Picasso in Temeschwar: 69 Werke und ein neues Zuhause für die Kunst
Picasso gehört zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Werke haben die Kunstwelt verändert – und seine Kreativität beschränkte sich keineswegs auf die Malerei. Er experimentierte mit Zeichnungen, Grafiken und Keramik und ließ sich von der mediterranen Landschaft und der Mythologie inspirieren. In Timișoara im Westen Rumäniens ist nun eine außergewöhnliche Ausstellung zu sehen: Fast 70 Werke aus dem Picasso-Museum im französischen Antibes werden erstmals in Rumänien gezeigt. Gleichzeitig eröffnet ein neu gestaltetes Kulturzentrum.
Eugen Cojocariu und Alex Sterescu, 31.10.2026, 14:46
Am 17. September 1946 betrat Pablo Picasso zum ersten Mal das Schloss Grimaldi im südfranzösischen Antibes. Genau 80 Jahre später erinnert die Ausstellung „Picasso en visite“ an diesen Besuch. Gezeigt werden 69 Werke aus dem Musée Picasso Antibes – darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Lithografien und Keramiken. Keines dieser Werke war bisher in Rumänien zu sehen.
Organisiert wird die Ausstellung von der Stiftung Art Encounters in Zusammenarbeit mit dem Picasso-Museum in Antibes. Kurator ist dessen Direktor Jean-Louis Andral. Die Auswahl zeigt Picasso als vielseitigen Künstler, der sich von der Natur, dem Licht des Mittelmeers und der Mythologie inspirieren ließ und mühelos zwischen verschiedenen Techniken wechselte.
Für Ovidiu Șandor, den Vorsitzenden der Stiftung Art Encounters, ist die Ausstellung eine besondere Gelegenheit, die Werke des spanischen Künstlers unmittelbar zu erleben:
„Wir freuen uns sehr, eine Picasso-Ausstellung in Timișoara zeigen zu können. Es ist eine außergewöhnliche Leihgabe des Picasso-Museums in Antibes mit fast 70 Werken: Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Keramik und von Picasso illustrierte Bücher.
In einer Welt, in der wir ständig von digitalen Bildern umgeben sind, ist es wichtig, Kunstwerke auch einmal direkt zu erleben – auf Leinwand, Papier und in ihrer tatsächlichen Materialität. Die Ausstellung bietet einem breiten Publikum die Möglichkeit, Picasso neu zu entdecken und vielleicht auch weniger bekannte Seiten seines Schaffens kennenzulernen. Besonders deutlich wird dabei, wie mühelos er zwischen unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen wechseln konnte. Rund um die Ausstellung planen wir ein umfangreiches Programm mit Aktivitäten und Veranstaltungen.“
Die Schau ist zugleich der Auftakt für das neu gestaltete Zentrum der Stiftung Art Encounters. Das Gebäude wurde von Attila Kim Architects modernisiert und an internationale Museumsstandards angepasst. Neben den Ausstellungsräumen gibt es nun auch einen Bereich für die Kunstvermittlung mit Kindern, eine Bibliothek, eine Kunstbuchhandlung, ein Café und einen Garten.
Was sich mit der Neugestaltung verändert hat, erläutert erneut Ovidiu Șandor:
„Es handelt sich um deutlich mehr als nur um zusätzliche Ausstellungsfläche. Vor allem haben wir die Räume im Obergeschoss auf einen angemessenen Museumsstandard gebracht. Temperatur und Luftfeuchtigkeit lassen sich jetzt kontrollieren, auch die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen den Anforderungen. Deshalb können wir hier nun auch eine Ausstellung wie die Picasso-Schau zeigen.
Das Erdgeschoss ist dagegen als offener Ort für die Stadt und die Gemeinschaft gedacht. Hier gibt es die Funktionen eines kleinen Museums: eine Buchhandlung mit Schwerpunkt Kunst, aber auch Produkte lokaler Designer und Angebote mit Bezug zu Timișoara. Die Picasso-Ausstellung ist unsere erste große Schau dieser Art. Wir möchten künftig einmal im Jahr eine Ausstellung mit international bekannten Künstlern präsentieren und zugleich unser Programm zur zeitgenössischen Kunst fortsetzen.“
Die Ausstellung ist thematisch und nicht streng chronologisch aufgebaut. Sie führt durch wiederkehrende Motive in Picassos Werk: sein Atelier, die Musen, die ihn inspirierten, Stillleben, mythologische Figuren und Tiere. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten wie „Der Zentaur und das Schiff“, „Sitzender Fischer mit Mütze“ und „Bacchanal mit schwarzem Stier“.
Diana Marincu, künstlerische Leiterin der Stiftung Art Encounters, erklärt, was die verschiedenen Werke miteinander verbindet:
„Der Rundgang folgt einigen wiederkehrenden Themen in Picassos Schaffen. Der erste Saal gibt einen Überblick und zeigt auch eine Chronologie seines Lebens. In der Ausstellung sind außerdem sehr schöne Fotografien aus der Sima-Sammlung zu sehen, die Picasso bei der Arbeit und in seiner mediterranen Welt zeigen.
Weitere Themen sind sein Atelier, die Musen, Stillleben, mythologische Motive und Tiere. Was die Werke jedoch am stärksten verbindet, ist Picassos außergewöhnliche Vielseitigkeit. Wir sehen Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Keramik. Er war unermüdlich auf der Suche nach neuen Materialien und Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken.“
Für die Ausstellung und die Umgestaltung des Gebäudes zeichnet der Architekt und Designer Attila Kim verantwortlich. Er hat nicht nur das Ausstellungskonzept gestaltet, sondern auch das neue Zentrum als kulturellen Treffpunkt mitentwickelt. Die Anpassung an internationale Museumsstandards sei heute keine außergewöhnliche Anforderung mehr, betont er:
„Wenn heute Kunst ausgestellt wird, sollten bestimmte Anforderungen selbstverständlich sein. Dazu gehören die Kontrolle der Luft, der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur sowie die Sicherheit der Werke. Das sollte sowohl für Galerien als auch für Museen normal sein.
Ich freue mich sehr, dass es private Initiativen gibt, die dazu beitragen, solche Standards selbstverständlich zu machen. Nicht nur öffentliche Museen sollten in der Lage sein, die notwendigen Bedingungen für die Präsentation von Kunstwerken zu schaffen. Auch private Einrichtungen können das leisten. Ich glaube, dass darin die Zukunft liegt – und dass solche Bedingungen kein Luxus mehr sein sollten.“
Mit „Picasso en visite“ bekommt Timișoara nicht nur eine außergewöhnliche Ausstellung, sondern auch einen neuen Ort für Begegnungen mit Kunst. Die Schau im Zentrum Art Encounters ist eine Einladung, einen der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts aus verschiedenen Perspektiven neu zu entdecken.