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Feindinnen des Volkes – Frauenverfolgung und Widerstand im kommunistischen Rumänien

Der Ausdruck „Feind des Volkes“ tauchte im rumänischen Raum mit der Errichtung des kommunistischen Regimes durch die sowjetische Armee auf.

1960-ті роки та відродження румунської дипломатії
1960-ті роки та відродження румунської дипломатії

, 22.12.2025, 13:13

Hunderttausende Rumänen wurden mit den unterschiedlichsten Vorwürfen inhaftiert – von der bloßen Äußerung regimekritischer Meinungen bis hin zu Partisanen, die mit der Waffe in der Hand gekämpft hatten. Die kommunistische Justiz und die Presse waren die wichtigsten Instrumente, mit denen die sogenannten „Feinde des Volkes“ dem öffentlichen Pranger ausgesetzt wurden. Der Ausdruck war nicht nur ein stilistisches Mittel der Presse, sondern ein Anklagepunkt und Grundlage strafrechtlicher Verurteilungen. Die Liste der „Feinde des Volkes“ ist so lang, dass ganze Bibliotheken nötig wären, um sie zu erfassen.

 

Es gab jedoch auch „Feindinnen des Volkes“. Frauen, Verwandte von „Feinden des Volkes“, erlitten gemeinsam mit den Männern kaum vorstellbare physische und psychische Verfolgungen. Sie wurden in Gefängnisse geworfen, ihnen wurden Nahrung, Wärme, Ruhe, Licht und Kleidung entzogen, sie wurden bis zum Tod gefoltert, sie brachten Kinder in Zellen zur Welt. Das Memorial der Opfer des Kommunismus und des Widerstands hat eine Statistik über die Frauen erstellt, die während des Kommunismus Verfolgungen ausgesetzt waren. Fünf Prozent der aus politischen Gründen inhaftierten Gefangenen im kommunistischen Rumänien waren Frauen, insgesamt mehrere Tausend. Die Gründe reichten von ihrer Einstufung als gefährlich für die soziale Ordnung des kommunistischen Staates bis zu ihrer Inhaftierung als Angehörige männlicher Häftlinge. Von ihnen überlebten 1,25 Prozent die Haft nicht. Nach sozialer Herkunft waren 27 Prozent bürgerlich, 45 Prozent Bäuerinnen, 21 Prozent Arbeiterinnen, 1,5 Prozent Großbäuerinnen. Nach politischer Zugehörigkeit waren 89 Prozent unpolitisch, 5 Prozent Demokratinnen, 6 Prozent Sozialistinnen und Kommunistinnen. Nach Bildungsstand hatten 28 Prozent eine höhere Schulbildung, 26 Prozent eine Grundschulbildung, 15 Prozent eine elementare Schulbildung, 13 Prozent eine Hochschulausbildung, 4 Prozent eine berufliche Ausbildung, 9 Prozent waren Analphabetinnen.

 

Die Schicksale dieser Frauen wurden in der Ausstellung „Feindinnen des Volkes“ im Nationalen Geschichtsmuseum Rumäniens präsentiert, wo die Schautafeln Fälle echten Heldentums zeigen. Aus Filmen und Erzählungen sind wir es gewohnt zu glauben, dass sich ein Held oder eine Heldin im Kampf, an der Front, auszeichnet. Doch das wirkliche Leben zeigt uns, dass auch jene Heldinnen sind, die sich ihrem ungerechten Schicksal mit Würde und Ehre stellen. Die Dichterin Ana Blandiana sagte, dass diese mutigen Frauen jenseits der grausamen Zeiten, die sie erlebt und die sie auf eine harte Probe gestellt haben, für das edelste menschliche Gefühl gelitten hätten:


„Es ist im Grunde eine Ausstellung über die Liebe. Diese Ausstellung, die Frauen zusammenführt, die in den kommunistischen Gefängnissen gesessen haben, spricht nicht über die Ideologie dieser Frauen, von der ich glaube, dass sie sich so gar nicht definieren ließ. Die zahlreichen und komplexen Gründe, die sie ins Gefängnis gebracht haben, waren nur zu einem kleinen Teil politisch. Die Grundlage der Widerstandskraft, ihrer Fähigkeit, sich selbst treu zu bleiben, war in Wirklichkeit die Liebe. Denn in den meisten Fällen sind diese Frauen so weit gegangen, dass einige sogar ihr Leben gaben, weil sie ihre Väter, Brüder, Geliebten oder Ehemänner nicht verraten haben. Das ist diese Eigenschaft, diese weibliche Kraft! Außerdem kann sich der Schriftsteller in mir nicht davon abhalten, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass in der rumänischen Literatur, vor allem in der Literatur Siebenbürgens, die Frauenporträts von großer Stärke sind. Die Frau in den siebenbürgischen Romanen ist stärker als die Männer, und diese Stärke ist in unserer Ausstellung in außergewöhnlicher Weise sichtbar.“

 

Jeder von uns verfügt über innere Ressourcen an Menschlichkeit, die wir nicht erahnen. Und die Ressourcen der Liebe dieser schwer geprüften Frauen waren die Kraft, zu widerstehen und für das Gute und Gerechte zu kämpfen. Ana Blandiana:

 

„Was im Schicksal dieser Frauen politisch ist, was zur aktuellen Geschichte gehört, ist die Tatsache, dass sie – durch ihre Prägung, durch ihr Wesen und ihre Stärke – einer Welt angehörten, die sich nicht hat degradieren lassen. Denken wir daran, dass am Ende des Römischen Reiches die Menschheit durch die Frohe Botschaft, das Evangelium, gerettet wurde. Die Frohe Botschaft lautete: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und zwanzig Jahrhunderte später stand die Liebe, auch wenn sie immer wieder mit Füßen getreten wurde, theoretisch an der Basis der moralischen Architektur der Menschheit. Im 20. Jahrhundert, auch in dem Rumänien, in dem diese Frauen lebten, war die Liebe durch Hass ersetzt worden – Klassenhass, zuvor Rassenhass. Aber das ist letztlich unerheblich. Entscheidend ist, dass die Liebe keine Rolle mehr in der Gesellschaft spielte, sie war durch Hass ersetzt worden, und diese Frauen haben das nicht akzeptiert.“

 

Die Frauen in den kommunistischen Gefängnissen haben für Ideale gelitten, für andere Menschen, für ihre Prinzipien, für das, was uns zu Menschen macht.
Ana Blandiana
weiter dazu:

 

„Die Liebe zwischen Männern und Frauen steht sogar an der Grundlage unserer Existenz. Ich möchte, dass wir diese Ausstellung jenseits all dessen betrachten, was wir über den Kommunismus wissen, über all das Monströse dieser Gesellschaft, und sie in gewisser Weise philosophisch sehen. Denn alles, was diese Frauen getan haben – denen es im Gefängnis offensichtlich schwerer erging als den Männern –, all das hatte mit der eigentlichen menschlichen Essenz zu tun, und unsere Ausstellung ist eine Hommage an die Kraft der Frauen, Menschen zu bleiben.“

 

Die „Feindinnen des Volkes“ befinden sich heute in einer besseren Welt, und für uns sind sie menschliche Legenden. Sie waren tatsächlich Feindinnen. Aber Feindinnen des Bösen und all dessen, was unmenschlich ist.

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