Energieminister Ivan: Energiesystem für Kältewelle gewappnet
Trotz klirrender Kälte in Rumänien sei die Energieversorgung stabil und das nationale Energiesystem könne der aktuellen Kälteperiode standhalten. Das versicherte der rumänische Energieminister Bogdan Ivan.
Mihai Pelin und Sorin Georgescu, 20.01.2026, 13:23
Rumänien erlebt derzeit eine Phase sibirischer Kälte mit Temperaturen deutlich unter dem jahreszeitlichen Durchschnitt, besonders spürbar ist das in den Nacht- und Morgenstunden. Die Schneedecke hat die Kälte zusätzlich verstärkt und die Luft weiter abgekühlt. Wie unter einer Kuppel eingeschlossen, konnte sich keine wärmere Luft durchsetzen, sodass extrem niedrige Temperaturen herrschten, die mancherorts bis auf minus 21 Grad Celsius fielen.
Unter diesen Bedingungen ist der Gasverbrauch stark angestiegen, eine ähnliche Entwicklung ist auch beim Stromverbrauch zu beobachten. Energieminister Bogdan Ivan hat deshalb den Nationalen Energie-Lenkungsstab einberufen. Er erklärte, die Temperaturen lägen derzeit um mehrere Grad unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre für diesen Zeitraum, entsprechend hoch sei die Energienachfrage.
Bogdan Ivan teilte mit, dass ein Verbrauchsniveau erreicht worden sei, das einen Rekord der vergangenen vier Jahre darstelle. Zugleich versicherte er jedoch, dass das nationale Energiesystem der aktuellen Kältewelle gewachsen sei. Der Energiemix sei im Bereich der Stromversorgung stabil, die Produktion laufe gut, und die Gasreserven lägen mit knapp 60 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau – auch wenn der Gasverbrauch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 14 Prozent gestiegen ist.
Mit Blick auf die geplante Aufhebung der Preisdeckelung für Erdgas ab dem 1. April zeigte sich der Minister optimistisch, dass dies nicht zu Preiserhöhungen führen werde. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass der größte inländische Produzent und wichtigste Gaslieferant Rumäniens künftig auch auf dem Endkundenmarkt tätig werden soll.
„Ich begrüße die Absicht des Unternehmens Romgaz, künftig auch als Gaslieferant zu agieren. Dies ist von großer Bedeutung, da dadurch mehr Wettbewerb entsteht – und Wettbewerb führt erfahrungsgemäß zu sinkenden Endpreisen. Sollten aufgrund internationaler Faktoren, wie dem Krieg in der Ukraine, dennoch Herausforderungen auf dem Gasmarkt auftreten, ist Rumänien vorbereitet. In diesem Fall könne ein alternativer Mechanismus greifen, bei dem die Preisobergrenze schrittweise über einen Zeitraum von einem Jahr abgebaut wird, bis zusätzliche Fördermengen aus dem Bohrprojekt Neptun Deep zur Verfügung stehen. Damit wird gewährleistet, dass sich das Land nicht erneut in einer Situation wiederfindet wie bei der früheren Aufhebung der Strompreisdeckelung.“
Eine besondere Herausforderung bleibe jedoch die Lage der großen Fernwärmenetze in Bukarest und Craiova im Südwesten des Landes. Dort sei es aufgrund des hohen Alters der Rohrnetze und fehlender Investitionen zu zahlreichen Störungen gekommen. Es werde sowohl an kurzfristigen Übergangslösungen als auch an umfangreichen Modernisierungsprojekten gearbeitet. Der Minister habe Mittel aus dem Reservefonds des Ministerpräsidenten beantragt, um die Fernwärmeprobleme der beiden Großstädte vorübergehend zu entschärfen.
Sollte die Kälteperiode weiter anhalten, sollen weitere Sitzungen des Nationalen Energie-Lenkungsstabs einberufen werden, um die Lage des nationalen Energiesystems erneut zu bewerten, so Energieminister Bogdan Ivan.