. Außerdem kann John Malkovich sehr natürlich von Ruhe zu einem unvorhersehbaren Ausbruch wechseln, wenn etwas Unangenehmes geschieht. So war auch mein Vater – er hatte einen Hauch von Verrücktheit, eine Energie, die plötzlich explodieren konnte. Alles läuft gut, bis man etwas Falsches sagt, und dann ändert sich die Atmosphäre abrupt. Ich hatte das Gefühl, dass John Malkovich diese Seite sehr gut darstellen kann, und im Film gibt es tatsächlich zwei klare Momente, in denen die Spannung steigt und man fast Angst vor seiner Figur bekommt. Das ist wichtig, weil es zum Wesen des Charakters gehört: Obwohl er großzügig ist und ein großes Herz hat, gibt es Situationen, in denen man ihn besser nicht zu weit treibt. Die Wahl von Malkovich war auch für uns äußerst konstruktiv. Sie hat uns Glaubwürdigkeit gegenüber den Finanzierern verschafft, uns geholfen, mit dem Film zu reisen und internationale Sichtbarkeit zu erlangen. Er war für den gesamten Finanzierungsprozess, auf dem die ganze Produktion letztlich beruht, von entscheidender Bedeutung.“
„Dieser Film ermutigt dazu, an sich selbst und an das eigene Schicksal zu glauben. Das Wichtigste ist, den Mut zu haben zu träumen. Er ist ein spektakuläres Beispiel für Entschlossenheit, für das Anrufen des Schicksals und für das Verfolgen einer Leidenschaft gegen alle Hindernisse“, sagt Regisseur Serge Ioan Celibidache über „Die gelbe Krawatte“.