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Alina Șerban als Boxerin Ali in Gipsy Queen – eine Story jenseits ethnischer Klischees

Alina Șerban, als erste Roma-Frau mit dem Orden „Kultureller Verdienst“ im Ritter-Rang ausgezeichnet, ist dieses Jahr in
„Gipsy Queen“ zu sehen. In der österreichisch-deutschen Koproduktion unter der Regie von Hüseyin Tabak spielt Alina Șerban die Hauptrolle spielt: Ali ist eine Mutter, die in einer von Ungleichheit geprägten Welt für die Zukunft ihrer Kinder kämpft.

Filmplakat Gipsy Queen
Filmplakat Gipsy Queen

, 11.04.2026, 11:41

Alina Șerban ist als erste Roma-Frau mit dem Orden „Kultureller Verdienst“ im Ritter-Rang ausgezeichnet worden und hat ihren Weg an der Schnittstelle von sozialem Theater, Film und kulturellem Aktivismus aufgebaut. Sie hat Schauspiel an der Universität für Theater- und Filmkunst in Bukarest studiert, sich aber auch an renommierten internationalen Einrichtungen wie der Royal Academy of Dramatic Art in London und der New York University Tisch School of the Arts weitergebildet. 

Sie hat Rumänien beim Filmfestival von Cannes mit dem Film „Allein auf meiner Hochzeit“ vertreten und dafür internationale Anerkennung sowie Preise als beste Schauspielerin erhalten. Serban spielte auch in „Housekeeping for Beginners“ mit, ausgezeichnet beim Filmfestival von Venedig und von Nordmazedonien für die Oscar-Verleihung eingereicht. 2024 hat sie beim Nationalen Filmzentrum den ersten Platz in der Debütsektion für ihren ersten Langfilm „Ich zähle“ gewonnen. 

„Gipsy Queen“, der in diesem Jahr in den rumänischen Kinos angelaufen ist, ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion unter der Regie von Hüseyin Tabak, in der Alina Șerban die Hauptrolle spielt: Ali – eine Mutter, die in einer von Ungleichheit geprägten Welt für die Zukunft ihrer Kinder kämpft. Der Film erzählt die Geschichte einer Roma-Frau, die Rumänien verlässt, nach Deutschland geht und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Über die ethnische Identität der Hauptfigur hinaus erzählt der Film eine universelle Geschichte, und die Figur Ali ist als vielschichtige, würdige und starke Frau angelegt – fern von Klischees, sagt Alina Șerban.

„Ali ist eine Frau, die Rumänien verlässt und nach Deutschland geht und dort alle möglichen Jobs annimmt, Seite an Seite mit Männern – sogar auf Baustellen – nur um für das tägliche Brot zu sorgen. Vielleicht ist sie körperlich nicht immer fir dafür, aber sie findet die Kraft. Denn wenn du für deine Liebsten kämpfst, entdeckst du in dir Ressourcen, die dir gar nicht bewusst waren. Ali führt aber auch einen anderen Kampf: mit der schwierigen Situation, alleinerziehende Mutter zu sein, und mit dem Wunsch, respektiert zu werden. Für mich war es wichtig, Ali als Mutter spielen zu können. Ich habe selbst noch keine Erfahrung mit Mutterschaft, aber es fiel mir leichter, diese Seite der Figur zu entwickeln. Schwieriger war es, Ali die Boxerin, zu werden – und natürlich Deutsch zu sprechen. Die Geschichte hat mich auch berührt, weil ich um mich herum viele Frauen gesehen habe, die kämpfen und oft nicht sichtbar sind. Deshalb war es für mich eine Ehre, diese Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Regisseur Hüseyin Tabak hat mir von Anfang an gesagt, dass der Film seiner Mutter gewidmet ist. Leider ist sie kurz vor Beginn der Dreharbeiten plötzlich gestorben, und ich spürte noch mehr Verantwortung. Am Ende ist Alis Kampf unser aller Kampf. Es ist der Kampf mit dem Leben, mit seinen Höhen und Tiefen, vor allem wenn du ohne die besten Chancen startest und dreimal so viel leisten musst wie andere, um dir einen Platz in einer Welt zu erkämpfen, die nicht auf dich wartet.“

Der Film hat auch einige aufwendige Produktionselemente: Er enthält die längste je im Kino gedrehte Boxszene (etwa sieben Minuten), und in der Besetzung sind die Boxweltmeisterin Maria Lindberg und der frühere deutsche Boxer Jürgen Blin zu sehen, bekannt für seinen Kampf gegen Muhammad Ali, erzählt die Schauspielerin.

„Ich habe sehr viele körperliche und seelische Herausforderungen durchgemacht, und bis zum letzten Drehtag wussten wir nicht, ob wir es schaffen würden. Eine Schauspielerin mit einer Weltmeisterin in den Ring zu stellen, ist natürlich riskant. Die Schläge im Film sind echt und gefährlich. Maria musste wirklich boxen und nicht nur so tun, als ob, und ich auch – nur haben wir versucht, ein Gleichgewicht zu halten: glaubwürdig, aber ohne an die maximale Kraft zu gehen. Die Erfahrung an sich war fast wie ein eigener Film. Es gab auch Leute, die mir schon vor den Dreharbeiten gesagt haben, ich solle aufgeben, das sei unmöglich zu schaffen. Aber ich habe weitergemacht, vor allem weil der Film der Mutter des Regisseurs Hüseyin Tabak gewidmet war, und für mich war diese Geschichte zu wichtig, um aufzugeben. Ich war selbst nicht überzeugt, dass ich die Szene bis zum Ende durchhalte, weil ich noch nie geboxt hatte, aber ich habe versprochen, nicht aufzugeben. Und ich habe nicht aufgegeben. Wenn ich mir diese Szene heute anschaue, erkenne ich mich kaum wieder. Ich musste zu dieser Figur werden, sie so glaubwürdig wie möglich darstellen und mich danach wieder von ihr lösen. Und ehrlich gesagt fühle ich auch jetzt, nach so vielen Jahren, manchmal noch Spuren von Ali in meinem Körper – die leicht angespannten Schultern, diese Haltung einer Kämpferin – und ich versuche ab und zu noch, Ali aus mir herauszubekommen.“

Der Film hat elf internationale Nominierungen und sieben Preise erhalten, darunter den Preis der Ökumenischen Jury beim Tallinn Black Nights Film Festival sowie Nominierungen für die European Film Awards, die Österreichischen Filmpreise und den Deutschen Filmpreis LOLA. Für „Gipsy Queen“ hat Alina Șerban vier Auszeichnungen als beste Schauspielerin bekommen, darunter „Beste Schauspielerin Deutschlands“ bei den German Actors Guild Awards – obwohl sie kein Deutsch spricht. Mit der Premiere ist auch die Kampagne „Eine Kampagne für gleiche Chancen auf Bildung und Sport“ gestartet, gemeinsam mit Cinema City. Hintergrund ist die hohe Schulabbruchquote in Rumänien, die fast 17 Prozent erreicht hat. Die Einnahmen aus den verkauften Kinokarten im Cinema-City-Netz sind vollständig an zwei Heime geflossen, die Kinder mit Risiko auf Schulabbruch unterstützen – Einrichtungen, die Alina seit fünf Jahren fördert.

Foto: facebook.com/ioanamischie
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