RRI Live!

Hören Sie Radio Rumänien International Live

Rumäniens Diaspora zwischen Rückkehrhoffnung und wirtschaftlicher Realität

Aufgrund der globalen Migration leben Hunderte Millionen Menschen in einem anderen Land als dem, in dem sie geboren wurden. Dabei handelt es sich überwiegend um Erwachsene im Erwerbsalter, aber auch um Studierende, ganze Familien, Flüchtlinge, Asylsuchende sowie Menschen, die durch Konflikte oder Katastrophen vertrieben wurden. Das Phänomen ist immer ausgeprägter: Während 2020 rund 275 Millionen internationale Migranten gezählt wurden, lag ihre Zahl vier Jahre später bereits bei über 304 Millionen. Migration ist dabei weder auf eine bestimmte Region noch auf eine einzelne Bevölkerungsgruppe beschränkt. Migranten stammen aus Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und weiteren Weltregionen und der Anteil der Frauen ist nahezu ebenso hoch wie jener der Männer.

Foto: pixabay.com
Foto: pixabay.com

, 16.01.2026, 13:37

Bei der Bewertung des Ausmaßes von Migration müsse jedoch, so Professor Tudorel Andrei, Präsident des Nationalen Instituts für Statistik (INS), immer auch die zugrunde liegende Definition berücksichtigt werden. Entscheidend seien die Schwelle von zwölf Monaten Aufenthaltsdauer und die Tatsache, dass es in der amtlichen Statistik zwei Konzepte gebe: internationale Migration nach Staatsangehörigkeit und internationale Migration nach Geburtsland.
„Wenn wir diese Aspekte nicht berücksichtigen, gelangen wir zu unterschiedlichen Interpretationen von Zahlen, die inoffiziell sind und weder von den Statistikämtern noch von Eurostat, der OECD oder den Vereinten Nationen getragen werden. Die drei internationalen Organisationen berechnen regelmäßig sowohl den Migrationsfluss als auch den Bestand, da die nationalen Statistiken aufgrund der europäischen Regelungen verpflichtet sind, jedes Jahr den Fluss zu berechnen, nicht aber den Bestand. Der Bestand ist eine Schätzung auf Grundlage von Daten anderer nationaler Statistikämter.“

Rumänien liegt jedenfalls weiterhin weit oben im weltweiten Vergleich der Länder mit hohen Auswanderungsraten. Nach jüngsten Eurostat-Daten leben mehr als drei Millionen Rumänen legal in anderen EU-Staaten. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl höher ist, da die amtlichen Erfassungen unvollständig sind. Dieses Ausmaß spiegelt jahrelange Abwanderung wider, die meist aus dem Wunsch nach besseren Lebensbedingungen erfolgte. Für die Mehrheit war Westeuropa das Ziel. Vor allem nach Italien, Spanien, Deutschland und Großbritannien zog es Rumänen. Eine große Rolle spielten dabei die Arbeitskräftenachfrage, die bestehenden rumänischen Gemeinden im jeweiligen Land und wirtschaftliche Chancen – sowie die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU.

Zugleich zeigen die Daten, dass sich das Profil der Auswanderer in den vergangenen Jahren verändert hat. Das Durchschnittsalter liegt inzwischen etwas höher, bei rund 35 Jahren, und der Anteil von Personen mit Hochschulabschluss ist auf etwa 40 Prozent gestiegen, sagt Tudorel Andrei: „Wir haben zwei Kategorien. Einige verlassen das Land aus unterschiedlichen wirtschaftlichen und kulturellen Gründen, kehren aber dann heim. Es gibt aber auch Rumänen, die ihren Wohnsitz für immer verlegen, und deren Zahl liegt im Jahresdurchschnitt bei über 25.000. Der Höchststand wurde 2022 erreicht, damals haben mehr als 50.000 das Land endgültig verlassen, und 2024 lagen die vorläufigen Daten bei rund 29.000.“

Studien und Berichte zeigen zudem, dass ein Teil der ausgewanderten Rumänen im Ausland für die gefundenen Arbeitsplätze überqualifiziert ist. Und auffällig ist, dass die rumänische Emigration der letzten Jahre zu etwa 55 Prozent aus Frauen besteht, während der globale Trend ausgeglichener ist. Gleichzeitig zeichnet sich zunehmend eine Rückkehrbewegung ab. Allein im vergangenen Jahr sind fast 220.000 Menschen zurückgekehrt, entweder dauerhaft oder um das Leben in Rumänien zeitweilig erneut auszuprobieren. Eine aktuelle Umfrage der Organisation Repatriot zeigt, dass 29 Prozent der Rumänen in der Diaspora eine endgültige Rückkehr erwägen, insbesondere jene in Israel, Irland, Italien, Spanien, Portugal, den Niederlanden und Großbritannien.

Dennoch bleibt die Bilanz instabil: Während einige zurückkehren, wandern andere weiter aus, angezogen von finanzieller Sicherheit und besseren Perspektiven im Ausland. Das Ergebnis ist eine Diaspora, die insgesamt ihre Größe bewahrt und zwischen Rückkehrhoffnung und wirtschaftlicher Realität pendelt, so der Chef des Nationalen Instituts für Statistik, Tudorel Andrei: „Die Tendenz geht zur Rückkehr. Aber intern gibt es sehr viele Menschen, die in der Regel in asiatischen Ländern geboren sind und nach Rumänien einwandern. Nach den jüngsten Daten sind im Jahr 2024 fast 290.000 Einwanderer nach Rumänien gekommen, ein Teil davon Rumänen, die aus Spanien, aus Großbritannien oder aus Deutschland zurückgekehrt sind. Rund 65 bis 70 Prozent der Eingereisten sind Rumänen. Interessant ist die hohe Zahl von Kindern, die im Ausland von mindestens einem Elternteil rumänischer Herkunft geboren wurden und die in Rumänien registriert sind. Im Zeitraum 2014–2024 wurden über 370.000 Kinder im Ausland geboren und auch in Rumänien registriert.“

Das bedeute, so Andrei weiter, dass es zumindest eine kulturelle Bindung zwischen den ausgewanderten Rumänen und den Herkunftsorten gebe und diese vermutlich eine der wichtigen Motivationen für eine spätere Rückkehr ins Land darstelle.

 

Die Risiken der digitalen Welt
Das globale Dorf Freitag, 10 April 2026

Die Risiken der digitalen Welt

  RadioRomaniaInternational · Die Risiken der digitalen Welt   Immer mehr Zeit wird online verbracht. Das bleibt nicht ohne Folgen:...

Die Risiken der digitalen Welt
Wirtschaft: Kompliziertes Lagebild, große Herausforderungen
Das globale Dorf Freitag, 03 April 2026

Wirtschaft: Kompliziertes Lagebild, große Herausforderungen

Rumänien ist bereits seit der Zeit vor der Pandemie in einem EU-Verfahren wegen übermäßigen Haushaltsdefizits, doch auch ohne Pandemie ist das...

Wirtschaft: Kompliziertes Lagebild, große Herausforderungen
Boris Gurzhy (Junior Enterprises Europe): Europa wieder wettbewerbsfähig machen
Das globale Dorf Dienstag, 31 März 2026

Boris Gurzhy (Junior Enterprises Europe): Europa wieder wettbewerbsfähig machen

Rund 140 Teilnehmer, darunter Gymnasiasten und ihre Lehrer sowie junge Erwachsene aus Jugendorganisationen, haben in interaktiven Workshops,...

Boris Gurzhy (Junior Enterprises Europe): Europa wieder wettbewerbsfähig machen
Produktion von Kernenergie in der EU 2024 (Fotoquelle: Eurostat)
Das globale Dorf Freitag, 20 März 2026

EU denkt bei Energieversorgung um

  RadioRomaniaInternational · EU denkt bei Energieversorgung um   In den letzten Jahren hat die Union eine ehrgeizige Strategie verfolgt:...

EU denkt bei Energieversorgung um
Das globale Dorf Freitag, 06 März 2026

Krieg in der Ukraine: ein Konflikt ohne klares Ende

  RadioRomaniaInternational · Krieg in der Ukraine: ein Konflikt ohne klares Ende   Die explosive Lage im Nahen Osten hat die...

Krieg in der Ukraine: ein Konflikt ohne klares Ende
Das globale Dorf Freitag, 20 Februar 2026

Rüstungsindustrie: Grünes Licht für SAFE-Projekte

Auslöser für SAFE war der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine – mit all seinen gravierenden Folgen für die europäische Sicherheit. Das...

Rüstungsindustrie: Grünes Licht für SAFE-Projekte
Das globale Dorf Freitag, 13 Februar 2026

Europa der zwei Geschwindigkeiten: die wahre Lösung für die Umsetzung einer gemeinsamen EU-Politik?

Vorgesehen wäre die Bildung eines Kerns – hauptsächlich bestehend aus den entwickelten westeuropäischen Ländern –, der in Bereichen wie...

Europa der zwei Geschwindigkeiten: die wahre Lösung für die Umsetzung einer gemeinsamen EU-Politik?
Das globale Dorf Freitag, 06 Februar 2026

KI im Einsatz: die Macht der Algorithmen

  RadioRomaniaInternational · KI im Einsatz: die Macht der Algorithmen   In vielen Bereichen werden Entscheidungen inzwischen nicht mehr...

KI im Einsatz: die Macht der Algorithmen

Partner

Muzeul Național al Țăranului Român Muzeul Național al Țăranului Român
Liga Studentilor Romani din Strainatate - LSRS Liga Studentilor Romani din Strainatate - LSRS
Modernism | The Leading Romanian Art Magazine Online Modernism | The Leading Romanian Art Magazine Online
Institului European din România Institului European din România
Institutul Francez din România – Bucureşti Institutul Francez din România – Bucureşti
Muzeul Național de Artă al României Muzeul Național de Artă al României
Le petit Journal Le petit Journal
Radio Prague International Radio Prague International
Muzeul Național de Istorie a României Muzeul Național de Istorie a României
ARCUB ARCUB
Radio Canada International Radio Canada International
Muzeul Național al Satului „Dimitrie Gusti” Muzeul Național al Satului „Dimitrie Gusti”
SWI swissinfo.ch SWI swissinfo.ch
UBB Radio ONLINE UBB Radio ONLINE
Strona główna - English Section - polskieradio.pl Strona główna - English Section - polskieradio.pl
creart - Centrul de Creație Artă și Tradiție al Municipiului Bucuresti creart - Centrul de Creație Artă și Tradiție al Municipiului Bucuresti
italradio italradio
Institutul Confucius Institutul Confucius
BUCPRESS - știri din Cernăuți BUCPRESS - știri din Cernăuți

Mitgliedschaften

Euranet Plus Euranet Plus
AIB | the trade association for international broadcasters AIB | the trade association for international broadcasters
Digital Radio Mondiale Digital Radio Mondiale
News and current affairs from Germany and around the world News and current affairs from Germany and around the world
Comunità radiotelevisiva italofona Comunità radiotelevisiva italofona

Provider

RADIOCOM RADIOCOM
Zeno Media - The Everything Audio Company Zeno Media - The Everything Audio Company