Straße 11. Juni: Wie eine Bukarester Gasse zur historischen Verkehrsader wurde
Die Ausstellung des Stadtmuseums Bukarest bietet einen dokumentarisch und visuell gestützten Streifzug durch die Geschichte einer der ältesten Verkehrsadern der Hauptstadt und verfolgt deren urbane, soziale und architektonische Verwandlung vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Ion Puican, 28.02.2026, 19:46
Die Ausstellung verfolgt die Verwandlung einer alten Bukarester Gasse in eine bedeutende Verkehrsader der Stadt anhand von Dokumenten, Bildern und Zeitzeugnissen. Sie kann bis zum 29. März besucht werden. Über die Ausstellung sprachen wir mit der Museographin des Stadtmuseums Bukarest, Florentina Limban:
„Diese Ausstellung ist ein Vorhaben, um eine Seite aus der vergangenen und gegenwärtigen Geschichte der Straße 11. Juni wieder in die Aktualität zu rücken – ihre architektonisch-urbanistischen und historischen Werte. Die Straße 11. Juni beginnt am Fuße des Metropolitenhügels und endet am kleinen Platz am Eingang des Carol-I.-Parks, wobei sie den Boulevard Regina Maria mit diesem Park verbindet. Die früheren Bezeichnungen der Straße waren ‚Strada Nouă‘ (Neue Straße) und ‚Strada Filaretul‘.“
Wie lautet die Geschichte der Benennung dieser Straße der Hauptstadt?
„Ihr Name erinnert an die Ereignisse, die sich am 11. Juni 1848 abspielten. Auf den Ruf der Revolutionsführer hin versammelten sich die Bukarester im Zentrum der Hauptstadt, wo die Proklamation von Islaz verlesen wurde. Ab dem Jahr 1848 wurde die Câmpia Filaretului (Filaret-Ebene) in Câmpia Libertății (Feld der Freiheit) umbenannt. Die Menge durchquerte die Strada Filaretului, die ab dem Jahr 1878 den Namen Straße des 11. Juni tragen sollte. In der Ausstellung können Gemälde und Stiche mit Porträts von Revolutionären der Achtundvierziger-Bewegung sowie gedruckte Dokumente bewundert werden, die die Aktionen dieser Persönlichkeiten unterstützten. Der Name der Straße erinnert auch an die politische Maßnahme, die 100 Jahre später, am 11. Juni 1948, ergriffen wurde, als die Große Nationalversammlung das Gesetz 119 über die Verstaatlichung verabschiedete: die Überführung von Privateigentum in Staatseigentum. Dies war auch das Schicksal vieler Gebäude in der Straße 11. Juni. Vielleicht hat sich der Name der Straße deshalb auch in der kommunistischen Zeit erhalten.“
Florentina Limban nennt uns einige Beispiele, was die Besucher in der Ausstellung sehen können:
„In der Ausstellung werden die topografischen Pläne präsentiert, die vom Major Baron Rudolf Arthur von Borroczyn in der Zeit von 1846 bis 1852, vom Oberstleutnant Dimitrie Papazoglu aus dem Jahr 1871 und von G. M. Mumuianu aus dem Jahr 1895 angefertigt wurden. Der Plan aus dem Jahr 1895 umfasst die Privatgebäude mit den Namen der jeweiligen Eigentümer, die öffentlichen Gebäude, die Verteilung des städtischen Grundbesitzes und die Einwohnerzahl. Er stellt ein wichtiges Dokument für Historiker, Geographen, Ökonomen und Statistiker dar. In der Ausstellung können vier Werke des Malers Theodor Romanați aus dem Jahr 1932 bewundert werden. Es handelt sich um kolorierte Tuschezeichnungen auf Papier, die die architektonischen und landschaftlichen Veränderungen des Metropolitenhügels im Laufe der Zeit darstellen. In der Ausstellung wird auch das Werk von Silaghi aus dem Jahr 1929 präsentiert. Es ist eine Zeichnung in Tusche und mit Feder und Aquarell und zeigt einen Festtag am Fuße des Metropolitenhügels. Dazu zwei Kirchenbücher: das Minäon des Monats Juni, gedruckt im Jahr 1780, und ein Liturgikon, gedruckt im Jahr 1784. Beide liturgischen Bücher sind in kyrillischer Schrift in rumänischer Sprache verfasst.“
Wir sprachen auch über das Gebiet, in dem sich die Straße 11. Juni befindet, beziehungsweise über einen der schönsten Parks Bukarests:
„Auf dem Filaret-Hügel befindet sich der Carol-I.-Park. Die Gestaltung des Parks wurde in der Zeit von 1900 bis 1906 nach den Plänen des französischen Landschaftsarchitekten Édouard Redont ausgeführt und im Jahr 1906 anlässlich der Feier von 40 Jahren Herrschaft König Carols I. und 25 Jahren seit der Proklamation des Königreichs Rumänien eingeweiht. In der Ausstellung werden Fotografien von Denkmälern aus dem Carol-Park gezeigt.“
Zum Abschluss unseres Gesprächs sagte uns die Museographin Florentina Limban einige Worte über die Bedeutung dieser alten Bukarester Straße:
„Die Straße 11. Juni veranschaulicht die Verwandlung Bukarests von einem peripheren Vorstadtviertel in ein bedeutendes städtisches Gebiet. Ursprünglich von Handwerkern, Gemüsehändlern und Kaufleuten bewohnt, wurde sie mit der Zeit zum Lebensraum einer städtischen Mittelschicht, bestehend aus Beamten, Lehrern und Arbeitern aus dem Süden der Stadt. Die Straße bewahrt auch Bauwerke aus dem 19. Jahrhundert sowie Bojaren- und Kaufmannshäuser aus dem 20. Jahrhundert.“