Călin Georgescu in Untersuchungshaft genommen
Das Berufungsgericht Bukarest hat die 30-tägige Inhaftierung des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Călin Georgescu angeordnet.
Leyla Cheamil und Florin Lungu, 30.09.2026, 13:00
Călin Georgescu, ein ehemaliger Kandidat für das rumänische Präsidentenamt – der als prorussisch gilt –, wurde am Dienstag für 30 Tage in Untersuchungshaft genommen. Ihm werden Betrug und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Dieselbe Entscheidung erging gegen seinen Komplizen, den Geschäftsmann Ionel Rusen, der an der Mittelbeschaffung für Georgescus Präsidentschaftswahlkampf 2024 beteiligt war.
Der Gerichtsbeschluss ist rechtskräftig; es handelt sich hierbei um eines der derzeit aufsehenerregendsten Gerichtsverfahren des Landes. Das Gericht gab der Beschwerde der Staatsanwaltschaft DIICOT (der Anti-Mafia-Behörde) statt, die sich gegen eine frühere Entscheidung des Gerichts von Bukarest richtete; dieses hatte Georgescu zuvor unter gerichtlicher Aufsicht auf freiem Fuß belassen.
Bereits vor einer Woche war er wegen des Vorwurfs der Gründung einer kriminellen Vereinigung und Betrugs mit besonders schweren Folgen für 24 Stunden festgenommen worden. Die Ermittlungen wurden nach der Anzeige eines Geschäftsmanns aus Buzău (Südostrumänien) eingeleitet, der angibt, einen finanziellen Schaden von einer Million Euro erlitten zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Pfändung auf Călin Georgescus Villa in Mogoșoaia (bei Bukarest) veranlasst, um die Wiedergutmachung des Schadens zu sichern. Wie aus von Medien zitierten Justizkreisen verlautet, haben die Ermittler in diesem Fall Informationen aus Lettland, Italien, Großbritannien und der Schweiz angefordert.
Der geschätzte finanzielle Schaden beläuft sich auf 1,1 Millionen Euro: eine Million Euro war für Investitionen in Edelmetalle vorgesehen, 100.000 Euro für den Wahlkampf. Der Fall hat eine starke öffentliche Reaktion hervorgerufen und die Meinungen tief gespalten. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Anhänger, um ihre Unterstützung zu bekunden und die Unschuld des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten zu betonen. Demgegenüber heben andere Stimmen die Schwere der von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe hervor. Kritiker unterstreichen, dass niemand über dem Gesetz stehe, und fordern volle Transparenz hinsichtlich der Finanzierungsquellen, die Georgescu in der Vergangenheit genutzt hat.
Es ist erwähnenswert, dass die rumänischen Präsidentschaftswahlen im Dezember 2024 aufgrund des Verdachts auf russische Einmischung zugunsten von Călin Georgescu – der die erste Runde gewonnen hatte und als Gegner des Westens sowie der Ukraine-Hilfe galt – für ungültig erklärt wurden. Moskau wies die Anschuldigungen zurück, doch die Staatsanwaltschaft verwies auf Cyberangriffe und massive Desinformationskampagnen. Die Wahlen wurden im Mai 2025 wiederholt und vom proeuropäischen Nicușor Dan gewonnen; eine erneute Kandidatur von Călin Georgescu wurde untersagt. Gegen ihn laufen derzeit zwei weitere Verfahren: eines wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit und ein weiteres wegen der illegalen Verherrlichung faschistischer Führungspersönlichkeiten aus der Zwischenkriegszeit. Georgescu bestreitet alle Vorwürfe.