Strompreise steigen weiter
Die Behörden in Bukarest warnen vor weiter steigenden Strompreisen. Das Problem betrifft die gesamte Europäische Union und wurde auch im Europäischen Parlament debattiert.
Sorin Iordan und Sorin Georgescu, 07.10.2026, 14:29
Rumänien muss sich auf einen Winter und einen Frühling mit sehr hohen Strompreisen einstellen. Davor hat der Staatssekretär im Energieministerium und frühere Europaabgeordnete Cristian Bușoi gewarnt. Nach seinen Angaben steht das Land bei der Stromversorgung vor der schwierigsten Situation seit Jahrzehnten. Grund dafür ist unter anderem, dass die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă voraussichtlich erst am 15. Oktober wieder in Betrieb genommen werden können.
Die beiden Reaktoren decken rund 20 Prozent des heimischen Stromverbrauchs. Sie sind seit dem 28. Juli beziehungsweise seit dem 13. August abgeschaltet. Grund sind die extrem niedrigen Wasserstände der Donau. Cristian Bușoi:
„Wir befinden uns in der schwierigsten und herausforderndsten Situation seit Jahrzehnten. Die anhaltend niedrigen Abflussmengen und der niedrige Wasserstand der Donau bei Cernavodă beeinträchtigen das Kernkraftwerk erheblich. Unsere beiden Reaktoren sind weiterhin abgeschaltet. Jeder Tag, an dem wir auf Stromimporte zurückgreifen müssen, kann sich auf die Preise auswirken. Das verschärft die ohnehin äußerst schwierige und besorgniserregende Lage in Europa und beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit Europas und Rumäniens erheblich.“
Bușoi betonte zugleich, dass Rumänien derzeit keine Einschränkungen für große industrielle Stromverbraucher verhängen müsse. Allerdings werde sich der Anstieg der Strompreise auf dem europäischen Markt auch auf Rumänien auswirken. Dort könnten die Preise Rekordwerte erreichen, falls der Konflikt zwischen den USA und dem Iran länger andauert und die Straße von Hormus geschlossen bleibt.
Die Warnung des Staatssekretärs kommt vor dem Hintergrund einer Debatte über die Strompreise im Europäischen Parlament. Anwesend war auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. In ihrer Rede über den künftigen EU-Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 ging sie ausführlich auf das Thema Energie ein. Von der Leyen kündigte an, dass die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem für kommende Woche in Brüssel geplanten Gipfel auch über die weiter steigenden Energiepreise beraten werden. Dabei soll es auch um Maßnahmen gehen, mit denen die Europäische Union auf die Krise reagieren kann.
Die Kommissionspräsidentin erinnerte daran, dass bereits Mittel bereitgestellt wurden, um Unternehmen und Bürger in der EU bei den durch bewaffnete Konflikte außerhalb der Union verursachten Energiepreissteigerungen zu unterstützen. Die Hilfen sollten gezielt eingesetzt werden und vor allem besonders belasteten Familien zugutekommen. Als Beispiele nannte von der Leyen Frankreich und Rumänien. Beide Länder haben Energie-Gutscheine für bedürftige Menschen eingeführt. Dieses Modell sollte ihrer Ansicht nach auch auf EU-Ebene Schule machen.
Die Europaabgeordneten forderten ihrerseits, Europa müsse seinen Energiebedarf stärker aus eigener Produktion decken. Außerdem verlangten sie von der EU-Kommission einen Vorschlag für eine Sondersteuer auf die außerordentlich hohen Gewinne, die Energieunternehmen derzeit erzielen.