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Lebensmittelbanken gegen Verschwendung

Rumänische Haushalte haben jährlich mehr als 3,4 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – das entspricht einem Lastwagen voller Essen pro Minute. Gleichzeitig sind aber mehr als 27 Prozent der Bevölkerung von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht und haben Schwierigkeiten, sich täglich eine vollständige Mahlzeit zu leisten. Auf dieses drastische Paradox gibt es eine Antwort: Was in Deutschland. Österreich und der Schweiz die Tafeln sind, nennt man in Rumänien Lebensmittelbanken.

Sursa foto: Federația Băncilor pentru Alimente din România - FBAR  / Facebook
Sursa foto: Federația Băncilor pentru Alimente din România - FBAR / Facebook

, 25.03.2026, 14:01

Ihr Netzwerk umfasst neun städtische Standorte – Bukarest, Cluj, Roman, Brașov, Oradea, Timișoara, Craiova, Constanța und Galați. Der Dachverband macht auch auf verbreitete Irrtümer aufmerksam, die die Lebensmittelverschwendung begünstigen. Einer davon: Vor allem Supermärkte seien verantwortlich, während Haushalte kaum ins Gewicht fielen. Tatsächlich ist es anders – wie die Vertreterin des Bundes der Lebensmittelbanken, Andreea Bobiș, erklärt:
„Wahrscheinlich haben auch die gesellschaftlichen Veränderungen uns in diese Richtung geführt – aber eben nicht nur. Man wird ständig mit Angeboten überflutet, Konsum wird von überall gefördert, wir leben im Schnelldurchlauf… die Verschwendung erreicht deshalb ein alarmierend hohes Ausmaß. In puncto Lebensmittelverschwendung denken viele sofort an Supermärkte oder Restaurants. In Wirklichkeit werfen auch wir zu Hause etwa die Hälfte dieser Menge weg. Nur merkt man es nicht – hier landet ein halber Joghurt im Abfall, dort ein Viertel Butter, zwei Scheiben Brot. Am Monats- oder Jahresende kommen zusammengerechnet beeindruckende Zahlen heraus.“

Da Haushalte einen großen Teil der Verschwendung ausmachen, empfehlen Fachleute einen einfachen Test: das „Sparglas der Verschwendung“. Dabei wird der Wert der weggeworfenen Lebensmittel in ein Glas gelegt – so wird am Monatsende sichtbar, was mangelnde Planung kostet. Es gibt einfache Mittel gegen das Wegwerfen, empfiehlt Andreea Bobiș:  „Die erste Lösung ist, mit Einkaufslisten zu arbeiten. Beim Kühlschrank sollte gelten – was zuerst reinkommt, wird zuerst verbraucht. Auch hilft ein Bereich für Lebensmittel mit dem Label <iss mich zuerst!>. Und natürlich kann man Reste einfrieren, um sie später zu nutzen. Das sind kleine Gewohnheiten mit großer Wirkung.“

Viele Lebensmittel landen auch wegen missverstandener Etiketten im Müll. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Verbrauchsdatum und Mindesthaktbarkeitsdatum. Im ersten Fall steht auf dem Etikett („zu verbrauchen bis“) und das betrifft die Sicherheit, vor allem bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fleisch oder Milchprodukte. Nach Ablauf sollte man diese nicht mehr essen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum hat mit der Qualität zu tun, wobei das Produkt oft auch danach noch genießbar sein – allerdings sollte man Geruch, Aussehen und Geschmack prüfen. Nudeln, Reis, Konserven oder Kaffee können oft auch nach diesem Datum noch verwendet werden, solange die Verpackung unbeschädigt ist.
Hinzu kommen strenge optische Standards: Obst und Gemüse werden aussortiert, auch weil sie nur kleine Makel haben. Oder Brot aus Bäckereien wird weggeworfen, weil viele es nur frisch aus dem Ofen kaufen wollen.
Auf der Deponie zersetzen sich Lebensmittel dann und setzen Methan frei – ein besonders starkes Treibhausgas. Gleichzeitig gehen auch die Ressourcen verloren, die für Produktion, Verpackung und Transport nötig waren: Wasser, Energie und Arbeitskraft.
Kurz gesagt: Lebensmittelverschwendung bedeutet wirtschaftlichen Verlust, belastet die Umwelt und mindert vor allem die Möglichkeiten der Lebensmittelbanken, Bedürftige zu unterstützen, sagt Andreea Bobiș:
„Wir haben von Anfang an eine Ressource dort erkannt, wo andere nur Überschüsse oder schwer verwaltbare Lebensmittel gesehen haben. Das kann gerettet werden und gibt Menschen Würde und Unterstützung. Konkret holen wir diese Lebensmittel ab und leiten sie meist sehr schnell weiter, weil sie oft nur noch kurz haltbar sind. Landesweit unterstützen wir so über 800 Vereine und versorgen wöchentlich mehr als 300.000 Menschen.“

Was würde es für arme Menschen bedeuten, wenn in Rumänien nicht mehr jedes Jahr 3,4 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen? Ihr täglicher Nahrungsbedarf wäre gedeckt, denn die Lebensmittelbanken erreichen längst nicht alle Bedürftigen – wahrscheinlich weniger als zehn Prozent.

Seit ihrer Gründung 2016 bis Ende 2025 hat der Bund der Lebensmittelbanken mehr als 41.000 Tonnen Produkte gesammelt, davon über 37.000 Tonnen gerettete Lebensmittel. Daraus sind mehr als 76 Millionen Mahlzeiten entstanden.

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